27.02.2018 ‐ Presse

Oberbank greift zur Quote

Oberbank Generaldirektor Franz Gasselsberger will mit dem Vorstand Frauen in Führungspositionen forcieren.

 

Er ist erfolgsverwöhnt, eilt mit der Oberbank von Rekordergebnis zu Rekordergebnis – doch nicht alles läuft beim von Franz Gasselsberger geführten Geldinstitut so, wie es sich der Generaldirektor vorstellt. Um mehr Frauen in Führungspositionen zu bringen, greift das Geldinstitut nun zur Quote.

 

KRONE: Herr Gasselsberger, heute sind 65 Prozent der Oberbank-Belegschaft Frauen. Ein Grund zur Freude, oder?
Franz Gasselsberger: Stimmt. Sie leisten viel und machen auch unser Unternehmen liebenswerter, lebenswerter und vielfältiger. Im Umgang mit Geld und Risiko sind sie sorgsamer als Männer.

 

Sie haben sich das Ziel gesetzt, 40 Prozent der Führungspositionen, die neu vergeben werden, durch Frauen zu besetzen.

Dieses Ziel haben wir auch schon 2016 erreicht, aber generell stelle ich fest, dass wir noch immer zu wenige Frauen in Führungspositionen haben. Ich bin alles andere als zufrieden. Es fehlt dabei nicht an den geeigneten Frauen, aber wir müssen einen anderen Weg gehen. Wenn man keine konkreten Vorgaben setzt, passiert zu wenig.

 

Wie sieht der Weg aus?

Wir haben im Vorstand einen Beschluss gefasst, dass wir verpflichtende Quoten bei der Vergabe von Führungspositionen einführen werden – nicht nur in Geschäftsbereichen, Filialen oder Abteilungen, auch bei Projekten.

 

Gibt es für diesen Schritt ein Vorbild?

Ja, Norwegen. Vor dreizehn Jahren wurde dort eine Frauenquote in Aufsichtsräten eingeführt. Die männlich geprägten Führungsetagen sind da aufgebrochen worden. In Österreich sind wir da einfach im Hintertreffen, da gibt es nichts zum Schönfärben.

 

Umdenken passiert sehr, sehr langsam

Mit der Entscheidung will das Geldinstitut auch eingefahrene Strukturen aufbrechen. Den Weg begrüßt Frau-in-der-Wirtschaft-Landeschefin Margit Angerlehner.

 

„Wir müssen in den nächsten Jahren einen Generationswechsel in den Führungspositionen vornehmen, da können wir nicht zwei Drittel des Potenzials zu wenig nutzen“ – so unterstreicht Franz Gasselsberger den Beschluss, mit dem sich die Oberbank selbst eine Frauenquote beim Besetzen von Führungspositionen auferlegt.

 

„Ich begrüße es, wenn sich ein Unternehmen eine freiwillige Quote auferlegt“, sagt dazu Margit Angerlehner. Die Landeschefin von "Frau in der Wirtschaft" betont aber, dass sie weiterhin nichts davon hält, eine flächendeckende Frauenquote einzuführen: „Es wäre dann ja auch eine Diskriminierung für die Männer.“ Nach wie vor gibt es wenige Frauen in Führungspositionen: „Das Umdenken passiert sehr, sehr langsam.“

 

QUELLE: Krone
Ausgaben vom 23.02.2018 & 24.02.2018