13.07.2021 ‐ Presse

Kurzfristig wird langfristig teuer

Firmen, die auf Nachhaltigkeit verzichten, werden in Zukunft mehr für ihre Finanzierungen zahlen müssen. Das Thema Nachhaltigkeit wird das gesamte Bankengeschäft, die Prozesse, die Finanzierungen und auch das Anlagegeschäft verändern. Werden Unternehmen, die wenig nachhaltig agieren, künftig mehr für Kredite zahlen müssen? Oberbank-Generaldirektor Franz Gasselsberger sieht das – aber „noch nicht sofort“.

 

Quelle: Salzburger Nachrichten vom 12.07.2021 

Quelle: Foto Lui, 2021

 

SN: Die Kombination Nachhaltigkeit und Geld kennen die meisten Menschen im Zusammenhang mit Veranlagungen. Welche Auswirkungen sehen Sie hier aber fürs Firmenkundengeschäft?
Gasselsberger: Wir wollen das Kreditportfolio in Richtung Nachhaltigkeit ausrichten. Einfach ist es zu sagen, was nicht finanziert wird, etwa Atomkraftwerke oder Braunkohlewerke. Der nächste Schritt ist, dass wir das gesamte Finanzierungsportfolio kategorisieren. Die Europäische Union hat festgelegt, was nachhaltig ist. Wir werden also bei jedem neuen Bürogebäude prüfen, ob die Finanzierung nachhaltig ist oder nicht, ob etwa Schwellenwerte beim CO2 überschritten werden. Einfach einzuordnen ist auch die Kategorie Photovoltaik und Elektromobilität. Heikel wird es, wenn es um energieeffiziente Produktionsstätten geht. Für uns als Industriebank ist das wichtig. Dort sind die Kriterien in puncto Nachhaltigkeit für jede Branche verschieden. Wir sind da auf die Unternehmen angewiesen, dass sie uns Informationen geben, damit wir beurteilen können, ob sie nachhaltig unterwegs sind oder nicht. Bei dem Thema tasten wir uns langsam vor.

 

Welche Auswirkungen hat es auf ein Unternehmen, ob es bei Ihnen in der Bank als nachhaltig oder eben nicht eingestuft wird?
Wichtig ist, dass die EU vorschreibt, dass das Thema Nachhaltigkeit auch in die Bonitätsbeurteilung einfließen muss und wir das auch beim Rating mitberücksichtigen werden müssen. Ab Herbst setzen wir ein Analysetool ein, das uns zeigt, ob es beim Kunden Nachhaltigkeitsrisiken gibt. Wenn wir feststellen, dass Umweltrisiken bestehen, und wir trotzdem finanzieren, müssen wir das begründen und argumentieren.

 

Wenn es diese Risiken gibt, wird es dann teurer für den Kunden?
Unmittelbar sehen wir das nicht. Am Ende des Tages wird sich das aber auch in den Konsequenzen niederschlagen müssen. Kurzfristig sehen wir keine großen preislichen Auswirkungen, aber letztendlich wird das irgendwann am Preis sichtbar werden müssen. Unser Green Covered Bond ist um vier Basispunkte günstiger gewesen, als wenn wir einen normalen Covered Bond emittiert hätten. Das ist bei 250 Millionen Euro auch Geld. Das wirkt sich schon auch aus. Die Unternehmen sind aufgerufen, sich dem Thema zu widmen, im Moment sind nur die Großen gezwungen, Nachhaltigkeitsberichte zu machen.

Wir empfehlen allen Unternehmen, sich dieses Themas proaktiv anzunehmen.

Geht es Ihnen bei den Firmenkunden nur um Ökologie und Umwelt oder auch um Soziales und Governance?
Unser Analysetool stellt auf alle drei Bereiche ab.

 

Wie reagieren die Firmenkunden, wenn sie nun auch Nachhaltigkeitsfragen von der Bank gestellt bekommen?

Überraschend positiv. Nachhaltigkeit hat das Thema Digitalisierung abgelöst. Zudem kommt Druck von der Öffentlichkeit, den Konsumenten und Lieferanten. Was jetzt aber durchsickert, ist, dass Nachhaltigkeit einen Preis hat, also Schweinefleisch teurer wird, wenn weniger Tiere in der Box stehen. Und manche glauben, wenn sie auf ein Bürogebäude eine Photovoltaikanlage montieren, dann sei das nachhaltig genug. Das ist aber nur ein Teilaspekt. Und hier wollen wir als Bank Hilfestellung geben und uns profilieren.

 

Muss der Firmenkundenberater neben seiner Finanzexpertise nun auch Nachhaltigkeitsexperte werden?
Wir müssen die Mitarbeiter ausbilden, ihnen beim Thema Nachhaltigkeit eine Kompetenz verleihen, um Greenwashing möglichst zu vermeiden. Es wird bis 2022 dauern, bis unsere Firmenkundenberater zertifiziert sind.

 

Bei den Veranlagungen fragen sich die Kunden ja oft, ob ihr Investment so nachhaltig ist, wie es auf den Prospekten steht. Es gibt keine einheitlichen Mindeststandards.
Seitens des Regulators ist man gerade dabei zu kategorisieren, was im Veranlagungsbereich nachhaltig ist. Da gibt es quasi „nachhaltig light“ und „nachhaltig strong“. Wir diskutieren in der Oberbank gerade sehr intensiv, ob wir beides anbieten wollen oder ob wir uns stark einengen. Wir haben soeben ein Prime-Rating für Nachhaltigkeitsaktivitäten von ISS-ISG erhalten. Damit gehören wir zu den zehn Prozent der bestgerateten Banken in der Eurozone.

 

Haben solche Ratings eine Bedeutung?
Uns ist das wichtig, weil die Oberbank seit wenigen Tagen den ersten Green Covered Bond für energieeffizienten Wohnbau emittiert hat. Für Investoren ist es wichtig, dass wir nicht nur sagen, wir sind grün, sondern dass wir das auch mit einem Rating unterlegen können. Unser Ziel ist es, die Hälfte unserer Anleiheemissionen „grün“ zu tätigen. Und wir wollen 1,5 Milliarden Euro in den energieeffizienten, nachhaltigen Wohnbau stecken, das ist die Hälfte der Wohnbaufinanzierungen, die wir machen.