Frauen in der Wirtschaft – Sorgen sie für sich, ihr Unternehmen und MitarbeiterInnen anders vor?

Das Vorsorgethema betrifft uns alle. Doch Frauen sind anders – Männer auch. Sorgen Frauen und im Speziellen Unternehmerinnen anders vor? Wir haben darüber mit Romana Thiem, Stv. Leiterin Geschäftsbereich Salzburg der Oberbank gesprochen.

 

Unterscheiden sich Unternehmerinnen tatsächlich von Unternehmern? Was ist Ihre Wahrnehmung?

Unternehmerinnen sind oft in familiengeführten Unternehmen tätig. Hier ist die Sensibilisierung auf Vorsorge und Absicherung (= Familie, Unternehmen und Nachkommen) jedenfalls groß. Frauen schauen mehr auf das „große Ganze“, bauen sehr stark auf Vertrauen und gehen auf das Gegenüber (Mitarbeiter, Kunden, etc.) ein. Das gemeinschaftliche „WIR“ steht mehr im Vordergrund als die Einzelkämpferin. Frauen verstehen vor allem das Nutzen von Netzwerken und das beeinflusst daher so manche   Handlung und Entscheidung. Häufig sind besonders ausgefallene, innovative Geschäftsideen die Basis für überdurchschnittlich erfolgreiche Unternehmerinnen.

 

Schenken Unternehmerinnen der Vorsorge im Hinblick auf die Absicherung des Unternehmens und der Mitarbeiter mehr Bedeutung als ihre männlichen Kollegen?

Unternehmerinnen haben erfahrungsgemäß einen anderen Bezug und Zugang zum Thema Vorsorge und zur Absicherung als Unternehmer. Sie sind eher bereit sich intensiver mit diesem Thema auseinanderzusetzen.

 

Gibt man als Bank einer Unternehmerin andere Ratschläge in punkto Vorsorge als einem Unternehmer?

Das Vorsorgethema betrifft uns alle und ist ein sehr persönliches und individuelles.  Unabhängig ob Mann oder Frau, erarbeiten wir gemeinsam mit unseren Kunden eine individuelle maßgeschneiderte Lösung. Diese ist auf die Bedürfnisse und Lebensphasen abgestimmt. Die Beratung zielt hier vor allem auf Lebensphasen und nicht auf weiblich/männlich ab.

 

Erkennen Sie einen Trend, dass infolge der Corona-Krise die Unternehmen mehr an die betriebliche Vorsorge denken? Sehen Sie hier auch einen Unterschied zwischen Unternehmerinnen und Unternehmern?

Die betriebliche Vorsorge ist vor allem für langfristig erfolgreiche Unternehmen interessant. Sie beansprucht Liquidität. Einen tendenziellen Anstieg der Nachfragen erkennen wir aber – noch – nicht. Ich denke jedoch schon, dass das gesamte Vorsorgethema Corona-bedingt einen noch höheren Stellenwert bekommen wird. Unterstützt wird dies vor allem auch durch den höheren Lebensstandard und die gestiegene Lebenserwartung. Die betriebliche Vorsorge wird und muss sich als eine zusätzliche Säule der Pensionsvorsorge etablieren.
Zudem ist sie ein wichtiger Baustein für die MitarbeiterInnen-Bindung und die Einzahlung direkt vom Unternehmen in die Vorsorgekasse hat auch wesentliche steuerliche Vorteile.

 

Welche Vorsorgemöglichkeiten gibt es für Betriebe generell?

Je nach Gesellschaftsform und Beschäftigungsverhältnis gibt es unterschiedliche Vorsorgemöglichkeiten: Diese reichen von der klassischen Pensionsvorsorge über Unfall- und Berufsunfähigkeitsabsicherungen bis hin zur Gesundheitsvorsorge. Geschäftsführende Gesellschafter (Beteiligung > 25 %), Inhaber sowie Schlüsselarbeitskräfte sind die IDEALEN Kandidaten für betriebliche Vorsorgemodelle, v. a. direkte Leistungszusagen! Auch die Auslagerung „alter“ Abfertigungsansprüche bringt dem Unternehmen viele Vorteile.

 

Stimmt das Klischee, dass sich Frauen wenig für Finanzen interessieren?

Das kann ich so nicht bestätigen. Oft sind ja die Frauen die Wächter über die Finanzen, auch im privaten Bereich. Auch Positionen von Finanzleitung, Leitung Buchhaltung etc. sind in Unternehmen sehr häufig weiblich besetzt. Uns Frauen wird ja nachgesagt, dass wir besser mit Geld umgehen können.

 

Frau wirft Münze in ein Sparschwein

 

Gehen sie mit Geld anders um als Männer? Wenn ja, welche Gründe hat das aus Ihrer Sicht?

