18.05.2018 ‐ Eventnachbericht

Joachim Meyerhoff erobert das Oberbank Donau-Forum

Mit Sprach- und  Stimmgewalt sowie Formulierungskunst brillierte der Mime und Autor Joachim Meyerhoff am Mittwoch, den 16. Mai 2018 anlässlich des Literatur-Forums im prall gefüllten Veranstaltungssaal der Oberbank.

Im Bild (v.l.n.r.): Franz Gasselsberger (Generaldirektor der Oberbank), Joachim Meyerhoff (Autor und Schauspieler) und Alex Stelzer (Buchhandlung ALEX)

 

Lese- und Literaturmüdigkeit Lügen gestraft

Moderator Peter Grubmüller von den OÖ Nachrichten entlockte Gastgeber Franz Gasselsberger ein Bekenntnis zum Buch:

So viele Gäste wie heute haben wir nur bei den allergrößten Veranstaltungen. Das beweist: Den Menschen ist anspruchsvolle Kost durchaus zuzumuten!

Buchhändler Alex Stelzer meinte angesichts zahlreicher (Vor-)Bestellungen von Meyerhoffs Roman:

Dahinter steht nicht nur weibliches Interesse. Auch Männer finden – oft heimlich – Vergnügen an seiner Lektüre.

Naturereignis auf der Bühne

Joachim Meyerhoff nahm das Publikum von der ersten Minute an gefangen und balancierte in einem Drahtseilakt mit sprachlicher Virtuosität und Situationskomik gekonnt auch über heikel-erotische Klippen. Seine enorme rhetorische Kraft sprengte überdies den zeitlichen Rahmen und ließ das Auditorium die vorgerückte Stunde vergessen.

 

In seinem nunmehr vierten Roman „Die Zweisamkeit der Einzelgänger“ ließ er zuerst Jugenderinnerungen Revue passieren: Ein Urlaub auf Elba in einer Villa mit den Großeltern, Eltern und Brüdern gerät zur Dauerprüfung seiner erwachenden Männlichkeit: Ob die unerlaubte Besteigung des Bettes von Napoleon in dessen Exil-Palast als Mutprobe; oder die Rettung des Bruders vor einem drohenden Absturz von einer Felswand; oder das erste Hüllen-Fallen-Lassen in einer FKK-Kolonie. Er fühlt sich nach dem Aufenthalt wie der französische Kaiser selbst, der aus der Verbannung zurückkehrt, um die Welt zu erobern.

 

Köstlich-humoristisch schilderte er den ungeplanten Einbruch in ein Schuhgeschäft mit seiner Freundin Hanna, für ihn „ein Zusammengewürfelt-Sein aus Wirrnis und Intelligenz“. Sie missbrauchen den Ort zunächst als Liebeslager, zum Abschluss lässt Hanna einige Stiefel samt Imprägnierspray mitgehen – nur um daheim festzustellen: Die Ockerfarbe eines Paares entspricht bei grellem Licht nicht ihrem Geschmack. Ihr aberwitziger Kommentar: „Morgen tausche ich sie um!“

 

Im abschließenden Interview mit Peter Grubmüller gab Meyerhoff preis, seine Geschichten und Szenen bei Theaterabenden in der Interaktion mit dem Publikum ergänzt und weiterentwickelt zu haben. Er selbst stehe auch immer zu den Charakterbeschreibungen der ihm nahestehenden Personen, die er als liebevoll und menschengerecht empfindet.

 

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