25.11.2019 ‐ Eventnachbericht

Kunststoff schont auch das Klima

Zwei erfolgreiche Vertreter ihrer Branche rückten am Donnerstag, 21. November 2019 im Rahmen der Oberbank-Industriegespräche im Donau-Forum das zweifelhafte Image von Kunststoff zurecht.

Im Bild v.l.n.r.: Axel Greiner (Präsident OÖ Industriellenvereinigung), Manfred Hackl (CEO Erema Group), Axel Kühner (CEO Greiner AG), Franz Gasselsberger (Generaldirektor Oberbank), Foto: Fotolui

Ökobilanz überraschend gut

Gastgeber Franz Gasselsberger hielt als Erster ein Plädoyer für den vielkritisierten Werkstoff: „Kunststoff ist nicht nur in vielen Bereichen unverzichtbar, weil es keine Alternative gibt. Er ist auch unter dem Gesichtspunkt der Nachhaltigkeit besser als sein Ruf!“ So werde nur ein Zehntel des Verbrauchs für das Heizen und die Energieversorgung von Gebäuden für seine Produktion aufgewendet. Die ökologischen Auswirkungen von Kunststoffverpackungen bilanzieren besser als das vieler anderer Materialien, allerdings nur, wenn sie ordentlich entsorgt werden.

 

Axel Greiner, Präsident der OÖ Industriellenvereinigung, strich unser Bundesland als ein europäisches Zentrum der Kunststoffproduktion heraus. Er betonte ebenso, dass die Industrie die schädlichen Begleiterscheinungen von Plastik erkannt habe und darauf rasch und nachhaltig reagiere.

 

Kunststoff reduziert den Abfall

Axel Kühner, CEO der Greiner AG, brach ebenfalls eine Lanze für die Produkte, die sein Unternehmen herstelle – unter anderem Jogurtbecher, Schaumstoffmatratzen und Kunststoffröhrchen zur Blutabnahme. Kritikern hielt er entgegen: Europa verursache nur 2 Prozent, Asien dagegen einen Großteil des Plastikmülls, da deren Länder über keine Abfallwirtschaftssysteme verfügen. Kühner gab weiters überraschende Einblicke in die Vorzüge von Kunststoff: Er ermögliche eine leichtere Bauweise von Flugzeugen oder Straßenfahrzeugen, Jogurtbecher oder Folien machen Lebensmittel länger haltbar, Hausdämmungen helfen Energie zu sparen. All dies führe zu einer erheblichen Einsparung von CO2. 90 Kilogramm Lebensmittel pro Person landen jährlich im Müll, nur 2 Prozent mache dabei die Verpackung aus. Ohne Verpackung würde die Abfallmenge um das 13-Fache anwachsen, der CO2-Ausstoß sich um 60 Prozent vermehren.

 

Neues Rohmaterial

Manfred Hackl, CEO der Erema Group, präsentierte sein Unternehmen stolz als Weltmarktführer von Kunststoff-Recycling-Maschinen – 6.000 seiner Anlagen seien weltweit bereits im Einsatz. Den steigenden Kunststoff-Verbrauch in der Zukunft könne seiner Meinung nach nur ein Rethinking – eine Neuausrichtung – bewältigen. Dabei müsse die gesamte Wertschöpfungskette des Werkstoffs optimiert werden. Bis 2025 sollen beispielsweise 10 Millionen Tonnen Regranulat als das neue Rohmaterial in Kunststoff-Produkten wie PET-Flaschen, Schrumpf- und Streckfolien verwendet werden. Oberösterreich positioniere sich mit seinem Unternehmen, aber auch mit Firmen wie Borealis, Engel, Haidlmayr, Walter und der JKU als Spitzenreiter bei Kunststoff- und Recycling-Innovationen. Das Bewusstsein setze sich immer mehr durch, dass die Produktions- und (Wieder-) Verwertungs-Kreisläufe nur gemeinschaftlich effizient zu schließen sind.

 

Abschließend beantworteten die drei Gastreferenten in einer Talkrunde noch brisante Fragen von Dietmar Mascher, dem stellvertretenden Chefredakteur der OÖN und Moderator des Abends.