05.05.2021 ‐ Presse

Überhitzung und Wachstumsschock

Investitionsprämie: Scheitern Ansprüche, weil die Bauwirtschaft an der Kapazitätsgrenze ist? Fünf Milliarden Euro haben Österreichs Betriebe an Investitionsprämie beantragt und sollen damit 55 Milliarden an Investitionen tätigen.

 

Quelle: OÖ Nachrichten, 05.05.2021, Seite 9

Fotoquelle: raumpixel

 

Bei der Austria Wirtschaftsservice (aws), die die Projekte abwickelt, haben sich nicht zuletzt deshalb die Anträge verzwanzigfacht. Aber die aktuelle Lage vor allem in der Bauwirtschaft könnte zur Bremse werden. Es könnte eng werden. Denn bis 31. Mai 2021 müssen die Investitionsprojekte in Auftrag gegeben und bis Februar 2023 abgeschlossen sein, wenn sie weniger als 20 Millionen Euro kosten. Die größeren Projekte müssen bis Februar 2025 fertig sein.

 

Allerdings stehen viele Betriebe vor einem schwer lösbaren Problem: Sie bekommen von Lieferanten vor allem aus der Bauwirtschaft zum Teil keine Aufträge, weil diese ohnehin schon an der Kapazitätsgrenze arbeiten. "Es zeichnet sich ab, dass viele in dieser Situation ihren Anspruch auf die Investitionsprämie verlieren", sagt der Generaldirektor der Oberbank, Franz Gasselsberger. Etliche Kunden würden bereits überlegen, ihre Projekte wieder zu verschieben, bestätigt der bei der Oberbank für Förderungsberatung zuständige Abteilungsleiter Gerald Weidenauer.

 

Einer davon ist der Mollner Unternehmer Kurt Bernegger. Dieser plant in Enns die Errichtung eines Kupferschmelzofens. Das Recycling-Projekt sollte in ein bis zwei Monaten einen positiven Bescheid bekommen und würde rund 60 Millionen Euro kosten. "Aber ich überlege ernsthaft, das Projekt zu verschieben. Man bekommt kaum Angebote", sagt Bernegger, der selbst in der Bauwirtschaft tätig ist, und bestätigt die Berichte über massiv steigende Rohstoffpreise vom Holz bis zum Stahl. "Die Frage ist, ob die Prämie dann überhaupt noch sinnvoll für uns ist."

 

Tatsächlich sind die Preise neben den Angeboten und den Fristen die große Herausforderung für die Unternehmen, die eine solche Investitionsprämie von sieben oder 14 Prozent der Investitionssumme in Anspruch nehmen. Die höheren Preise könnten die Prämien auffressen.

 

"Das ist wie Eigenkapital" Gasselsberger beurteilt die Prämie, die vor allem in Oberösterreich großen Zuspruch genießt, grundsätzlich positiv.

Die Prämie hat den Zweck erfüllt. Sie unterstützt Investitionen in allen Bereichen.

Es wurde hier geklotzt und nicht gekleckert. Dazu kommt, dass es ja noch weitere Förderungen gibt. Wer zwei Millionen Euro in die Verarbeitung von Biofleisch investiert, bekommt neben der Prämie von 140.000 Euro noch 240.000 Euro an Verarbeitungs- und Vermarktungszuschuss. Das ist wie Eigenkapital. Aber derzeit erleben wir einen Wachstumsschock."

 

Gefordert wird, die Fristen etwas zu strecken. Im Herbst sollte sich die Überhitzung bei den Lieferanten und Baufirmen wieder etwas gelegt haben. Folglich sollte auch die Frist für die Fertigstellungen verlängert werden.

"Die Prämie hat den Zweck erfüllt. Sie unterstützt Investitionen in allen Bereichen. Wir erleben derzeit einen Wachstumsschock." Franz Gasselsberger, Generaldirektor der Oberbank
"Ich plane eine 60-Millionen-Investition, überlege aber, das Projekt zu verschieben. Die Prämie wird durch höhere Preise wieder aufgefressen." Kurt Bernegger, Unternehmer aus Molln