30.09.2021

Hubert von Goisern als Literat

Der Ausnahme-Musiker bezauberte beim Literaturforum am Mittwoch, den 29. September 2021, einmal mehr mit seiner Stimme. Diesmal im dicht besetzten Oberbank Donau-Forum aber ohne Band und in ungewöhnlichem Erzählmodus.

Im Bild v.l.n.r.: Dietmar Mascher (stv. Chefredakteur OÖN), Franz Gasselsberger, MBA (Oberbank), Hubert von Goisern, Elisabeth Eidenberger (Moderatorin), Alex Stelzer (Buchhandlung ALEX); Foto: Eric Krügl

 

Leselust entfachen

Gastgeber Franz Gasselsberger sieht es als gesellschaftlichen Auftrag seines Instituts, Kundinnen und Kunden nicht nur in finanziellen Belangen zur Seite zu stehen. Das jährlich stattfindende Literaturforum möchte auch zeitgenössische Autoren präsentieren und so die Freude an Büchern fördern. Der rege Zuspruch verrät, dass die Oberbank mit dieser Veranstaltungsreihe voll ins Schwarze trifft. Die Einladung des heutigen Künstlers begründet der Manager wie folgt:

Hubert von Goisern ist vielseitig und einzigartig: Hochsympathisch, ein erfolgreicher Musiker, gleichzeitig Buchautor und dazu noch Filmerfahrung. Der Funke wird garantiert zum Publikum überspringen.

Im Talk mit Moderatorin Elisabeth Eidenberger wies Dietmar Mascher, stellvertretender Chefredakteur der OÖ Nachrichten, unter anderem auf die Bücherseite und die demnächst erscheinende Literatur-Spezialausgabe seines Mediums hin. Alex Stelzer von der Buchhandlung ALEX ist überzeugt: Lesen mache gerade in Pandemiezeiten glücklicher. Sein Herz und das seiner Mitarbeiter schlagen für Bücher und Autoren, er brenne genauso für die Literatur wie vor 30 Jahren.

 

Später Debüt-Roman

Hubert Achleitner, bekannt als Hubert von Goisern, gab vorerst Einblick in den Entstehungsprozess seines Erstlings. Die Idee dazu hatte er schon 2003, lange Zeit kamen ihm aber musikalische Projekte wie die völkerverbindende Donaureise 2009 dazwischen. Diese Tournee dokumentierte der Goiserer in einem Sachbuch. Dessen unverbindlicher und überkorrekter Stil ließ in ihm endgültig den Wunsch nach einem Roman reifen. Darin wollte er „Haxln stellen, runterschmeißen und vergiften“. In Notizbüchern entwickelte er zuerst die Figuren, die allmählich Fleisch und Blut gewannen. Auch die Geschichte nahm immer mehr Konturen an. Wo die Worte nicht mit den Empfindungen Schritt halten konnten, baute er Liedtexte aus seinem Repertoire ein.

 

Leben ist auch Loslassen

Im Roman „flüchtig“ stehen, nein bewegen sich Maria und Herwig im Mittelpunkt. Achleitner schildert anfangs die ursprüngliche, unwegsame Bergwelt, in der die kleine Maria im Schneesturm in einer Gondel zur Welt kommt. Sie entpuppt sich als wildes Kind, der Kälte nichts anhaben kann. Die Erwachsene, inzwischen Bankangestellte, und Herwig, ein Geografie- und Musiklehrer, finden bei einer Salzburger Opernaufführung zueinander.

 

30 Ehejahre später: Nachdem Maria einen Seitensprung ihres Mannes entdeckt hat, verschwindet sie mit seinem Volvo und landet in Griechenland. Der Zurückgelassene verfällt in Depressionen, besinnt sich aber dann seiner Verantwortung für seine Schüler. Schließlich macht er sich mit seinem Vater, der einen Leichenwagen entwendet hat, ebenfalls auf nach Griechenland, wo sie sogar die Mönchskolonie auf dem Berg Athos besuchen.

 

Zuletzt stellt Lisa, eine Autostopperin, Herwig einen Brief von Maria zu. Darin zeigt sich die Aussteigerin mit einer in Monaten gewonnenen Distanz zum gemeinsamen Leben reflektiert und gelassen: „Ich konnte dich doch nicht mit deiner neuen Freundin mitnehmen...du bist mir jetzt näher als in den letzten 20 Jahren...bist du noch immer so ironisch?“

 

Nach einem lange anhaltenden Schluss-Applaus konnten Interessenten das Werk am Büchertisch nicht nur erstehen, sondern es auch gleich von Hubert Achleitner signieren lassen.