26.03.2019 ‐ Finanzmarkt aktuell

Europa im Abschwung oder doch nur eine kleine Konjunkturdelle?

Eine Lageschätzung auf Basis aktueller Wirtschaftsdaten und der Versuch der EZB die Konjunktur zu lenken.

In den letzten Wochen gibt es von vielen Seiten, egal ob IWF, deutsche Wirtschaftsweisen oder EZB negative Konjunkturausblicke.

Aus gegebenen Anlass möchten wir mit Ihnen genauer die aktuelle Datenlage analysieren. Dazu werden wir 3 Indikatoren der Eurozone und insbesondere des deutschen Wirtschaftsraums näher betrachten.
 

1. Der Einkaufsmanagerindex für die Industrie (PMI), welcher die jeweilige Veränderung der Realwirtschaft, anhand von Unternehmensdaten zu Auftragseingängen, Beschäftigung und anderen Indikatoren misst.

Hier wird in der Grafik 1 ersichtlich, dass wir seit November 2018 einen PMI um die 50 haben. Dieser ist in den letzten Veröffentlichungen regelmäßig gefallen. Der letzte Wert war bereits unter 50, der eine schrumpfende Realwirtschaftsleistung signalisiert.
 

2. Die Industrieproduktion misst die prozentuelle monatliche Veränderung der Produktionsmengen des Industriesektors.
 

Etwas besser sieht es bei der Industrieproduktion aus. Diese konnte sich, egal ob für die Eurozone oder Deutschland seit dem November-Wert verbessern. Dabei sticht der letzte Wert der Eurozone besonders heraus, da es dem Sektor gelungen ist leichtes Wachstum zu generieren.

 

Grafik 1

 

3. Die ZEW-Konjunkturerwartung wird anhand von 300 Expertinnen und Experten aus zahlreichen Wirtschaftsbereichen gemessen und soll ein Stimmungsbild für die Zukunft des jeweiligen Wirtschaftsraumes wiedergeben.

 

Grafik 2

 

Sehr interessant, ist die Einschätzung der Konjunkturerwartung wie in der Grafik 2 ersichtlich. Prinzipiell sind die Konjunkturerwartungen noch negativ, allerdings hat sich seit dem November-Tief das Bild geändert und die Erwartungen haben sich deutlich aufgehellt.

 

Alles in allem sind wir der Meinung, dass wir nicht vor einer Rezession stehen sondern nur eine Konjunktur-Delle erleben. Wir denken allerdings auch, dass ein Großteil der positiven Erwartungen bereits in den Märkten eingepreist ist.

 

Dazu passt auch die Anpassung der EZB-Politik. Um die Wirtschaft zu stützen kündigte die EZB Anfang März diesen Jahres eine bereits bekannte Maßnahme an – den TLTRO III („Targeted longer-term refinancing operations”). Das gewünschte Ergebnis ist leicht erklärt. Europäische Banken können über den TLTRO kostengünstig Gelder von der EZB leihen, das sie dann in Form günstiger Kredite an Unternehmen und Private weitergeben sollen. Diese werden im Idealfall für Investitionen und Konsum genutzt, welche letztlich die Wirtschaft stimulieren und die Inflation anheben sollen. Zusätzlich beginnen die ausstehenden TLTROs ab heuer ihre Wirksamkeit innerhalb der regulatorisch geforderten, langfristigen Refinanzierung zu verlieren, weshalb es zu einem geballten Refinanzierungsbedarf am Markt kommen würde. Dies ginge mit relativ stark steigenden Refinanzierungskosten einher, welche sich auf die Kreditvergabe negativ auswirken würden. Ein prekäres Detail, rund 70% der TLTRO-Gelder gingen an Banken in den ohnehin angeschlagenen Staaten Italien, Spanien und Frankreich.

 

Die Konditionen unter dem TLTRO III sind, im Gegensatz zu den vorhergehenden, voraussichtlich straffer. So ist die Laufzeit für jede der sieben Tranchen auf zwei anstatt vier Jahre begrenzt und der Zinssatz wird möglicherweise höher ausfallen. Die Ausgestaltung ist jedoch noch nicht vollständig festgelegt. Es lässt sich ablesen, dass der geldpolitische Stimulus zwar wieder erhöht wird, allerdings nicht so stark wie durch die vorhergehenden TLTROs.

 

Was bedeutet die geldpolitische Maßnahme? Die EZB dürfte weiterhin über Stabilisierungskraft verfügen, ein Zinsanstieg allerdings erneut weiter in die Ferne gerückt sein. Es bleibt was einst Dante Alighieri schon erkannte: „Der eine wartet, dass die Zeit sich wandelt, der andere packt sie an und handelt“.

 

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