Ein Jahr Krise

Auswirkungen und Perspektiven für die Wirtschaft und einzelne Branchen

ExpertInnen der Oberbank beurteilen und analysieren die aktuelle Lage.

 

Vor einem Jahr hat sich die Welt verändert. Die Pandemie und ihre Auswirkungen hat nicht nur das persönliche Leben, sondern auch die Wirtschaft massiv beeinträchtigt. Global betrachtet ist die Weltwirtschaft im Jahr 2020 um etwa 4,5 % geschrumpft.

 

Abgesperrter, leerer Gastgarten

 

Stabilisierung 2021 im Fokus

Das zentrale Thema – auch aus Bankensicht – war und ist nun die Stabilisierung der Wirtschaft. „Uns als Bank haben hier in erster Linie Überbrückungskredite und Stundungslösungen beschäftigt.“, sagt Dietmar Holzinger-Böcskör, Leiter der Abteilung Corporate and international Finance in der Oberbank. Zu Beginn der Pandemie hat die Oberbank FirmenkundInnen mit sog. „Schnellstundungen“ rasch und unbürokratisch geholfen. Das wurde von einer relativ großen Anzahl an Firmen in Anspruch genommen. Danach wurden langfristige Vereinbarungen für unsere FirmenkundInnen getroffen. Aber auch für viele PrivatkundInnen waren Stundungen eine sinnvolle Hilfsmaßnahme und große Unterstützung.

 

Entwicklung der Kreditnachfrage

Es gibt in allen Branchen Unternehmen mit finanziellen Schwierigkeiten. Diese stammen zum Großteil aus strategischen Fehlern oder Ertragskrisen aus der Zeit vor Corona. Klassische Problemfälle, die vor allem wegen Corona in Schwierigkeiten sind, bemerken wir vor allem im Bereich Tourismus und Freizeitwirtschaft.

 

UnternehmerInnen blicken verhalten positiv ins neue Jahr

Das nachgefragte Finanzierungsvolumen wird derzeit von Immobilien- und anderen Großprojekten getragen. Die Kreditnachfrage nach Investitionen in der Breite ist noch eher verhalten. Dies ist darin begründet, dass doch noch ein hohes Maß an Unsicherheit im Hinblick auf die Dauer der Krise vorherrscht. Die zu tätigenden Investitionen sind eher Ersatz- als Erweiterungsinvestitionen und werden häufig unter Inanspruchnahme der staatlichen Investitionsprämie finanziert. Die Unternehmer blicken in Summe jedoch verhalten positiv ins neue Jahr.

 

Branchenüberblick

„Österreich leidet etwas stärker, was v.a. daran liegt, dass wir sehr stark vom Tourismus, auch vom Städtetourismus, abhängen“, sagt Alois Wögerbauer, Geschäftsführer der 3 Banken-Generali Investment-Gesellschaft m.b.H. „Im Fokus stehen daher aktuell etwa die Probleme der Gastronomie und der Dienstleistungsbranche. Doch es gibt zum Glück auch Positives:

 

  • Die Sparquoten sind hoch. Es wird aber auch viel gekauft. So etwa verbuchen die Anbieter von Küchen und hochwertigen Möbeln Rekordaufträge.
  • Im Bereich Digitalisierung haben wir wahrscheinlich in einem Jahr das geschafft, was ansonsten drei oder vier Jahre gedauert hätte; Software und Hardware sind teilweise ausverkauft.
  • Insgesamt ist die Industrie in Summe besser durch die Krise gekommen als man erwarten durfte; die Fixkostenbasis wurde in vielen Fällen rasch angepasst; das ist die Basis für bessere Margen in einer Welt nach Corona.


Die einzelnen Branchen und deren Perspektiven

Tourismus

Die Branche ist von der Corona-Krise und den damit einhergehenden Betriebsschließungen (Betretungsverbote) wohl am stärksten betroffen. Es zeigt sich ein sehr heterogenes Bild zwischen Ferien- und Stadthotellerie. Während sich die (qualitative) Ferienhotellerie bis zum November-Lockdown über den Sommer überraschend gut entwickelt hat, jedoch nun durch den Ausfall der Wintersaison massiv getroffen ist, leidet die Stadthotellerie aufgrund ihres internationalen Fokus und hohen Anteil am Geschäftsreise-Segment seit Ausbruch der Corona-Krise in einem besonders starken Ausmaß. In den Städten kommen vor allem reinen Betreibergesellschaften erheblich unter wirtschaftlichen Druck und sind von der Gunst der VermieterInnen abhängig. Rechtliche Frage zur Mietfortzahlungspflicht trotz Betretungsverbot oder Entschädigungszahlungen aus Betriebsunterbrechungs-versicherungen sind vielfach noch offen.


In der Ferienhotellerie ist die Impfung und das darauffolgende Reisefieber (erwartbare Nachholeffekte) abzuwarten.
Der Städtetourismus wird das alte Level frühestens in einigen Jahren wieder erreichen – Messen und Businessreisen werden nachhaltig weniger werden.


