16.01.2019 ‐ Finanzmarkt aktuell

100 Jahre tschechische Krone

Nicht nur die Oberbank feiert dieses Jahr ein Jubiläum (sie wurde vor 150 Jahren gegründet), sondern auch die Tschechische Nationalbank: das 100-jährige Bestehen der tschechischen Krone (CZK).

Im Jahr 1919 führte die Tschechoslowakei ihre eigene Währung ein – alte österreichische Banknoten wurden bestempelt und anschließend allmählich in neue Noten ausgetauscht. Während Österreich (wie auch Deutschland) Anfang der 20er-Jahre eine Hyperinflation erlebte und die österreichische Krone aufgeben musste, haben die Tschechen durch eine schmerzhafte Deflationspolitik des Finanzministeriums (die Zentralbank existierte noch nicht) ihre Krone in wenigen Jahren zu einer der festesten Währungen der Welt gemacht, die bis heute besteht. Wegen der vierzigjährigen kommunistischen Ära nach dem Zweiten Weltkrieg zählt jedoch die tschechische Krone heute zu den „Schwellenländerwährungen“.


Im Zuge des Beitritts zur Europäischen Union im Jahr 2004 hat sich die Tschechische Republik verpflichtet den Euro einzuführen, jedoch ohne Angabe eines Zeithorizonts. (Diese Pflicht haben alle EU-Mitgliedsstaaten außer Dänemark und das Vereinigte Königreich.) Während vor 15 Jahren die Bereitschaft die Krone durch die Gemeinschaftswährung zu ersetzen relativ hoch war, würden heute als Folge der Eurokrise mehr als zwei Drittel der Tschechinnen und Tschechen gegen die Einführung des Euros abstimmen. Unter Wirtschaftsexperten findet sich aktuell keine Mehrheit für oder gegen den Euro. Es ist davon auszugehen, dass die tschechische Krone noch lange existieren wird. Selbst wenn Tschechien alle anderen Konvergenzkriterien zur Einführung des Euros erfüllen würde, würde es vermutlich (ähnlich wie Schweden) die zweijährige Teilnahme am Wechselkursmechanismus II verweigern, ohne welche der Beitritt zur Eurozone nicht möglich ist.


Seit der Einführung des Euros in 11 EU-Ländern Anfang 1999 wertet die CZK gegenüber dem Euro auf und leistet dadurch einen wesentlichen Beitrag zur Konvergenz des Preis- und Einkommensniveaus mit den „alten“ EU-Ländern. Rückschläge erlitt die Krone durch die Finanzkrise 2008/2009 und durch die Entscheidung der Tschechischen Nationalbank im November 2013 durch eine künstliche Abwertung und durch eine EUR/CZK-Kursuntergrenze von 27,00 der tschechischen Wirtschaft einen Schub zu verleihen. Die Aufwertung der Krone nach Aufhebung der Kursgrenze im April 2017 fiel überraschend schwach aus (im Gegensatz zur Schweiz zwei Jahre früher). Seit damals schwimmt die Tschechische Nationalbank gegen den Strom und hat als erste Zentralbank in der EU mit Leitzinserhöhungen begonnen. Der Zinssatz, zu dem Banken überschüssige Liquidität bei der Zentralbank parken können, wurde bereits siebenmal auf aktuell 1,75 % erhöht. Weil sich die Stimmung an den globalen Finanzmärkten seit letztem Jahr verschlechtert hat und Tschechien für internationale Investoren immer noch zu den Schwellenländern zählt, hat der Devisenmarkt auf den Zinsvorsprung der Krone nur verhalten reagiert.


Wir erwarten, dass die tschechische Krone gegenüber dem Euro langfristig weiter aufwerten wird. Im Falle einer europaweiten Rezession würde sie jedoch einen Teil ihrer Gewinne wieder abgeben. Unter den Währungen Mittel- und Osteuropas dürfte die CZK jedenfalls eine der stabilsten sein, in welche Richtung auch immer sich die Weltwirtschaft entwickeln wird.

 

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