COVID-19: Steuerliche Maßnahmen für Unternehmen bei Umsatzeinbrüchen

Die aktuellen Sonderregelungen auf einen Blick

Vom Bundesministerium für Finanzen wurden betreffend Coronavirus-Krise einige steuerliche Erleichterungen für eine rasche und unbürokratische Hilfe vorgesehen. Sämtliche Anträge, die diese steuerlichen Maßnahmen betreffen, werden von den Finanzämtern sofort bearbeitet. Mag. Jürgen Mayerhofer, Wirtschaftsprüfer und Steuerberater bei KPMG Austria GmbH, listet die wichtigsten Maßnahmen für uns auf:

 

Herabsetzung oder Null-Festsetzung der Einkommensteuer- oder Körperschaftsteuer-Vorauszahlungen 2020

Steuerpflichtige, die von einer durch das SARS-CoV-2-Virus bedingten Ertragseinbuße betroffen sind, können einen Antrag auf Herabsetzung der Einkommensteuer- oder Körperschaftsteuervorauszahlungen für das Kalenderjahr 2020 stellen. Die Antragstellung ist zwar bis 31.10.2020 möglich, jedoch ist zu empfehlen, die Herabsetzung rechtzeitig vor dem Fälligkeitstermin der nächsten vierteljährlichen Vorauszahlung zu stellen. Bei besonders starkem Gewinneinbruch sollte der Herabsetzungsantrag sofort gestellt werden, da die bis zu diesem Zeitpunkt bereits bezahlten Vorauszahlungen gutgeschrieben werden und dann die Rückzahlung beantragt werden kann.
 
Ergibt sich bei der (nach Ablauf des Jahres 2020 erfolgenden) Veranlagung aufgrund der Herabsetzung bzw Null-Festsetzung eine Einkommensteuer- bzw Körperschaftsteuernachzahlung, hat das Finanzamt von einer Festsetzung von Nachforderungszinsen („Anspruchszinsen“) Abstand zu nehmen.

 

Zahlungserleichterung durch Stundung oder Ratenzahlung

Steuerpflichtige können beantragen, das Datum der Entrichtung einer Abgabe hinauszuschieben (Stundung) oder deren Entrichtung in Raten zu gewähren. Im Antrag ist die konkrete Betroffenheit des Steuerpflichtigen glaubhaft zu machen. Bei Vorliegen der konkreten Betroffenheit hat das Finanzamt eine Stundung bzw. eine Ratenzahlung bis längstens 30. September 2020 zu gewähren. Bis zur Erledigung des Antrages auf Stundung oder Ratenzahlung ist die Zahlungspflicht gehemmt und es dürfen keine Einbringungsmaßnahmen gesetzt werden. Anträge auf Gewährung einer Zahlungserleichterung sind nicht auf bestimmte Abgabenarten eingeschränkt.
Gleichzeitig mit dem Antrag auf Stundung bzw Ratenzahlung kann beantragt werden, keine Stundungszinsen festzusetzen.
 

 

Herabsetzung oder Nichtfestsetzung von Säumniszuschlägen

Ein bereits verhängter Säumniszuschlag ist auf Antrag des Steuerpflichtigen bei dessen Glaubhaftmachung seiner konkreten Betroffenheit durch das SARS-CoV-2-Virus ebenso herab- bzw. nicht festzusetzen.
 
Voraussetzung für die Gewährung der vorstehenden Maßnahmen ist jeweils eine sorgfältige Prüfung der individuellen Betroffenheit und eine Glaubhaftmachung, dass der Steuerpflichtige von einem Liquiditätsengpass betroffen ist, der konkret auf die Corona-Krise zurückzuführen ist (Ertragseinbuße und/oder Liquiditätsengpass aufgrund der SARS-CoV-2-Virus-Infektion). Dazu zählen zB außergewöhnlich hohe Stornierungen von Hotelreservierungen, Ausfall von Sport- und Kulturveranstaltungen aufgrund behördlicher Verbote, Ausfall oder Beeinträchtigung von Lieferketten oder Ertragseinbußen durch Änderung des Konsumverhaltens. Zur Glaubhaftmachung hat die Finanzverwaltung im FinanzOnline folgende Musterformulierungen zur Verfügung gestellt (Textbausteine für die Antragstellung):

 

  • „Ich habe meine Betroffenheit durch die SARS-CoV-2-Virus-Infektion sorgfältig geprüft und kann glaubhaft machen, dass die bisherigen Vorauszahlungen zu hoch sind bzw. dass ich von einem Liquiditätsengpass betroffen bin. Ich beantrage aus diesem Grund die geänderte Festsetzung der Vorauszahlungen.“

  • „Ich habe meine Betroffenheit durch die SARS-CoV-2-Virus-Infektion sorgfältig geprüft und kann glaubhaft machen, von einem dadurch ausgelösten Liquiditätsengpass betroffen zu sein. Ich beantrage aus diesem Grund die Stundung/Ratenzahlung bis 30.9.2020 oder bis zu dem von mir angeführten Tag vor dem 30.9.2020. Ich beantrage auch, von der Festsetzung der nach § 212 Abs. 2 BAO anfallenden Stundungszinsen abzusehen.“

 

Die Antragstellung hat grundsätzlich über FinanzOnline zu erfolgen bzw können die Anträge auch an das eigens eingerichtete Mail-Postfach corona@bmf.gv.at gesendet werden.
Vom Bundesministerium für Finanzen wird außerdem ein Antragsformular für die steuerlichen Erleichterungen zur Verfügung gestellt („Kombinierter Antrag zu Sonderregelungen betreffend Coronavirus“).

