11.09.2019 ‐ Eventnachbericht

Bahn frei für eine lebenswerte Welt

Der Vorstandsvorsitzende der ÖBB beantwortete am Dienstag, den 10. September 2019 bei einem Vortragsabend auf überzeugende Weise die Frage „Wieso wir nicht auf morgen warten können“ im Oberbank Donau-Forum.

Im Bild v.l.n.r.: Franz Gasselsberger (Generaldirektor Oberbank), Andreas Matthä (Vorstandsvorsitzender ÖBB-Holding AG, Axel Greiner (Präsident der Industriellenvereinigung OÖ)

 

Die Bahn – zentraler Faktor der Mobilität

 

Generaldirektor Franz Gasselsberger war es sichtlich ein Anliegen, Klischees über die Österreichischen Bundesbahnen zu wiederliegen:

„Mit 96 Prozent Pünktlichkeit gehören die ÖBB zu den pünktlichsten Bahnen Europas. Streiks oder andere Betriebsunterbrechungen kommen praktisch nicht vor."

Dem stark in Schwung gekommenen Personenverkehr hinke der Güterverkehr noch hinterher – Österreich brauche aber als starkes Wirtschaftsland und als Drehscheibe innerhalb Europas einen leistungsfähigen Logistikanbieter.

Axel Greiner, Präsident der OÖ Industriellenvereinigung, schlug in dieselbe Kerbe: Die Logistik stelle einer der Kernfragen dar – wie seien noch mehr Güter auf die Schiene zu bringen? Er wünsche sich auch unter anderem einen Bahnausbau nach München über das Innviertel.

 

Klimawandel macht Druck

Andreas Matthä, Vorstandvorsitzender der ÖBB-Holding, forderte in seinem Vortrag, die Verlagerung des Mobilitätsschwerpunktes auf die Schiene zu forcieren. 82 Millionen Tonnen CO2 stammen zu 90 Prozent vom Verursacher Straßenverkehr, die 100 Prozent elektrisch betriebene Bahn bedeute eine entscheidende Reduktion des die Welt schädigenden Ausstoßes. Mittlerweile benötige man einen Wald in der Größe Vorarlbergs, um diese gewaltige Menge CO2 zu binden.

Die ÖBB als größtes Klimaschutz-Unternehmen setze sich ehrgeizige Ziele: Bis 2030 klimaneutral unterwegs zu sein und bis 2050 vollständig CO2-neutral. Nur mit einer 30-prozentigen Steigerung des Schienen-Güterverkehrs lasse sich eine tickende Zeitbombe entschärfen: ein Mehr von einer Million LKWs auf Österreich Straßen – täglich!

 

ÖBB-Chef kontert Kostenargument

Den Einwand, die Bahn-Güterbeförderung sei zu teuer, ließ Andreas Matthä nicht gelten: Es seien nämlich beim LKW-Transport auch die volkswirtschaftlichen Kosten einzurechnen und damit ergebe sich eine höhere Belastung als beim Bahntransport. Als dringende Maßnahmen für einen Wandel nannte er die Einführung einer flächendeckenden LKW-Maut, die Einstellung des Lohndumpings bei den Fahrern, die Abschaffung des Diesel-Privilegs und die Senkung der Abgaben auf den Bahnstrom.

 

Wir sind alle die ÖBB

Bei der abschließenden Podiumsdiskussion unter der Moderation von Dietmar Mascher, stv. Chef-Redakteur der OÖ Nachrichten, nahmen neben Greiner und Matthä auch Clemens Först, Vorstand der ÖBB Rail Cargo sowie Karl Ochsner, Aufsichtsrat der ÖBB Holding, teil. Als Vorteil des Bahnfahrens gegenüber dem Fliegen sah Ochsner das komfortable, stressfreie Reisen mit geringen Wartezeiten. Wie die Politik von einer stärkeren Förderung der Bahn zu überzeugen sei? Wir alle sind die ÖBB, so der Bahn-Manager, und daher sollten wir uns auch weniger profitable Verbindungen in den ländlichen Regionen leisten. Clemens Först betonte wiederum, dass jeder Verkehrsträger Stärken und Schwächen aufweise. So wäre der LKW auf den letzten Kilometern zum Kunden unverzichtbar, hingegen die Bahn für längere Distanzen geeigneter.