21.10.2021 ‐ Eventnachbericht

Neustart statt Comeback am Arbeitsmarkt

Beim Industrie- und Zukunftsforum im Hangar-7 sprach Monika Köppl-Turyna, Direktorin von EcoAustria, über große wirtschaftspolitische Herausforderungen.

 
Quelle: Salzburger Nachrichten, 23. Oktober 2021

Am Bild v.l.n.r.: Peter Unterkofler (IV Salzburg), Maximilian Dasch (SN) und Franz Gasselsberger (Oberbank) begrüßten die Vortragende Monika Köppl-Turyna (Direktorin EcoAustria) beim Industrie- undZukunfsforum2021; Foto: Salzburger Nachrichten

 

Monika Köppl-Turyna ist Direktorin von EcoAustria. Zu ihren Forschungsschwerpunkten zählen öffentliche Finanzen, Verteilungsfragen, Arbeitsmarkt und Fragen der politischen Ökonomie. Beim Industrie- und Zukunftsforum 2021 plädierte sie in ihrem Vortrag für einen Neustart der Wirtschaft und des Arbeitsmarktes. „Während des Lockdowns im Frühling war sehr oft vom Comeback die Rede, aber Neustart trifft es meiner Meinung nach deutlich besser“, sagt sie und führte aus. „Comeback ist mir zu wenig, da es viele ungelöste Probleme gibt, die den Arbeitsmarkt belasten.“ Knapp 200 Gäste besuchten in diesem Jahr das Industrie- und Zukunftsforum in Salzburg, zu dem die Oberbank, die Industriellenvereinigung Salzburg und die „Salzburger Nachrichten“ in den Hangar-7 eingeladen hatten. Die Moderation bestritt SN-Chefredakteur Manfred Perterer. Die zahlreiche Prominenz aus Politik und Wirtschaft ließ sich diesen Event ebenfalls nicht entgehen; darunterwaren zum Beispiel Landeshauptmann Wilfried Haslauer, Landtagspräsidentin Brigitta Pallauf, Bettina Ganghofer (Salzburger Flughafen GmbH), Marianne und Theodor Kusejko (SIGMATEK GmbH), Cornelius Geislinger (Geislinger GmbH), Christian Kappacher (eurofunk Kappacher), Thomas Baumgartner (Lagermax), Herbert Peter Berghammer (Planquadr.at), Wolfgang Rehrl (Rehrl & Partner) sowie Claus Spruzina (Notariatskammer-Präsident).

 

Hohe Ausgaben für Gesundheit, Pflege und Pensionen
Zunächst präsentierte Köppl-Turyna den Besucherinnen und Besuchern einen Konjunkturausblick. „Das BIP wird heuer und nächstes Jahr um vier Prozent wachsen, bereits 2023 wird es aber wieder stagnieren. Durch die Corona-Pandemie gibt es viel konsumgetriebenes, kurzfristiges Wachstum. Dauerhaftes Wachstum klappt jedoch nur durch mehr Produktion und innovative Ideen. Wir brauchen dringend Strukturreformen, um den Arbeitsmarkt anzukurbeln.“ Bei der Steuerreform ist Köppl-Turyna zwiegespalten: Auf der einen Seite soll es mehr Wachstum geben und es sollen 30.000 neue Arbeitsplätze geschaffen werden, auf der anderen Seite fehlen der Expertin aber Maßnahmen zur Mitarbeiterbeteiligung und Eigenkapitelverzinsung. „Wir haben alle paar Jahre eine Steuerreform, die nicht an die Kalte Progression angepasst wird und daher nicht so effektiv ist.“ Bis 2025 können zwar 18 Milliarden Euro eingespart werden, durch steigende Ausgaben werden diese jedoch zunichte gemacht. Aufgrund der hohen Sozialversicherungsabgaben ist es am österreichischen Arbeitsmarkt für Unternehmen zunehmend schwierig geeignete Arbeitskräfte aus dem Ausland zu finden. „Die Arbeitslosigkeit in Österreich bewegt sich wieder auf Vorkrisenniveau, die Langzeitarbeitlosigkeit ist dagegen trotz einer Rekordzahl an offenen Stellen so hoch wie nie zuvor“, erklärte Köppl-Turyna. Dieses „Mismatch“ am Arbeitsmarkt entsteht in Österreich durch geografische Unterschiede und mangelhafte Bildung. In Salzburg zum Beispiel beklagen sich 40 Prozent der handwerklichen Betriebe über einen starken Facharbeitermangel, in technischen Berufen sind es 25 Prozent und im Gastgewerbe 23 Prozent. Derzeit geführte Diskussionen über degressives Arbeitslosengeld und die Zuverdienstgrenze hält sie für sinnvoll. Außerdem empfiehlt sie die Belastung der Arbeit zu rezudieren, die Schulden in den Griff zu bekommen und die Alterung der Gesellschaft zu berücksichtigen – denn bis 2060 werden die Ausgaben für Gesundheit, Pflege und die Pensionen stark ansteigen. Imanschließenden Talk mit Manfred Perterer ging Köppl-Turyna auf die mangelnde Mobilität der Arbeitssuchenden ein.

Wir müssen in vielen Berufen noch stärker auf Digitalisierung setzen, das Home-Office wird bleiben.

Arbeitnehmerbindung wird wichtiger

Auch Oberbank-Generaldirektor Franz Gasselsberger machte sich seine Gedanken über die Herausforderungen am Arbeitsmarkt. „Das rasche Wachstum nach den Lockdowns zeigt vor allem strukturelle Schwächen unserer globalen Wirtschaft. Problematisch sind die knappe Verfügbarkeit von Energie, Rohstoffen, Transportkapazitäten und der Mitarbeitermangel. Letzterer kann nicht durch den Markt gelöst werden, denn die Demografie hat uns langfristig im Griff. Unternehmen müssen die Lösung selbst in dieHand nehmen. Der Veränderungsdruck wird zunehmen, nicht zuletzt durch den EU-Klimaplan, der eine umfassende Veränderung/Anpassung der Geschäftsmodelle erfordern wird.“


Und Peter Unterkofler, Präsident der Industriellenvereinigung Salzburg, ergänzt: „Die ökosoziale Steuerreform ist endlich beschlossen. Sie erzählt die Erfolgsgeschichte des Wirtschaftsaufschwungs nach einer starken Krise. Ab 2022 wird sie weitere positive Impulse liefern. KöSt-Senkung, Investitionsfreibetrag und erhöhte GWG-Abschreibung tragen zu einer gestärkten Wettbewerbsfähigkeit bei. Für eine prosperierende Industrie wird es außerdem immer wichtiger, als attraktiver Arbeitgeber wahrgenommen zu werden. Programme zur Arbeitnehmerbindung – neben dem Finden zusätzlicher Mitarbeiter – werden die Personalabteilungen der Salzburger Betriebe künftig vermehrt fordern.“