Österreich an die Spitze bringen - Oberbank
10.11.2017 ‐ Presse

Österreich an die Spitze bringen

Oberbank-CEO Franz Gasselsberger fordert eine Staatsschuldenbremse und ein Aus für die Wertpapier-KESt von der neuen Regierung. Die Bank führt er erfolgreich weiter auf Wachstumskurs.

TREND: Was erwarten Sie von der neuen Regierung für Österreich?
GASSELSBERGER: Die Menschen haben eine wahnsinnig große Erwartungshaltung. Sowohl die Wirtschaft als auch die österreichische Bevölkerung. Alle hoffen, dass sich etwas bei der Steuersituation verbessert, aber auch beim Gemeinwohl. Wir brauchen dringend eine Staatsschuldenbremse. Und wir benötigen eine wirkliche Digitalisierungsinitiative. Da sind wir in Österreich leider nur Mittelmaß. Es geht darum, Österreich wieder an die Spitze zu bringen.


Und was erhoffen Sie sich für den Kapitalmarkt?
Eine gesunde und bessere Stimmung. Es muss endlich mit dem Mythos aufgeräumt werden, dass Aktien Spekulation sind. Aktien sind eine Investition in Sachwerte. Es werden aber noch immer 75 Prozent der Investitionen über Kredite und nur 25 Prozent über den Kapitalmarkt finanziert. Aber mit Krediten alleine kann man die Wirtschaft nicht bedienen.


Was wäre da ein Zeichen für Sie?

Die Vermögenszuwachssteuer hat nicht viel gebracht. Die Abschaffung der Wertpapier-KESt wäre ein wichtiges Signal für Investoren.

 

Aber die Wiener Börse läuft blendend. Ihre Aktie hat in einem Jahr um 36 Prozent zugelegt. Wird das so weitergehen?
Es gibt Gott sei Dank keine Anzeichen einer Änderung der Situation. Österreichische Unternehmen verdienen gut. Auch die Nachbarmärkte, die für uns sehr wichtig sind, haben starke Wachstumszahlen. Und von der Zinsseite glaube ich auch nicht, dass es in absehbarer Zeit größere Überraschungen geben wird. Es gibt geopolitische Risiken wie Nordkorea oder Trump. Aber wir haben eine gute Perspektive. Die Stimmungsindikatoren sind auf einem Hoch.

 

Wie beurteilen Sie die vergangene und die aktuelle Politik der EZB?

EZB-Chef Mario Draghi hat 2012 eine großartige Leistung geschafft und den Kollaps der Kapitalmärkte verhindert. Man muss sein Verhalten aber immer wieder anpassen. Die EZB hat die Märkte mit Milliarden geflutet. Aber nur ein geringer Teil davon ist in den Märkten in Form von Krediten auch wirklich angekommen. Die Bilanzsumme der EZB ist dafür im Vergleich zu anderen Notenbanken überdimensioniert. Und nun sollte man überlegen, wie man wieder zu einer Normalisierung kommt.

 

Aber höhere Zinsen würden wiederum den Börsen schaden.

Bei der guten Konjunktur müsste das eigentlich trotzdem möglich sein. OeNB-Chef Ewald Nowotny sieht das ja auch so. Die Frage ist: Was ist der Trigger für eine Anhebung der Zinsen? Die einen sagen, das wäre eine Inflationsrate von annähernd zwei Prozent. Aber warum sollte man sich stur an diese Zahl halten? Man sollte behutsam Schritte setzen.

 

Die meisten Banken reduzieren ihr Filialnetz und stellen auf Onlinebanking um. Die Oberbank baut ihr Filialnetz aus. Was ist die Überlegung dabei?

Wir können Filialen sehr gut betreiben und sie rechnen sich schneller bei uns, und zwar innerhalb von ein bis zwei Jahren. Wir haben aber auch kein überdimensioniertes Filialnetz, das wir zuerst reduzieren müssen. Wir gehen immer nur in wirtschaftlich attraktive Regionen.