Auszahlung von Guthaben trotz gestundeter Abgabenrückstände
Viele Unternehmen sind seit März von signifikanten Umsatzrückgängen betroffen und haben bereits eine Zahlungserleichterung (Stundung oder Ratenzahlung) ihrer Abgaben beantragt. Ergibt sich nun z.B. aufgrund eines Vorsteuerüberhanges in einer Umsatzsteuervoranmeldung (UVA) eine Gutschrift, so würde diese Gutschrift nach bisheriger Rechtslage mit den gestundeten Abgabenschulden verrechnet und würde daher nicht oder nur teilweise zu einem rückzahlbaren Guthaben führen.  
Mit dem 18. COVID-19-Gesetz wurde beschlossen, dass zeitlich befristet die ungekürzte Auszahlung von Gutschriftsbeträgen neben einer beantragten bzw. aufrechten Zahlungserleichterung möglich ist: Die Auszahlungsmöglichkeit besteht für „sonstige Gutschriften“ im Zeitraum 11. Mai bis 30. September 2020 aus Selbstberechnungsabgaben, Bescheiden oder Erkenntnissen, wenn

 

  • ein Abgabenrückstand besteht, für den im FinanzOnline eine Zahlungserleichterung beantragt wurde oder für den die Zahlungserleichterung mit Bescheid zuerkannt wurde und
  • bei gutschriftauslösenden Bescheiden innerhalb eines Monats oder bei Selbstberechnungsabgaben (zB Umsatzsteuer) gleichzeitig mit Bekanntgabe des Selbstberechnungsbetrages (zB Einreichung der UVA) bzw. bei Prämien, Vergütungen oder Erstattungen gleichzeitig mit der Beantragung ein Rückzahlungsantrag im FinanzOnline eingebracht wird.  


Diese Regelung kommt insoweit nicht zur Anwendung, als eine Einfuhrumsatzsteuer auf dem Abgabenkonto verbucht ist.
Für Gutschriften aus Umsatzsteuervoranmeldungen ist die geänderte Vorschrift aufgrund des befristeten Zeitraum ab 11. Mai 2020 bereits ab der UVA 3/2020 anwendbar: Ergibt sich aus der UVA 3/2020 eine Gutschrift und besteht auf dem Abgabenkonto ein gestundeter Abgabenrückstand, kann bei der Einreichung der UVA zum Fälligkeitstermin 15. Mai 2020 gleichzeitig (am selben Tag) im FinanzOnline die Rückzahlung beantragt werden.

 

Im FinanzOnline ist bei der Beantragung der Rückzahlung folgender Punkt anzukreuzen:

 

„Hiermit beantrage ich die ungekürzte Rückzahlung des oben bezeichneten Gutschriftsbetrages gemäß § 323c Abs. 6 iVm Abs. 9 BAO. Resultiert diese Gutschrift aus einem Abgabenbescheid, wird mit der Antragstellung bestätigt, dass die in § 323c Abs. 6 Z 2 normierte Voraussetzung einer Antragstellung binnen Monatsfrist ab Zustellung des Bescheides vorliegt.“

 

Diese Unterlagen dienen lediglich der aktuellen Information und basieren auf dem Wissensstand der mit der Erstellung betrauten Personen zum Erstellungszeitpunkt. Diese Unterlagen sind weder Angebot noch Aufforderung zum Kauf oder Verkauf der hier erwähnten Veranlagungen bzw. (Bank-)Produkte. Sämtliche in diesem Dokument enthaltenen Aussagen sind nicht als generelle Empfehlung zu werten. Obwohl wir die von uns beanspruchten Quellen als verlässlich einschätzen, übernehmen wir für die Vollständigkeit und Richtigkeit der hier wiedergegebenen Informationen keine Haftung. Insbesondere behalten wir uns einen Irrtum in Bezug auf Zahlenangaben ausdrücklich vor.

 

Dieser Artikel wurde am 14.05.2020 aktualisiert.

Fotoquelle: KPMG Austria GmbH

 

Mag. Jürgen Mayerhofer,
Wirtschaftsprüfer und Steuerberater, KPMG

Sozialversicherungs- maßnahmen

Diese Regelungen gelten jetzt für SV-Beiträge.
 

Filialfinder

Mit dem Oberbank Filialfinder finden Sie schnell & einfach die passende Filiale!