15.04.2010
Am 13. April 2010 wurde Oberbank-Generaldirektor Franz Gasselsberger zum Obmann der Sparte Bank und Versicherung der WKO Oberösterreich gewählt. Ludwig Scharinger, Generaldirektor der Raiffeisen-Landesbank OÖ, legte nach 10 Jahren seine Funktion zurück.
Fortsetzung der Konsenspolitik
Anlässlich des Obmannwechsels verwies Gasselsberger darauf, dass sich die „Politik des Miteinanders“ sowohl zwischen den Banken als auch gegenüber den Sozialpartnern bewährt hat. Zu den Zielen der Sparte zählt für Gasselsberger daher, die bewährte Konsenspolitik unbedingt fortzusetzen.
Unterstützung der Klein- und Mittelbetriebe
Die Unterstützung der oberösterreichischen Klein- und Mittelbetriebe ist laut Gasselsberger ein weiteres wesentliches Spartenziel. So bürgt etwa die oberösterreichische Kreditgarantiegesellschaft „KGG“ derzeit für rund 650 oberösterreichische Klein- und Mittelbetriebe. „Die KGG und die oberösterreichische Unternehmensbeteiligungsgesellschaft UBG sind Erfolgsgeschichten, auf die wir stolz sein können“, betont Gasselsberger.
„Imageoffensive“
Die Finanzkrise der letzten Jahre hat das Image der Banken beeinträchtigt. Weil die Banken in Oberösterreich aber am allerwenigsten durch hochspekulative Geschäfte Geld verloren oder Kunden schlecht beraten haben, will Gasselsberger ihre Rolle bei der Bewältigung der Finanzkrise aktiv betonen.
Faire Lösung bei einer neuen „Bankensteuer“
Bei der Bankensteuer muss laut Gasselsberger eine faire Lösung gefunden werden. „Ich finde es unerträglich, alles und jedes in einen Topf zu werfen. Bei der Bemessung bzw. Abwicklung einer speziellen Bankensteuer muss daher berücksichtigt werden, wo die Probleme entstanden sind“, betont der neue Spartenobmann.
Anlässlich der Wahl von Franz Gasselsberger war auch OeNB-Gouverneur Prof. Dr. Ewald Novotny in Linz zu Gast.
In einem Statement ging er vor allem auf die bevorstehenden Änderungen bei den Eigenkapitalvorschriften und die geplanten Sondersteuern für Banken sowie auf die aktuellen Probleme Griechenlands ein.
Eigenkapital, Bankensteuer
Nowotny betonte die enormen Unterschiede im Bereich der Bilanzierung zwischen den USA und Europa und dass ein einseitiges Nachgeben Europas verhindert werden müsse. Die US-Banken sollten nicht ungeschoren davonkommen und die eigentlichen Opfer, vor allem die europäischen Banken, die Last dafür tragen. Eine Harmonisierung der Regelungen zwischen den USA und Europa sei auch für eine Stabilisierung der Weltwirtschaft entscheidend.
Im Zusammenhang mit dem Richtlinienentwurf zu „Basel III“, mit dem im zweiten Halbjahr 2010 zu rechnen ist, finden laut Novotny derzeit weltweit Erhebungen statt, die die Auswirkungen auf die Banken im Hinblick auf die Realisierbarkeit der beabsichtigten Eigenkapitalanpassungen aufzeigen sollen.
Nowotny betonte auch, dass höhere Eigenkapitalerfordernisse durchaus Auswirkungen auf das Finanzierungsverhalten der Banken haben könnten. Auch eine massive Verteuerung der Kredite sei nicht auszuschließen.
Besonders betonte der OeNB-Gouverneur, dass die Banken in Oberösterreich in guten Händen sind - hier zeige sich ein großer Unterschied zu weiten Bereichen der übrigen Bankenwelt.
Thema „Griechenland“
Nowotny verglich die griechische Situation mit Ungarn, wo durch entsprechende strukturelle Maßnahmen die angebotene Unterstützung schon im zweiten Jahr der Krise nicht mehr in Anspruch genommen werden mussten.
Ein wesentlicher Grund für die von der EU gesetzten Hilfsmaßnahmen für Griechenland war laut Novotny die Sicherung der Werthaltigkeit griechischer Staatsanleihen, die in vielen europäischen Ländern - allen voran Frankreich, Schweiz und Deutschland - gekauft wurden (rd. 300 Mrd. Euro).
Novotny betonte auch, dass die Hilfe für Griechenland vor allem eine Hilfe zur Selbsthilfe sei und Griechenland für die weiteren erforderlichen Maßnahmen selbst verantwortlich sei.

Bildtext (v.l.n.r.): Oberbank-Generaldirektor Franz Gasselsberger, Nationalbank-Gouverneur Ewald Nowotny, Ludwig Scharinger (Generaldirektor der Raiffeisen-Landesbank OÖ).
Fotoquelle: Kronen Zeitung / Chris Koller