05.07.2018 ‐ Eventnachbericht

Fast auf dem höchsten Punkt

Mit Wetterglück und Berg-Legende Peter Habeler ging es im Rahmen der Oberbank/OÖN Bergtour auf die Wildspitze, Österreichs zweithöchsten Berg. Von der Breslauer Hütte über den Jubiläumsgrat bis nach ganz oben (3768 m).

Oberbank/OÖN Bergtour - Wildspitze 2018 / Fotoquelle: Gregor Hartl

Bergsteigen ist eigentlich ganz leicht. Man geht rauf, und wieder runter

, sagt Berg-Legende Peter Habeler (75) mit seinem jugendlich-verschmitzten Lächeln.

 

Seit drei Jahren gibt es die Bergsportserie in den OÖN, die von der Oberbank unterstützt wird und auf große Resonanz stößt. Unser Ziel in diesem Jahr: die Wildspitze in den Ötztaler Alpen. Was auf den ersten Blick harmlos klingt, ist der zweithöchste Berg Österreichs (3768 m), nur 30 Meter niedriger als der Großglockner. 50 Teilnehmer stellten sich heuer der Herausforderung - und am Ende sollten es alle bis ganz nach oben geschafft haben, so viel sei schon jetzt verraten.

 

Der Motivationskünstler

Das mag auch an Hati Finsterer von der Bergschule ALPS und seinen Bergführern gelegen haben, aber besonders an einem Motivationskünstler: Peter Habeler. Erstbesteiger des Mount Everest ohne Sauerstoff, gemeinsam mit Reinhold Messner, und einer der besten Bergsteiger, deren sich Österreich je rühmen durfte. Wer den energiegeladenen Zillertaler dabei beobachtet, wie er mit 75 Jahren den Berg und die Wände (mit Extremkletterer David Lama bezwang er mit 74 Jahren als bisher Ältester die Eiger-Nordwand) hochkraxelt, der kann nicht zurückstecken.

 

Am ersten Tag ging es von Vent im Ötztal hinauf auf die Breslauer Hütte (2844 m), wo die Nacht kurz war. Aufbruch um 5.30 Uhr. Da hilft kein Umdrehen. "Das Wetter wird schön, wir müssen das ausnutzen", sagten Oberbank-Generaldirektor Franz Gasselsberger und Bergführer Finsterer unisono. Die eine Gruppe machte sich über den Jubiläumsgrat auf in Richtung Gipfel, über den Rofenkar- und den Taschachferner. Die andere Gruppe wählte den Normalweg über das Mitterkarjoch. Beides war anstrengend, und ab 3000 Metern Höhe merkt man generell ganz praxisorientiert, das die Luft dünn wird. Das Atmen fällt schwer. Am Gletscher ging es angeseilt dahin, die letzten Meter bis zum Gipfel waren dann aufgrund der Steilheit noch einmal eine Herausforderung. "Du hast es geschafft, Berg heil", sagt der Haber(l)er. Was für ein Ausblick!

 

Ein Gipfelsieg ohne Stau

3768 Meter über den Dingen stehen, das ist wirklich beeindruckend. Darin waren sich alle Teilnehmer einig, denen die Freude über die perfekten Bedingungen und das Erlebte ins Gesicht geschrieben stand. "Geschafft", brachte es Ernst Mayr (Fussl Mode) stellvertretend für alle auf den Punkt. Der Wettergott hatte auch mitgespielt - Sonnenschein von früh morgens weg. Besser geht es über 3000 Meter nicht. Im Unterschied zum Großglockner im Vorjahr waren wir trotzdem so ziemlich die Einzigen, die unterwegs waren. Stau wie am Glockner gab es nicht. Auch das macht die Wildspitze zu einem sympathischen Berg. Der Abstieg war dann eine Zugabe, das Bier und der Kaiserschmarrn auf der Breslauer Hütte wohlverdient. So kann es auch nächstes Jahr weitergehen. Alle hoffen wieder auf den Wettergott. Habeler: "Das wird schon klappen, wenn ihr mich wieder mitnehmt." Gerne, das machen wir.

