06.02.2020 ‐ Eventnachbericht

In Zukunft nachhaltig investieren

Passend zur Klimadebatte lieferten Experten am Mittwoch, den 5. Februar 2020, wertvolle Informationen zum Thema „Nachhaltige Geldanlage – wie positioniert sich die Oberbank“ im Donau-Forum.

Herausforderung für den Finanzsektor

Gastgeber Franz Gasselsberger berichtete von den ambitionierten Klimaschutz-Zielen der EU, wobei die Europäische Investitionsbank bis 2025 ihre Investitionen in diesem Bereich verdoppeln soll. Hierzulande erwarte die Politik im Rahmen eines Green-Finance-Pakts die Selbstverpflichtung der Banken, ihren Fokus hauptsächlich auf nachhaltige Finanzierungen und Anlagen zu richten. Was aber sei nachhaltig?

„Da wird eine europäische Gesamtregelung schwierig werden – hier sollte man nationale Spielräume ermöglichen. Für Franzosen sind Atomkraftwerke nachhaltig, für Österreicher hingegen ein No-Go!“

Die Politik bediene sich der Banken nur als Erfüllungsgehilfen, wenn sie verlange, nicht-nachhaltige Finanzierungen mit mehr Eigenkapital zu unterlegen. Gasselsberger betrachte aber auch den Stellenwert eines stabilen, verlässlichen und berechenbaren Partners für KundInnen und GeschäftspartnerInnen als langfristig maßgeblichen Faktor. Genau diese Tugenden bringe die Oberbank mit sich.

 

Grüner Pionier

Stefan Doboczky, CEO des Spezialfaser-Herstellers Lenzing AG, sieht sein Unternehmen in einer Vorreiter-Rolle in Punkto Nachhaltigkeit. Weltweit produziere die Textilindustrie 12 Milliarden Tonnen CO2. Lenzing konzentriere sich deshalb auch auf Recycling von Baumwollprodukten. Die Schwierigkeit bestehe darin, EndverbraucherInnen den höheren Preis zu erklären, um ihnen eine bewusste Kaufentscheidung zu ermöglichen. Auf jeden Fall möchte sein Betrieb konsequent an den Klimazielen festhalten: 50 Prozent weniger CO2-Emissionen bis 2030 im Vergleich zu 2015 und in Zukunft eine klimaneutrale Produktion anpeilen.

 

Was ist bei „green finance“ zu beachten?

Andreas Knörzer, Vice-Chairman bei Vontobel Asset Management, die “grüne“ Eminenz des nachhaltigen Investierens, gab in seinem Vortrag Einblicke in die Voraussetzungen, Risiken und Chancen für nachhaltiges Anlegen.

Zuerst skizzierte er die Entwicklung einer starken Mittelschicht in Schwellenländern wie China oder Indien. Sie seien drauf und dran, die etablierten Volkswirtschaften zu überholen. Einerseits gut für Investoren, andererseits bedrohlich wegen des Ressourcenverbrauchs. Die Größe des globalen ökologischen Fußabdrucks sei so stark gewachsen, dass wir bereits 1,7 Erden benötigen würden. Soziale Herausforderungen wie Überalterung, Armut oder Urbanisierung bergen sowohl Gefahren als auch Investitionschancen.

Was motiviert jemand nachhaltig zu investieren? Erstens, so Knörzer, dass er seine Werte oder Einstellungen in der Anlage gespiegelt sehen möchte. Zweitens, dass er sein Engagement risikoreduziert wünscht. Die Optionen seien vielfältig: unter anderem Wasserqualität und -analyse, erneuerbare Energien oder Ausbildung.

Unter vielen Aspekten, Kriterien und Faktoren zum Thema nannte Andreas Knörzer Beispiele für Leitbildwirkung und Megatrends: Kingspan (umweltfreundliche Gebäude), ThermoFisher (Gesundheit) oder PayPal, das als innovative Plattform in 200 Ländern als Zahlungsgrundlage bereits unentbehrlich sei.

Als Basis für Investitionsentscheidungen fungiere weiters der ESG-Index (Environment Social Governance), der Umwelt, Soziales und gute Unternehmensführung beinhalte.

 

Nachhaltig investieren mit 3-Banken-Fonds

Schließlich, so die Empfehlung Knörzers, biete der 3-Banken-Fonds der Oberbank die Befriedigung unterschiedlicher KundInnen-Bedürfnisse: Best in Class, eine Blue-Chip-lastige Anlagestrategie oder M & U Mischfonds für den etwas defensiveren Anleger.

Den Abschluss der informativen Veranstaltung bildete eine Talkrunde unter der Leitung der Moderatorin des Abends, Susanne Dickstein, stellvertretende Ressortleiterin Wirtschaft des Event-Partners OÖ Nachrichten. Neben den zwei Hauptreferenten gaben Alois Wögerbauer, Geschäftsführer 3-Banken-Generali Investment Gesellschaft und Erich Stadlberger, Direktor Private Banking & Asset Management der Oberbank, noch wertvolle Tipps für nachhaltiges Investieren und Ausblicke für 2020.