30.01.2012
2011 als „Jahr der Schuldenkrise“: Handlungsbedarf auch in Österreich, Herausforderungen für Österreichs (Groß-)Banken, die Oberbank ist von den Problemen nicht betroffen! Ausblick 2012: „angesagte Rezession“ findet nicht statt!
2011 wird als „das Jahr der Schuldenkrise“ in Erinnerung bleiben.
In diesem Jahr hat die Finanzindustrie massiv an Renommee eingebüßt, oft werden die Banken sogar als die Schuldigen an der Krise bezeichnet.
Regionalbanken wie die Oberbank, die BKS Bank oder die Bank für Tirol und Vorarlberg sind nach wie vor hervorragend aufgestellt!
Aus dieser Staatsschuldenkrise führt jetzt nur ein Weg hinaus.
Langfristig müssen die Staaten ihre Schulden konsequent abbauen, gleichzeitig brauchen sie kurzfristig Liquidität, deshalb wird die EZB nicht um Anleihekäufe herumkommen. Zusätzlich brauchen wir ein klares Commitment, dass Regeln in einer Gemeinschaft für alle gelten, sonst ist der nächste „Fall Griechenland“ vorprogrammiert!
Der EU-Gipfel im Dezember war ein Schritt in die richtige Richtung.
Die dort gefassten politischen Beschlüsse zielen auf eine engere Fiskal- und Wirtschaftsunion und müssen jetzt rasch umgesetzt werden - nur das bringt die Glaubwürdigkeit an den Kapitalmärkten zurück.
Auch in Österreich besteht Handlungsbedarf.
Die Kapitalmärkte haben zuletzt eine Neubewertung Österreichs vorgenommen, weil der Stillstand in der Bundespolitik und das überdurchschnittlich hohe Engagement der Großbanken in Osteuropa international wahrgenommen werden. Diese beiden Faktoren waren auch mit ausschlaggebend dafür, dass Standard & Poor´s Österreich die Bestnote AAA aberkannt hat.
Diese Bonitätsverschlechterung ist sehr ernst zu nehmen, es besteht aber kein Grund zu dramatisieren.
Erstens hat der Markt die Neueinstufung nicht dramatisch aufgenommen.
Weil die Risikoaufschläge für österreichische Staatsanleihen bereits seit November deutlich gestiegen sind hat Standard & Poor´s nur nachvollzogen, was der Markt längst eingepreist hat. Dass S&P die Bonität Österreichs und anderer Länder aber zu dem Zeitpunkt zurückgestuft hat, zu dem sich die Märkte zu beruhigen begannen, war vom Timing her unglaublich schlecht!
Zweitens ist die Republik Österreich, was die Refinanzierungsstruktur anbelangt, sehr gut aufgestellt.
Die 200 Mrd. Euro Staatsschulden sind zu gleichen Teilen auf zehn Jahre verteilt, das ist im europäischen Vergleich eine der besten Refinanzierungsstrukturen.
Weil Österreich keine Schuldenbremse in der Verfassung verankert hat wurde die erste Chance vergeben, das Vertrauen der Märkte zurück zu gewinnen. In diesen Wochen hat die zweite Chance begonnen!
Die Bundesregierung muss endlich überzeugende Konzepte liefern, wie sie die Staatsschulden reduzieren will. Nur damit kann das aktuelle Einstufungsniveau gehalten werden.Gelingt das nicht, wird es zu einer weiteren negativen Neubewertung kommen!
Ich bin davon überzeugt, dass die Bundesregierung die nötigen Maßnahmen umsetzen wird. Es ist aber schade, dass echte Reformen in Österreich scheinbar nur unter dem Druck von außen möglich sind.
Herausforderungen für Österreichs (Groß-)Banken
Österreichs Großbanken sind in Osteuropa besonders stark engagiert.
Dort haben sich einige von ihnen durch ein zu starkes Kreditwachstum, hohe notleidende Kredite, zu geringe Kundeneinlagen und überteuerte Bankenkäufe enorm in Bedrängnis gebracht. Deshalb sind die von der FMA und der OeNB gesetzten Maßnahmen sicherlich richtig, wonach die österreichischen Mutterinstitute der Osteuropa-Banken Basel III de facto schon Mitte 2012 umsetzen müssen. Einige Großbanken haben den Kreditabbau schon begonnen, um die Eigenmittelvorschriften zu erfüllen und nicht noch einmal Staatshilfe zu brauchen!
Zu diesem schwierigen Umfeld kommen noch enorme Ertragseinbußen.
Der gemeinsame Jahresüberschuss der österreichischen Banken dürfte 2011 um über 70% niedriger sein als 2010!
Die Oberbank ist von diesen Problemen nicht direkt betroffen!
Das hat dazu geführt, dass wir in den letzten Jahren konstant gute Ergebnisse erzielt und uns klar besser als der Gesamtmarkt der Banken entwickelt haben.
Im Vergleich mit 2006, vor der Finanz- und Staatsschuldenkrise, haben wir unseren Überschuss nach Steuern um 53% gesteigert, während der gesamte österreichische Bankenmarkt einen Ergebnisrückgang um 71% hinnehmen musste.
Jahresüberschuss der österreichischen Banken lt. OeNB (unkonsolidiert)

Ausblick 2012: die „angesagte Rezession“ findet nicht statt!
Viele Prognoseinstitute korrigieren ihre Erwartungen für 2012 laufend nach unten. Zusätzlich ist das Vertrauen zwischen den Banken extrem schwach: ihre Einlagen bei der EZB von fast 500 Mrd. Euro fehlen dem Markt, daher ist das Thema der Liquiditätssicherung 2012 für alle Marktteilnehmer ein beherrschendes Thema.
In unseren Gesprächen mit der Wirtschaft in Österreich und Bayern hören wir aber, dass die Unternehmen recht optimistisch sind.
Die Auftragslage ist gut, vor allem in wichtigen Branchen wie dem Maschinenbau und den Automobilzulieferern, die Unternehmen spüren die prognostizierte Krise nicht und sind auf eine mögliche Konjunkturabschwächung wesentlich besser vorbereitet als in der Krise 2008/2009. Es besteht ein deutlicher Gap zwischen den Aussagen der Wirtschaftsforscher und dem, was die Unternehmen erleben!
Verantwortungsbewusste Entscheidungsträger und Meinungsbildner müssen jetzt aufpassen, die Krise nicht herbei zu reden.