 

 

Gipfelgespräch: Was ist der Reiz der Berge?

In der urigen Atmosphäre der Breslauer Hütte (2844 m) trafen Mount-Everest-Erstbesteiger und Berg-Legende Peter Habeler (75) und Bergliebhaber Franz Gasselsberger (Generaldirektor Oberbank) beim Gipfelgespräch aufeinander. Sie philosophierten über die Vorzüge der Berge, ihre Gefahren, den Reiz des Bergsteigens und das Älterwerden.

 

Gasselsberger: Für mich ist die Wildspitze eine Premiere. Vor 15 Jahren wollte ich es schon versuchen, konnte dann aber leider nicht. Den zweithöchsten Berg musst du als Österreicher bestiegen haben. Das ist Teil meiner Motivation.

 

Habeler: Ich war das letzte Mal im Vorjahr oben, bei ganz schlechtem Wetter. Es war nebelig, wir haben kaum mehr heruntergefunden. Aber das war immer mein Glück in meiner gesamten Karriere: dass ich immer umdrehen konnte und wieder heruntergefunden habe. Der Jubiläumsgrat ist nicht so leicht.

 

Gasselsberger: Für dich ist das aber kein Problem. Du bist unglaublich fit mit 75 Jahren und kletterst noch. Ich glaube, man kann den biologischen Alterungsprozess unglaublich hinauszögern.

 

Habeler: Das stimmt. Das Wesentlichste ist die Motivation - und die habe ich. Ein anderer geht Tennis spielen oder golfen. Die Natur ist für mich das Schönste, deshalb geh' ich klettern. Für Gymnastik, wie es andere machen, bin ich zu faul.

 

Gasselsberger: Hut ab, wie du noch unterwegs bist. Das ist vorbildhaft.

 

Habeler:

Es freut mich, wenn jetzt ältere Leute sagen, schau, der Habeler, der macht noch was. Das kann ein Ansporn sein für jemanden, der 60 ist und glaubt, sein Leben ist schon gelaufen. Die körperliche Fähigkeit nimmt aber ab.

Gasselsberger: Du bist einer der bekanntesten Bergsteiger der Welt. Gibt es für dich einen besonderen Berg, einen Lieblingsberg?

 

Habeler: Nein, habe ich nicht. Ich mag sie alle gleich (lacht). Und du?

 

Gasselsberger: Mein Lieblingsberg ist das Matterhorn, ich habe es zweimal bezwungen - einmal gemeinsam mit meiner Frau. Wenn du vor diesem "Toblerone"-Berg stehst, denkst du dir: Das gibt es nicht, dass man da raufkommt. Aber es geht.

 

Habeler: In den 70ern war ich mit Reinhold Messner dort, und wir wollten die Nordwand auf der Bonatti-Route bezwingen. Wir haben es aber nicht geschafft, aufgrund eines Wettersturzes mussten wir umkehren.

 

Gasselsberger: Gefährliche Momente gehören zum Bergsteigen, das darf man nicht vergessen.

 

Habeler: Da hast du recht. Ich kann meine gefährlichsten Momente am Berg gar nicht aufzählen, das waren zu viele. Wenn ich alleine unterwegs bin, denke ich oft daran, wie viel Glück ich in meinem Leben gehabt habe.

 

Gasselsberger: Die Vorbereitung auf eine Tour ist das Wichtigste. Ich sehe da auch Ähnlichkeiten mit dem Job. Wenn du Projekte nicht ordentlich vorbereitest, wirst du scheitern. Da hilft dir die beste Umsetzung nichts. Das hat man jetzt auch bei den Deutschen bei der WM gesehen (lacht).

 

Quelle: OÖN Artikel vom 05. Juli 2018