07.09.2018 ‐ Eventnachbericht

Die Zukunft bewegt uns alle – nur wie?

Zwei hochkarätige Automanager ließen am Donnerstag, den 6. September, zum Oberbank Automotiv-Forum „Megatrends – Mobilität der Zukunft“ zahlreiche Interessierte ins Oberbank Donau-Forum pilgern.

Im Bild (v.l.n.r.): Franz Gasslsberger (Generaldirektor der Oberbank), Axel Greiner ( Präsident der Industriellenvereinigung OÖ), Ralf Speth (CEO Jaguar Land Rover), Günther Apfalter (President Magna Europe & Magna Steyr) und Thomas Stelzer (Landeshauptmann von OÖ) Fotoquelle: Eric Krügl

 

Stabilität und Innovation als gemeinsame Aufgabe

Gastgeber Franz Gasselsberger sah trotz aller Herausforderungen und Fehlentwicklungen in der Automobil-Branche ihre dominante Rolle noch auf lange Zeit als unverzichtbar:

“Sie ist in ganz Europa seit Jahrzehnten ein verlässlicher Arbeitgeber und Steuerzahler. Zudem ist sie einer der wichtigsten Technologietreiber, die Schlüsselkompetenzen liegen nach wie vor in Europa. Und schließlich gibt es in der privaten und öffentlichen Mobilität und in der Nahversorgung keine Alternative zu PKW und LKW!“


Alex Greiner, Präsident der OÖ Industriellenvereinigung, unterstrich ebenfalls die Wichtigkeit der Auto-Zulieferer unseres Bundeslandes. Die Konzentration auf E-Mobilität sollte allerdings gleichzeitig die Offenheit für andere Antriebssysteme erlauben, um nicht im Wettbewerb hinter Asien, insbesondere China, entscheidend zurückzufallen. Landeshauptmann Thomas Stelzer zitierte Einstein:

„Der Fortschritt geschieht heute so schnell, dass, während jemand eine Sache für gänzlich undurchführbar erklärt, er von einem anderen unterbrochen wird, der sie schon realisiert hat.“

Ihm sei völlig klar, dass es noch wesentlich mehr Investitionen und Angebot bei Bildung und Ausbildung der Zulieferer sowie im Forschungsbereich geben müsse, um die Innovationskraft unseres Standorts zu stärken. Darüber hinaus waren sich alle Referenten einig – die Herausforderungen künftiger (Auto-) Mobilität seien nur im Verbund von Politik, Autoherstellern, Lieferanten und Konsumenten auf nationaler wie internationaler Ebene zu bewältigen.

 

 


Auto der Zukunft bringt neuen Menschen hervor

Ralf Speth, CEO von Jaguar/Landrover, nannte als Ziel seines Unternehmens, nachhaltige smarte Antriebsformen zu entwickeln. Er sieht es, gemeinsam mit Magna, als Vorreiter bei der E-Mobilität. Die Autos der Zukunft werden anders aussehen, sauberer, sicherer und effizienter sein. Staus und Unfälle seien mit Verkehrsmanagement-Systemen in den Griff zu bekommen. Die technologischen Veränderungen ziehen aber weitreichende Folgen für uns Menschen, für unser Denken und unseren Lebensstil nach sich. Das zukünftige Fahren werfe komplexe Fragen auf, die es zu lösen gilt: Fahren ohne Lenker zum Beispiel erfordere weltweit ethische Regeln, die angesichts unterschiedlicher Kulturen schwer zu vereinheitlichen seien. Die großen Datenmengen wiederum, die unter anderem die Fahrtauglichkeit und Gesundheit von Individuen überprüfen können und zu mehr Sicherheit führen – erzeugen diese nicht auch den gläsernen, überwachten Menschen à la George Orwell?


Riesiger Markt und hohe Hürden

Günther Apfalter, President von Magna Europe & Magna Steyr, schätzte das Potenzial von neuen Mobilitätskonzepten wie Shared Mobility, On-Demand oder multimodale Mobilität auf einen Marktwert von 1,7 Billionen Euro. Er prognostizierte für 2030 den Anteil von reinen E-Fahrzeugen auf 13 Prozent. Derzeit sei einer der Achillesfersen noch die Batterien-Ladedauer von 30 bis 40 Minuten. Bei der vorausgesagten Quote würde bei dieser Ladezeit eine Tankstelle die 10-fache Fläche benötigen. Auch die Versorgung mit seltenen Erden für den Bau von Batterien sei kritisch zu betrachten – alleine China vereinnahmt davon 78 Prozent. Diese Entwicklung lasse die Preise signifikant steigen. In der abschließenden Talkrunde unter der Moderation von Hans-Peter Siebenhaar vom Handelsblatt Wien wurden die Aspekte des Themas noch weiter vertieft.