29.10.2018 ‐ Presse

'Die Sparlust ist vorhanden'

Österreicher als Sparefrohs: Oberbank-Chef Gasselsberger über die Vorliebe für Sparbücher und Bargeld

Die Nullzinsphase werde wohl bis Frühjahr 2020 dauern, sagt der Generaldirektor der Oberbank und Obmann der Banken in der Wirtschaftskammer, Franz Gasselsberger, im Gespräch mit den OÖNachrichten.

 

OÖNachrichten: Wie lang dauert die Nullzinsphase noch?

Gasselsberger: Nach menschlichem Ermessen müsste sie schon vorbei sein. Es gibt bereits eine Überhitzung auf dem Markt.

 

Welches Motiv hat die Europäische Zentralbank (EZB), mit der Zinserhöhung trotz steigender Inflation zuzuwarten?

Es ist wie bei einer Bergtour. Der Letzte bestimmt das Tempo, und das ist derzeit Italien.

 

Bei einer Inflation von zwei Prozent und 0,025 Prozent auf dem Sparbuch zerrinnt das Vermögen.

Tatsächlich ist das Vermögen auf dem Sparbuch in zehn Jahren real um 12 Prozent geschrumpft. Die Österreicher sind gute Sparer, die Rendite ist unterdurchschnittlich. Dennoch verzeichnen wir heuer drei bis vier Prozent mehr Spareinlagen. Die Sparlust ist weiterhin vorhanden.

 

Warum propagieren Sie Sparen als sinnvoll?

Die Österreicher sind damit groß geworden. Es ist eine Grundtugend, die man früh lernen sollte. Heute ist aber auch jeder Zweite privat verschuldet, und davon sind wiederum 25 Prozent unter 30 Jahre alt. Man muss lernen zu sparen und dass geborgtes Geld auch wieder zurückbezahlt werden muss. Auch das muss immer wieder gesagt werden.

 

Mehr Rendite, aber auch mehr Risiko bieten etwa Aktien. Sollen die Österreicher mehr Wertpapiere kaufen?

Aktien muss man wie Immobilien sehr langfristig sehen. Und wir raten auch nicht zu Einzelaktien. Denn wie sich der Markt entwickelt, kann keiner sagen. Besser sind gemischte Fonds. Langfristig führt aber kein Weg am Kapitalmarkt vorbei. Denn um seinen Lebensstandard im Alter zu halten, bedarf es neben der staatlichen Pension auch weiterer Ersparnisse.

 

Merken Sie schon eine Reduktion der Bargeldtransaktionen?

Die Österreicher und die Deutschen bezahlen sehr gerne in Bargeld, und es gibt kaum eine Reduktion des Bargeldumlaufs. Nicht anders ist auch zu erklären, dass Österreich die höchste Bankomatdichte in Europa hat. Wir sind auch dabei, unsere Bankomatenzahl weiter zu erhöhen.

 

Werden Sie dafür eine Bankomatgebühr einheben?

Nein, das ist bei uns nicht geplant.

 

Quelle: Oberösterreichische Nachrichten, 27.10.2018, S. 13, Ressort: Wirtschaft