Frauen sind tendenziell vorsichtiger, risikobewusster und schauen mehr aufs Geld. Frauen haben auch einen höheren Kontrollanspruch als Männer. Es gibt auch Studien, die zeigen, dass von Frauen geführte Unternehmen bessere Eigenkapitalrenditen aufweisen und ihr Verschuldungsgrad niedriger ist.

 

Denken Unternehmerinnen eher als Männer auch an die Absicherung der eigenen Familie für den Fall, dass sie ihr Business gesundheitsbedingt nicht weiter ausüben können?

Diese Erfahrung habe ich konkret noch nicht gemacht. Frauen denken aber generell sehr stark an die Familie – in allen Facetten. Die Absicherung der Familie spielt eine große Rolle. Jede Lebenssituation ist anders. Frauen haben in der Regel auch schon während ihrer Berufstätigkeit weniger Geld zur Verfügung als Männer. Sie kümmern sich meist um die Kinder und arbeiten oft in Teilzeit. Das bringt deutliche Nachteile am Pensionskonto.  

 

Wie können sie es schaffen, dennoch Geld für die Altersvorsorge beiseite zu legen?

Speziell für Frauen, die ihren beruflichen Weg zu Gunsten der Familie unterbrechen, ist es besonders wichtig, gut vorzusorgen. Es müssen aber nicht immer gleich 100 Euro sein, die Frau monatlich für die Pensionsvorsorge zur Seite legt, sondern jeder Euro zählt. Wenn Frau rechtzeitig beginnt – und das ist das Wichtigste – können auch kleine Beträge viel bewirken.

 

Müssen Frauen bei der Altersvorsorge prinzipiell anders vorgehen als Männer?

Wenn sich Frauen dazu entscheiden, für die Familie eine berufliche Auszeit zu nehmen, dann ist es wichtig das in der eigenen Vorsorge zu berücksichtigen. Etwa in den Jahren, in denen die Frau voll berufstätig ist, bereits etwas mehr ansparen. Und – wie oben erwähnt – jeder Betrag zählt.

 

Ab wann sollte Frau (spätestens) mit einer privaten Altersvorsorge anfangen? Ist es irgendwann auch zu spät dafür?

Je früher desto besser. Die gute Nachricht ist aber: Für die Vorsorge ist es nie zu spät!

 

Worauf setzen Frauen, wenn sie Geld anlegen? Gehen sie gerne Risiken ein, oder ist Sicherheit wichtig?

Frauen sind vorsichtig und ihnen ist Sicherheit besonders wichtig. Frauen interessieren sich speziell für Nachhaltigkeitsthemen. Im Einzeltitelbereich sind die Unternehmen sehr sorgfältig ausgewählt und die Aktien werden meistens lange gehalten. Frauen sind somit sehr treue Investoren.

 

Welche Spartipps/Anlageformen empfehlen Sie?

Das Spektrum der Geldanlage ist sehr breit. Welche Anlageform passt, das muss jede Anlegerin für sich entscheiden. Es gilt aber wie immer Verfügbarkeit, Risikobereitschaft und Ertrag abzuwägen. Wer sein Geld langfristig veranlagen möchte, sollte jedoch die Realverzinsung im Auge behalten. Wer im Niedrigzins-Umfeld positive Rendite sucht, der kommt an Unternehmensbeteiligungen als unverzichtbarer Baustein in der Wertpapierveranlagung nicht vorbei. Der Grundsatz der Diversifizierung soll aber nicht in den Hintergrund rücken.

 

Gibt es Geldanlageformen der Oberbank speziell für Frauen?

Spezielle Produkte nur für Frauen haben wir nicht – schließlich wollen wir ja die Männer nicht ausschließen :-) Wir merken bei Frauen allerdings ein sehr großes Interesse an nachhaltiger Geldanlage.

 

Wieviel Prozent seines Einkommens muss man im Durchschnitt zurücklegen, um im Alter den gewohnten Lebensstil erhalten zu können? Gibt es hier so etwas wie eine Faustregel?

Eine Faustregel dafür gibt es nicht. Wie bereits beschrieben ist es wichtig, schon sehr früh an die eigene Pensionsvorsorge zu denken. Idealerweise sobald man zu arbeiten beginnt. Jeder von uns durchlebt unterschiedliche Lebensphasen – da kann es auch einmal sein, dass die Sparleistung verringert oder ausgesetzt werden muss.

 

Der wichtigste Tipp, den Sie Frauen mitgeben können, um im Alter gut versorgt zu sein?

Sich selbst mit dem Thema zu beschäftigen und die Dinge in die Hand nehmen. Nicht von anderen (auch nicht vom eigenen Ehemann) abhängig machen.

 

Dieses Expertinnen-Interview wurde am 23. März 2021 geführt.

Fotoquelle: Shutterstock

 

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Fotoquelle: Wild

 

Mag. Romana Thiem

Stv. Leiterin GB Salzburg

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