Der Gewinnfreibetrag

Wie Unternehmen die Begünstigung nutzen können

Den Gewinnfreibetrag können alle natürlichen Personen mit betrieblichen Einkunftsarten unabhängig davon beanspruchen, ob sie ihren Gewinn mittels Einnahmen-Ausgaben-Rechnung oder Bilanzierung ermitteln. Damit wurde für UnternehmerInnen ein Ausgleich für die begünstigte Besteuerung des 13. und 14. Gehaltes bei den DienstnehmerInnen erreicht.

 

Wie hoch ist der Gewinnfreibetrag?

Der Gewinnfreibetrag besteht aus zwei Teilfreibeträgen: dem (investitionsunabhängigen) Grundfreibetrag und dem investitionsbedingten Gewinnfreibetrag.

1. Grundfreibetrag

Für Gewinne bis 30.000 Euro steht ein Grundfreibetrag in Höhe von 13% dieses Gewinnes – maximal daher 3.900 Euro – zu. Es ist nicht erforderlich, dass eine Investition getätigt wird. Der Grundfreibetrag steht auch bei mehreren Betrieben des Steuerpflichtigen pro Veranlagungsjahr nur einmal zu.

2. Investitionsbedingter Gewinnfreibetrag

Übersteigt der Gewinn 30.000 Euro, kann zusätzlich zum Grundfreibetrag ein investitionsbedingter Gewinnfreibetrag geltend gemacht werden. Voraussetzung dafür ist, dass im selben Kalenderjahr in gleicher Höhe wie der investitionsbedingte Gewinnfreibetrag Wirtschaftsgüter des Anlagevermögens („begünstigtes Anlagevermögen“) oder bestimmte Wertpapiere angeschafft werden. Der investitionsabhängige Gewinnfreibetrag ist abhängig von der Höhe des Gewinnes und beträgt für die ersten 175.000 Euro 13%, für die nächsten 175.000 Euro 7% und für die nächsten 230.000 Euro 4,5%. Ab einer Bemessungsgrundlage von 580.000 Euro steht kein Gewinnfreibetrag mehr zu. Insgesamt können somit höchstens 45.350 Euro an Gewinnfreibetrag im jeweiligen Veranlagungsjahr geltend gemacht werden.
 

Wer kann den Freibetrag in Anspruch nehmen?

1. Natürliche Personen, die Einkünfte aus einer betrieblichen Tätigkeit (Land- und Forstwirtschaft, Gewerbebetrieb, Selbständige Arbeit) erzielen.

2. Bei Mitunternehmerschaften (z.B. OG, KG) können die GesellschafterInnen den Gewinnfreibetrag in Höhe ihrer jeweiligen Gewinnbeteiligung in Anspruch nehmen.


Achtung: Gehört ein Mitunternehmeranteil zum Betriebsvermögen eines Betriebes, kann der Gewinnfreibetrag nur im Rahmen der Gewinnermittlung dieses Betriebes geltend gemacht werden. Er wird also vom Gewinn des Betriebes einschließlich des zugeflossenen Gewinnes aus der Mitunternehmerschaft berechnet.
Wird der Gewinn mittels einer Pauschalierung ermittelt, wird der Grundfreibetrag automatisch angerechnet. Die Geltendmachung des investitionsbedingten Gewinnfreibetrages ist jedoch nicht zulässig.

 

Hinweis: Auch bei der ab der Veranlagung 2020 neuen Pauschalierung für KleinunternehmerIn kann nur der Grundfreibetrag geltend gemacht werden.

 

Welche Investitionen können für die Inanspruchnahme des investitionsbedingten Gewinnfreibetrages steuermindernd getätigt werden?

Begünstigte Wirtschaftsgüter für den investitionsbedingten Gewinnfreibetrag sind:

  • Körperliche, abnutzbare Anlagegüter mit einer betriebsgewöhnlichen Nutzungsdauer von mindestens vier Jahren. Die Wirtschaftsgüter müssen einem inländischen Betrieb oder einer inländischen Betriebsstätte zuzurechnen sein. Dazu ist eine körperliche Anwesenheit des Wirtschaftsgutes im Inland nicht unbedingt erforderlich, sondern es ist auf eine funktionelle Zugehörigkeit abzustellen. Auch Investitionen in Gebäude und Mieterinvestitionen sind vom Gewinnfreibetrag umfasst.
  • Wertpapiere, die den Voraussetzungen zur Deckung für Pensionsrückstellungen (Personalrückstellungen) entsprechen. Dazu zählen etwa Bundesanleihen, Bankschuldverschreibungen, Industrieobligationen, Wohnbauanleihen, Options- und Umtauschanleihen, bestimmte Investment- und Immobilienfonds sowie Garantiezertifikate. Auch hier gilt, dass die Wertpapiere dem Anlagevermögen mindestens vier Jahren gewidmet werden (Aufnahme in ein zu führendes Verzeichnis).