Wir beobachten nicht zuletzt aufgrund der Investitionsprämie und derzeitige Betriebsschließungen gesteigerte Investitionen in qualitätsverbessernde Maßnahmen bzw. in eine Angebotsoptimierung infolge der zunehmenden Positionierung und Spezialisierung der Hotelbetriebe auf bestimmte Zielgruppen.


Auch im Bereich der touristischen Infrastruktur, insbesondere bei Bergbahnen, sehen wir eine anhaltend hohe Investitionstätigkeit. Aus unserer Sicht konzentriert sich der Großteil der Investitionen auf qualitäts- und komfortverbessernde Maßnahmen (v. a. Ersatz von Seilbahnanlagen, Pisten und Beschneiung) und Angebotserweiterungen (Sommer- und Erlebnisangebote, Berggastronomie). Die dadurch geschaffene gesamthafte und ganzjährige Attraktivierung des Bergerlebnisses trägt wesentlich zu einem – gerade im Hinblick auf den zunehmenden Klimawandel entscheidenden – Ausbau der Zielgruppen (Familien, Senioren, Wanderer, Biker, Veranstaltungen, etc. - abseits des Skifahrers) und einer verstärken Nachfrage im Sommer bei.

 

Handel

Händler ohne Alleinstellungsmerkmale (Größe, Nische...) sind massiv unter Druck, ihre Geschäftsmodelle zu schärfen oder werden vom Markt gedrängt. Der Lebensmitteleinzelhandel ist zurzeit extrem expansiv. Im stationären Textil- und Schuheinzelhandel wird sich die Nachfrage aus unserer Sicht massiv reduzieren, primär wegen des geänderten Einkaufsverhaltens). Corona beschleunigt die Dynamik des Online Handels. Der private Konsum ist im Bereich Möbel, Bau, Garten (alles rund ums eigene Heim) sehr hoch.

 

Immobilien

Wir sehen immer noch eine sehr hohe Nachfrage und eine rege Bautätigkeit bei Immobilien zu Veranlagungszwecken. Eine Auswirkung der rückläufigen Konjunktur auf die Nachfrage nach Wohnraum ist nicht ersichtlich. Die Nachfrage nach Eigenheimen ist sehr hoch. Neben dem Neubau ist die Adaptierung und Sanierung bestehender Liegenschaften ein wesentlicher Treiber der Immobilienkonjunktur.
Neben dem Wohnbau gewinnt die Errichtung/Sanierung von Pflegeeinrichtungen an Bedeutung und ist von einer konjunkturellen Abschwächung nicht gravierend betroffen.
Die Nachfrage nach studentischen Wohneinrichtungen in Universitätsstädten führt noch immer zu reger Bautätigkeit in diesem Segment.

Gewerbeimmobilien inkl. Büro sehen wir derzeit noch stabil
Im Bereich Logistikimmobilien beobachten wir infolge des massiv gesteigerten Online-Handelsvolumen einen regelrechten Boom.


Bei Handels- und (insbesondere Stadt-) Tourismusimmobilien sind wir derzeit vorsichtig, da wir hier eine negative Entwicklung erwarten – bei touristischen Stadtimmobilien wird die alternative Nutzungsmöglichkeit der Substanz wegen der Wohnnachfrage einen massiven Preiseinbruch verhindern.

 

Maschinen- und Anlagenbau

Maschinen- und Anlagenbauer für die Automobilindustrie hatten teilweise dramatische Auftragseinbrüche, daher rückt die Sicherung der Liquidität durch intensiveres Working Capital Management in den Vordergrund. Nach unserer Einschätzung werden diese Firmen größere Investitionen, die über Ersatzinvestitionen hinausgehen, zurzeit nicht realisieren.
Der übrige Maschinen- und Anlagenbau spürt die Konjunkturerwartungen der Kunden durch sehr kurzfristige Investitionsentscheidungen und die Verschiebung von Projekten. Auch hier ist Liquiditätssicherung zurzeit oberstes Gebot.

 

Automobil-Branche

Den Großteil der Betriebe sehen wir kurz-, mittel- und langfristig gut aufgestellt. Mittelfristig notwendige neue Lösungen der Mobilität werden bearbeitet - strategische Themen gewinnen durch die Entwicklung in der eMobilität bei Zulieferern im Segment Antriebstechnik an Bedeutung.

 

Bau- und Baunebengewerbe

Bau und Baunebengewerbe zeigen finanzielle Stabilität und konnten sich dem Konjunkturabschwung in unserer Einschätzung diesmal stärker entziehen als in der Vergangenheit. Bauträger beklagen die Schwierigkeit Baufirmen zu finden, die Aufträge annehmen. Das hat zu einer deutlichen Erhöhung der Baukosten geführt.

 

Dieser Artikel wurde am 10.02.2021 erstellt.

Fotoquelle: Shutterstock

 

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