05.09.2019 ‐ Presse

Oberbank-Chef Gasselsberger sieht expansive EZB-Politik sehr kritisch

Der Generaldirektor der oberösterreichischen Oberbank, Franz Gasselsberger, sieht die expansive Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) sehr kritisch und teilt damit die Einschätzung des neuen OeNB-Gouverneurs Robert Holzmann.

Hat man vor einigen Monaten noch von der Zinswende gesprochen, spreche ich von einem Zinsende,

sagte Gasselsberger im Klub der Wirtschaftspublizisten am Dienstag.

 

"Ich stehe auch äußerst kritisch dazu", so Gasselsberger. So weit wie jetzt sei man noch nie entfernt gewesen von einer Normalisierung der Geldpolitik. Derzeit wird von Marktteilnehmern damit gerechnet, dass die EZB ihren Strafzins für Banken von derzeit minus 0,4 Prozent heuer noch auf bis zu minus 0,6 Prozent ausweiten könnte. Eine Senkung auf minus 0,5 Prozent noch bei der Sitzung im September gilt derzeit als sicher.

 

Der neue Gouverneur der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB) Holzmann hatte sich zu seinem Amtsantritt am vergangenen Wochenende ebenfalls kritisch zum noch lockerer werdenden Kurs der EZB geäußert. Er wolle im EZB-Rat "eine etwas kritischere Haltung gegenüber den Vorschlägen einer weiteren monetären Vertiefung" einnehmen, hatte Holzmann vergangenen Samstag im ORF-"Journal zu Gast" gesagt.

 

Dass mit einem höheren Strafzins Banken ihre steigenden Kosten verstärkt auf die Kunden überwälzen könnten, glaubt Gasselsberger aber nicht. Bei Spareinlagen von Privaten verhindert in Österreich ein OGH-Urteil eine Überwälzung der Strafzinsen. Bei Unternehmenskunden, "die ihr Geld lediglich bei der Bank parken", gebe es dagegen bei der Oberbank bereits fallweise negative Zinsen. Die Einführung neuer Gebühren - beispielsweise einer Bankomatgebühr - würden hierzulande zudem sofort die Verbraucherschützer auf den Plan rufen und "für einen großen Aufschrei" sorgen, sagte der Oberbank-Chef. Anders sei die Lage dagegen in Deutschland, wo man nahezu täglich in den Medien von einer drastischen Erhöhung der Privatgebühren - um bis zu 30 Prozent - lese. "Das kann ich mir bei uns in Österreich aber nicht vorstellen", so Gasselsberger.

 

Quelle: APA, 03.09.2019