28.08.2019 ‐ Finanzmarkt aktuell

Wer dominiert den Währungsmarkt?

In einer globalisierten Welt haben Handelsstreitigkeiten zwischen zwei Ländern zwangsläufig Auswirkungen auf den Rest der Marktteilnehmer. Der Streit USA versus China führte dazu, dass mittlerweile 90% der Industrienationen die Wachstumsprognosen senkten. Notenbanken fischen in diesem Fahrwasser im Trüben. Zu allem Überfluss nehmen humanitäre Katastrophen zu, siehe Türkei, Syrien, Saudi Arabien, Jemen. In Summe führt das zu einem starken US-Dollar. Warum? Das sollen die nächsten Zeilen zeigen.

Die volkswirtschaftliche Theorie kennt viele Einflussfaktoren einer Währung. Fundamentale Faktoren wie Wirtschaftswachstum, Inflation und Zinsdifferenzen dominieren die Entwicklung einer Währung. Das ist im Kern auch richtig und jeder unserer Händler in der Abteilung Treasury wird das auch bestätigen. In der Praxis darf ein Punkt nicht vergessen werden. Das ist der dominierende Einfluss von Spekulation am Devisenmarkt.

 

Um den Einfluss besser zu verstehen, ist zu sagen, dass täglich rund 6.000 Mrd. US-Dollar am Währungsmarkt bewegt werden. (Siehe dazu auch die aktuelle Studie auf der Homepage der Bank für Internationen Zahlungsverkehr). 6.000 Mrd. USD gestapelt in 1-Dollar-Geldnotenpakete ergibt eine Höhe von rund 600.000 km. Die Entfernung von der Erde zum Mond ist 380.000 km. Vor der Finanzkrise 2008 lag das Volumen bei rund der Hälfte. Damals schaffte der FX-Markt die Mondlandung noch nicht. Heute haben wir den Mond bereits hinter uns gelassen.

 

In den letzten 10 Jahren hat sich eine neue Assetklasse etabliert: der Währungsmarkt. 95% des täglichen Währungshandels wird von Spekulanten beherrscht. Lediglich 5% des Volumens sind der Wirtschaft zu zurechnen. Zu Wissen wie Spekulanten denken, macht den scheinbar undurchsichtigen Währungsmarkt greifbarer. Für Spekulanten ist die Richtung der Währung zweitrangig, es zählt die Bewegung, ein Trend. Für Kapital zählt Sicherheit, Liquidität und Rendite. Unsicherheit wird gemieden. Während der Finanzkrise war Sicherheit gefragt. Der Euro-Geldhandel am Interbankensektor war am Hoch der Finanzkrise kaum möglich. Der US-Dollar hingegen war auch zu dieser Zeit, wenn auch schwer, handelbar und finanzierbar. Durch die globalen Krisenherde und Rezessionsängste erinnert sich der scheue Spekulant an diese schwere Handelszeit und sucht Zuflucht in sicheren Währungen wie dem US-Dollar, zum Teil auch dem Japanischen Yen und dem Schweizer Franken. Im Kern ist festzuhalten, dass fundamental betrachtet die anstehenden Zinssenkungen und die Schutzzölle der USA, den US-Dollar belasten müssten. Aber heute gilt der Satz: Unter Blinden ist der einäugige König. Die USA besitzen die liquideste Währung der Welt. Der US-Dollar hat im Vergleich zum Euro eine positive Rendite trotz anstehender Zinssenkungen durch die US-Notenbank. Der US-Dollar war in Zeiten der Finanzkrise im Vergleich zu anderen globalen Währungen handelbar und refinanzierbar.

 

Zusammengefasst gilt: Kapital ist auf der Suche nach Sicherheit und die bietet der US-Dollar. Solange die globalen Unsicherheiten, egal ob in der Wirtschaft oder in der Politik dominieren, wird die US-Währung gefragt sein bzw. stark bleiben.

 

Diese Unterlagen dienen lediglich der aktuellen Information und basieren auf dem Wissens-stand der mit der Erstellung betrauten Personen zum Erstellungszeitpunkt. Diese Unterlagen sind weder Angebot noch Aufforderung zum Kauf oder Verkauf der hier erwähnten Veranlagungen bzw. (Bank-)Produkte. Sämtliche in diesem Dokument enthaltenen Aussagen sind nicht als generelle Empfehlung zu werten. Obwohl wir die von uns beanspruchten Quellen als verlässlich einschätzen, übernehmen wir für die Vollständigkeit und Richtigkeit der hier wiedergegebenen Informationen keine Haftung. Insbesondere behalten wir uns einen Irrtum in Bezug auf Zahlenangaben ausdrücklich vor. Die Angaben gemäß § 25 Mediengesetz finden Sie unter diesem Link.