 

Doch generell jammert die Branche über die hohen Kosten in Filialen.

Wir haben eine gute Kostenstruktur. Es heißt immer, die österreichischen Banken sollten eine Cost-Income-Ratio von 50 Prozent
erreichen. Unsere liegt schon in diesem Bereich. Wir haben schon seit Langem die Strategie, anspruchsvolle und damit einträgliche Dienstleistungen, wie Wohnbaufinanzierung, Veranlagung oder Vorsorge, den Filialen vorzubehalten.


Eingangs haben Sie aber eine Digitalisierungsinitiative gefordert.

Wir sind natürlich auch beim Zug der Digitalisierung dabei. Wir haben das in der Vergangenheit vielleicht zu wenig betont, weil wir uns als Filialgründungsbank positioniert haben. Aber natürlich braucht eine moderne Bank beide Zugänge, einen digitalen und einen persönlichen zum Kunden. Der Kunde will selbst entscheiden, ob er über die Filiale, über Telefon, online oder über eine App mit der Bank in Kontakt treten will. Und das bieten wir natürlich alles an. Unsere Überlegung ist jedoch, dass wir dabei nicht zu schnell, aber auch
nicht zu langsam sein wollen. Der Faktor Mensch wird in der Beratung noch länger wichtig sein. Und da kann man sich im Vergleich zu anderen Banken differenzieren. Digitalangebote sind relativ gleich. Die Kür ist der Umgang mit den Menschen in der Bank.

 

Sie expandieren sehr stark im Wiener Raum. Wann wechseln Kunden zu Ihnen?
Wenn die Bindung zwischen dem Betreuer und dem Kunden sich ändert, dann hat man eine Chance. Wenn gewohnte Berater abgebaut werden, dann sitzt der Kunde locker. Viele sind zwar sehr leidensfähig, aber wenn jemand zu lange in einer Servicehotline hängt, denkt er über einen Wechsel nach.

 

Wie weit wollen Sie noch wachsen?
Wir sind in gewisser Weise zum Wachstum verdammt. Die Oberbank hat ihr Eigenkapital in den letzten Jahren mit 2,5 Milliarden massiv aufgebaut. Und wir erheben den Anspruch, dass sich das Eigenkapital zwischen acht und zehn Prozent verzinsen soll, damit wir auch entsprechende Wertschöpfung generieren können. Dazu braucht man Wachstum. Wir bleiben zum Beispiel in Wien nicht bei 27 Filialen stehen, sondern da kommt noch die eine oder andere dazu.

 

Auch im Private Banking machen Sie den etablierten Anbietern mittlerweile Konkurrenz.

Es ist wahnsinnig viel Geld da, das Veranlagung sucht. Bei einer Inflationsrate von zwei Prozent sind immer weniger mit niedrigen Erträgen zufrieden. Wir machen potenzielle Kunden darauf aufmerksam, was wir bieten.

 

Einige österreichische Banken beklagen die für sie nachteilige Situation in Ungarn. Wie ist das für die Oberbank.

Wir sind vom ungarischen Markt begeistert. Wir hatten natürlich Glück, dass wir gewisse Entwicklungen dort nicht mitgemacht haben. Wir sind erst 2008/2009 nach Ungarn gegangen und haben die ganze Fremdwährungskreditproblematik daher nicht. Wir zahlen dort auch eine überschaubare Bankensteuer. Die ungarische Wirtschaft entwickelt sich sehr gut. Exporte legen, bedingt durch den schwachen Forint, zu. Wir sind dabei, unser Filialnetz in Ungarn zu erweitern.


Wie entwickelt sich Ihr Engagement im Iran?

Das hängt von der politischen Entwicklung ab. Es gibt noch widersprüchliche Aussagen der Amerikaner, wie sie das Abkommen mit Iran behandeln werden. Wir brauchen Rechtssicherheit. Solange wir die nicht haben, werden wir im Iran keine Finanzierung übernehmen.

 

Quelle: TREND

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