Stark steigende Baustoffpreise

Wie man auf die Rohstoffknappheit reagieren sollte

Wer heuer ein Einfamilienhaus baut, muss mit deutlich höheren Kosten rechnen als vor einem Jahr. Viele Rohstoffe sind seit Ausbruch der Corona-Krise knapp. Daher werden Baumaterialien immer teurer. HäuslbauerInnen sollten daher jetzt nichts überstürzen und abwarten, bis sich die Situation beruhigt hat.

 

Volle Auftragsbücher - fehlende Rohstoffe

Die TischlerInnen sind komplett ausgebucht. Und auch die BaumeisterInnen sind aktuell mehr als zufrieden mit dem Bau- und Sanierungsboom, den die Coronakrise, zum Teil auch bedingt durch Fördermaßnahmen seitens der öffentlichen Hand, ausgelöst hat. Doch die Situation ist paradox: Auf der einen Seite sind die Auftragsbücher der Betriebe im Bau- und Bauhilfsgewerbe gut gefüllt, auf der anderen Seite wird das Bauen immer schwieriger – und teurer.

 

Holz, Baustahl, Dämmmaterial. Diese Produkte werden global gehandelt und die Nachfrage auf den Weltmärkten, besonders in China und den USA, ist groß wie nie. In China zog die Baukonjunktur zuletzt unerwartet stark an – deshalb fehlt Stahl. Auch in der Holzwirtschaft führen BranchenvertreterInnen die Baustoffknappheit auf eine unerwartet hohe Nachfrage in China, aber auch in den USA zurück. Dass Dämmmaterialien fehlen, hat wiederum auch mit dem pandemiebedingten Heimwerkerboom zu tun. Mangels Urlaubsmöglichkeiten haben viele Menschen in Österreich ins Eigenheim investiert.

 

Zudem machten Grenzschließungen und Zwischenfälle wie der zeitweise verstopfte Suezkanal den internationalen Warenverkehr instabiler. Auch das ist ein Grund dafür, dass Baustoffe derzeit knapp sind. Die Folge sind Lieferzeiten von mehreren Wochen.

 

Steigende Baukosten für Private und Firmen

Wer derzeit Baumaterial braucht muss tief in die Geldbörse greifen, aber auch der immer noch starke Bedarf nach Bauleistungen treibt die Angebote in die Höhe. Davon sind nicht nur Bauunternehmen und ImmobilienentwicklerInnen betroffen, sondern natürlich auch die klassischen „HäuslbauerInnen“.

 

Der Preisindex für Schnittholz ist von März 2020 bis März 2021 um über 26 Prozent gestiegen. Bei verarbeiteten Produkten gehen die Steigerungen sogar bis zu 80 oder 90 Prozent. Noch deutlicher das Plus bei Dämmstoffen wie Styropor: Eine Preisverdopplung gegenüber dem Vorjahr ist keine Seltenheit. Und der Rohstoffpreis für Stahl hat auch um rund 30 Prozent angezogen.

 

Wie akut die Lage in der Branche ist, spiegelt sich in den Ergebnissen einer aktuellen Leserumfrage der ‚Österreichischen Bauzeitung‘ wider. Über 80 Prozent der Befragten gaben an, dass sie mit steigenden Preisen zu kämpfen haben und diese schon an Auftraggeber sowie Kunden weitergeben müssen. Aufgrund dieser dynamischen Entwicklungen am Markt erwarten 81,2 Prozent einen massiven Anstieg der Baukosten.

 

© Österreichische Bauzeitung

 

Die aktuellen Rohstoffpreise sind für beide - Baufirmen und BauherrInnen – gleichermaßen ein Problem. Denn: Wer Verträge im Vorjahr abgeschlossen hat, den trafen die Steigerungen Anfang des Jahres mit voller Wucht – Gewinnmargen sind dahingeschmolzen. Dazu kommen Mehrkosten durch Corona-Präventions-Maßnahmen wie Abstandsregeln.

 

Wie geht die Preisrallye weiter?

Sebastian Beiglböck, Geschäftsführer der Vereinigung Österreichischer Projektentwickler (VÖPE): „Unserer Meinung nach werden sich die konjunkturbedingten Preissteigerungen mittelfristig wieder einpendeln, sobald die vollen Auftragsbücher der Baufirmen abgearbeitet sind. Bei den Baustoffen ist schwieriger einzuschätzen, wohin die Reise geht. Zumindest bei einzelnen Produktgruppen könnten die Preise noch länger hoch bleiben. Wer kann, wartet im Moment besser noch mit dem Baubeginn zu, oder sieht sich nach alternativen Rohprodukten um.“

 

Worauf müssen sich BauherrInnen vorbereiten?

Am Bau kann es immer zu Verzögerungen kommen. Anwälte raten jedenfalls zu schriftlichen Vereinbarungen. Wer für Verzögerungen durch Rohstoffknappheit Verantwortung trägt, ist jedoch strittig.

 

Sind Preise in einem Kostenvoranschlag bindend?

Wird ein Pauschalpreis als Fixpreis vereinbart, ist dieser verbindlich – auch bei erheblicher Über- bzw. Unterschreitung. Damit wird das Risiko von Mehrkosten großteils von BauunternehmerInnen getragen. Handelt es sich dagegen um einen unverbindlichen Schätzpreis, sind die Preise nicht bindend, sondern richten sich nach dem tatsächlichen Aufwand.

 

Baustoffe

 

Kann man bei Verzögerung der Fertigstellung auf Schadenersatz klagen?

Schadenersatz kann dann verlangt werden, wenn Vertragsbruch vorliegt und den Vertragspartner ein Verschulden trifft. Im Fall von Verzögerungen können auch vertraglich Pönalen vereinbart werden, um sich gegen Verspätungen abzusichern. Beim Überschreiten von vertraglich fixierten Zwischenterminen, kommt es drauf an, ob der Bau bis zum Ende dennoch fristgerecht fertig wird.

 

Sind GeneralunternehmerInnen sinnvoll?

Hat man GeneralunternehmerInnen, kann man diese für alle Gewerke verantwortlich machen. GeneralunternehmerInnen haben auch den Vorteil, dass man nicht mit jedem einzelnen Unternehmer einen Vertrag abschließen muss. Gerade für unerfahrene BauherrInnen bedeutet das eine viel einfachere Handhabe bei Problemen. GeneralunternehmerInnen sind zwar kostspieliger, sie tragen aber auch ein viel höheres Risiko und eine höhere Verantwortung.

 

Neues Gleichgewicht

Zwar werden Nachfrage und Angebot nach Corona wieder zueinanderfinden. Aber die Preise könnten hoch bleiben. VÖPE-Geschäftsführer Beiglböck: „Eine gewisse Volatilität bei den Preisen dieser Produkte war immer gegeben, die Wirkung von Corona ist noch nicht endgültig abschätzbar. Immerhin bietet die derzeitige Lage aber auch eine Chance für das verstärkte Recycling von Baustoffen. Dann hätte die Krise auch etwas Gutes.“

 

Dieser Artikel wurde am 31. Mai 2021 erstellt.

Fotoquelle: Shutterstock

Quellen:

handwerkundbau.at

Kurier-Artikel "Am Bau kann es immer zu Verzögerungen kommen"

Kurier-Artikel "Bei Bauprojekten heißt es heuer: Bitte warten"

lebensraumentwickler.at

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