30.03.2022 ‐ Eventnachbericht

Zwei Edelbetriebe mit nachhaltigem Rohstoff

Gar nicht hölzern, sondern äußerst lebendig präsentierten im Rahmen der Oberbank-Industriegespräche am Dienstag, den 29. März 2022 zwei Holzexperten ihre Vorzeige-Unternehmen im Donau-Forum.

Im Bild: Dr. Axel Greiner, Dr. Franz Gasselsberger, Dr. Georg Emprechtinger, MBA, Mag. Susanne Dickstein, Dipl.Ing. Thomas Biringer, Georg Knill; Foto: Eric Krügl

 

Konjunkturtreiber Industrie

Gastgeber Franz Gasselsberger erinnerte in seinem Statement daran, dass der Aufschwung 2021 nicht dem Konsum oder dem Tourismus, sondern zu 70 Prozent der Exporttätigkeit- und -stärke des Industrie-Sektors zu verdanken sei.
Zur aktuellen Situation in der Ukraine bemerkte er: „Angesichts des ungeheuren Leides, dem die Menschen dort ausgesetzt sind, ist es auch für die Oberbank Pflicht, zumindest finanziell zu helfen. Aber was bedeutet dieser Konflikt für unser Haus und unsere Kunden? Die Oberbank hat Weitsicht bewiesen, indem sie von einem Engagement in den Ländern im Osten trotz verlockender Erträge immer Abstand gehalten hat. Wir haben uns vielmehr einer ertragsorientierten Wachstumsstrategie verschrieben und zählen dadurch zu den am besten kapitalisierten Banken in Europa.“

 

Energiewende nur mit Schulterschluss aller Akteure

Axel Greiner, Präsident der Industriellenvereinigung OÖ, machte auf den hohen Anteil von 25 Prozent der OÖ Betriebe in seiner Sparte aufmerksam. Die Abhängigkeit von russischen Energiequellen lasse sich nur langfristig abbauen. Unsere Betriebe hierzulande seien in der Lage, mit ihrer nachhaltigen Ausrichtung und Umstellungen der Technologien ihren Beitrag dazu zu leisten. Allerdings brauche es auch die geeigneten Rahmenbedingungen und die passende Infrastruktur.
Susanne Dickstein, Chefredakteurin der OÖN, wies wiederum auf das gemeinsame Ziel und die Bemühungen ihres Mediums und der Oberbank hin, den Standort Oberösterreich zu stärken.

 

Mit Naturholz hoch hinaus

Thomas Biringer, Geschäftsführer der Altheimer WIEHAG Holding, demonstrierte die Leistungsstärke seines Ingenieurholzbau-Unternehmens mit über 390 MitarbeiterInnen. Es verarbeite als höchstautomatisierter Betrieb jährlich 100 000 Kubikmeter Holz und erzeuge dabei Bauteile bis 50 Meter Länge. Ein technisches Highlight stelle der Hochleistungs-Fachwerkträger dar, der 100 Tonnen Belastung aushält. Wie gefragt die Kompetenz der Wiehag sei, zeige eine Auswahl an Kunden und Projekten: Messehalle Karlsruhe, Salzburg Arena oder die Macallan Destillery in Schottland. Buchstäblich überragend: In Altheim entstand mit dem Ascent Milwaukee mit einer Höhe von 88 Metern das höchste Holzhochhaus der Welt. Holz als der älteste Werkstoff der Welt mutiere immer mehr zum modernsten Rohmaterial, das hohe Ansprüche an Ästhetik, Umweltfreundlichkeit, Tragkraft und Spannweiten erfüllt. Jeder Kubikmeter binde zum Beispiel eine Tonne CO2! Abschließend verwies Biringer mit der „World of Volvo“ auf ein neues Prestigeprojekt in Göteborg.


Holzpionier der ersten Stunde

Ein weiterer Innviertler „Woody Woodpecker“, nämlich Georg Emprechtinger, geschäftsführender Eigentümer der TEAM 7 Natürlich Wohnen GmbH, betonte, dass sein 1959 gegründeter Betrieb von Beginn an einen nachhaltigen Lebensstil geprägt hat. Schon 1980 setzte er mit der Umstellung auf reines Naturholz den Maßstab eines „Reinheitsgebotes“: edles Laubholz, Naturöle, formaldehydfreie Verleimung. Das Unternehmen erzeugt maßgefertigte Premium-Naturholzmöbel ausschließlich in Österreich und verfügt über die komplette Kontrolle der Wertschöpfungskette. Der Rohstoff stammt aus dem eigenen 42 Hektar großen Wald und wird in einem riesigen Depot zur Reifung gelagert. Der Weltmarktführer heimste für zahlreiche Innovationen wie höhenverstellbare Küchen und Couchtische oder halbautomatische Tischplatten bisher 60 Designpreise ein. Symbolträchtig wird in absehbarer Zeit die Firmenzentrale alle Vorzüge zur Schau stellen, für die auch Team 7 steht:
4-geschossiger Holzskelett-Bau, Low-Tech-Gebäude, Schauküche, Skybox und Bar, Walderlebnis-Weg u.v.m.

 


Mahnende Talkrunde

Im abschließenden Gespräch unter Moderation von Dietmar Mascher waren sich die Referenten einig: Nachhaltigkeit werde nur im Dreiklang von Ökologie, Ökonomie und sozialer Akzeptanz funktionieren. Dabei darf Dekarbonisierung nicht gleichzeitig De-Industrialisierung bedeuten. Angesichts des drohenden Szenarios eines Gasliefer-Stopps müssen wir uns Gedanken machen, wie Ausstiegsprozesse zu beschleunigen sind. 300 000 Firmen mit Green-Technologie sowie die Forschung können bereits heute ihre Innovationskraft in die Waagschale werfen – vor allem aber muss auch die Politik für starken Rückenwind bei einer Energiewende sorgen.