 

„Der schnellste und einfachste Weg den investitionsbedingten Freibetrag zu nützen sind Wertpapierinvestitionen. Hier stehen keine steuerlichen Abschreibungen in den Folgejahren im Fokus, sondern die Erwirtschaftung von Erträgen. Für die Investition in Wertpapiere bietet die Oberbank sowohl für risikoaffine KundInnen als auch für KundInnen, die Marktchancen nutzen aber gleichzeitig auf eine ausgewogene Risikodiversifikation vertrauen möchten, ein breites Spektrum an Möglichkeiten an. Wenn mehr als 30.000 Euro Gewinn erwirtschaftet wird, empfehlen wir bereits jetzt ein frühzeitiges Gespräch mit einem/r Oberbank BeraterIn, um die nötigen Vorbereitungsschritte ohne Zeitdruck umsetzen zu können.“  


Die Geltendmachung des Gewinnfreibetrages ist nicht möglich für:

  • PKW und Kombi
  • geringwertige Wirtschaftsgüter (Anschaffungs- bzw. Herstellungskosten bis max. 800 Euro, wenn diese sofort als Betriebsausgabe abgesetzt werden)
  • gebrauchte Wirtschaftsgüter
  • Wirtschaftsgüter, für die eine Forschungsprämie in Anspruch genommen wurde


Was Sie wissen sollten

  • Bei Mitunternehmerschaften (z.B. OG, KG) können die Gesellschafter den Gewinnfreibetrag in Höhe ihrer jeweiligen Gewinnbeteiligung in Anspruch nehmen.
  • Wird der Gewinn mittels einer Pauschalierung ermittelt (auch bei der neuen Kleinunternehmerpauschalierung ab 2020), ist die Geltendmachung des investitionsbedingten Gewinnfreibetrages nicht zulässig (der Grundfreibetrag wird hingegen berücksichtigt).
  • Werden Wertpapiere für den investitionsbedingten Gewinnfreibetrag angeschafft, unterliegen Gewinne aus der späteren Veräußerung grundsätzlich dem KESt-Abzug in Höhe von 27,5% ohne Endbesteuerungswirkung.
  • Der investitionsbedingte Gewinnfreibetrag ist grundsätzlich nachträglich zu versteuern, wenn die Wirtschaftsgüter vor Ablauf der Frist (Nutzungsdauer bzw. Behaltefrist von 4 Jahren, 48 Monate Tag genau) aus dem Betriebsvermögen ausscheiden oder ins Ausland verbracht werden. Ausgenommen davon ist die Ausscheidung aufgrund höherer Gewalt. Ausnahmen bestehen auch für Wertpapiere (z.B. Wertpapierersatzbeschaffung bei früherer Tilgung).

 

Geltendmachung des Gewinnfreibetrages

Der Grundfreibetrag ist in der Steuererklärung einzutragen, wird aber grundsätzlich automatisch zuerkannt, sollte auf die Eintragung vergessen werden. Der investitionsbedingte Gewinnfreibetrag ist ebenfalls in der Steuererklärung des betreffenden Jahres auszuweisen. Körperliche Wirtschaftsgüter, die der Deckung des investitionsbedingten Gewinnfreibetrages dienen, sind im Anlagenverzeichnis einzutragen. Wertpapiere für die ein Gewinnfreibetrag in Anspruch genommen wird, sind in ein gesondertes Verzeichnis aufzunehmen, das dem Finanzamt auf Verlangen vorzulegen ist. Durch die Aufnahme in dieses Verzeichnis werden die Wertpapiere dem betrieblichen Anlagevermögen gewidmet.


LBG-Empfehlung

Wir empfehlen UnternehmerInnen, GeschäftsführerInnen und kaufmännisch Verantwortlichen, rechtzeitig vor Jahresende sorgfältig die Möglichkeit der steuermindernden Inanspruchnahme eines investitionsbedingten Gewinnfreibetrages zu prüfen. Mit einem Gewinnfreibetrag angeschaffte Investitionen sind insbesondere attraktiv, da einerseits über die Anschaffungskosten hinaus im Jahr der Anschaffung ein Steuerfreibetrag geltend gemacht werden kann, andererseits die volle Abschreibung über den Nutzungszeitraum hinweg steuerlich wirksam wird. Im Sinne einer vorausschauenden Steuerplanung für das Jahr 2021 empfiehlt sich, noch rasch auf Basis einer Zwischenertragsrechnung zu beurteilen, welche steuerlichen Erträge und Aufwendungen noch 2021 oder erst 2022 realisiert werden sollten. Je nach Rechtsform und Gewinnermittlungsart sowie betriebswirtschaftlicher Situation des Unternehmens bestehen zulässige Spielräume, deren fachkundige Nutzung vor allem auch hinsichtlich der Steuerglättung von Einkommensteuerpflichtigen vorteilhaft sein kann.
Ganz allgemein gilt wie immer: Bei jeder Investition sollen nicht nur steuerliche und fördertechnische Aspekte im Vordergrund stehen. Jede Investition muss vor allem betriebswirtschaftlich sinnvoll sein und in die künftige Unternehmensausrichtung passen.

 

Wir beraten Sie gerne in Ihrer individuellen Situation. LBG Österreich – 31 Standorte in 8 Bundesländern – www.lbg.at.

 

Dieser Expertenbeitrag wurde am 14.09.2021 erstellt.

Fotoquelle: Shutterstock

 

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Mag. Daniel Eder
Leitung Oberbank Private Banking

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Günther Kraus
Steuerberater, Unternehmensberater / LBG OÖ