21.12.2018 ‐ Presse

Wenn Filialen die Bank wechseln

Die Oberbank setzt auch im kommenden Jahr ihre Expansion in Deutschland fort. Manche neue Niederlassung präsentiert sich den Linzern dabei selbst auf dem Silbertablett.

Sechs neue Filialen hat die Oberbank heuer in Deutschland eröffnet, 2019 sollen es weitere neun sein. Mit 43 Niederlassungen wird dann gut ein Viertel aller Filialen der Bank, die ihr Stammgebiet in Oberösterreich und Salzburg hat, aber auch in Wien, Ungarn, Tschechien und der Slowakei aktiv ist, in Deutschland liegen. Und da die Expansion bei Österreichs nördlichem Nachbarn derzeit auch am stärksten erfolgt, "werden wir mittelfristig sicherlich den 50er erleben", so Oberbank-Chef Franz Gasselsberger im Gespräch mit der "Presse".

 

Dass man von Linz aus eine Affinität zum bayrischen Raum hat, ist nicht sonderlich überraschend. "Als im Jahr 1990 alle nach Osten gegangen sind, haben wir den Schritt nach Bayern gemacht", so Gasselsberger. Lange Zeit wollte man dabei jedoch "in der Region" bleiben - das zu Bayern gehörende Franken mit seiner Hauptstadt, Nürnberg, war demnach die nördliche Grenze. Doch das hat sich in den vergangenen Jahren stark verändert. So ist die Oberbank bereits seit einigen Jahren auch in Baden-Württemberg aktiv, seit 2016 jedoch ebenso in Thüringen, seit 2017 in Hessen. Und seit heuer auch in Sachsen und mit einer Filiale sogar in Sachsen-Anhalt.

Die Region Sachsen ist für uns sehr interessant. Vor allem Chemnitz ist wirtschaftlich sehr stark,

so Gasselsberger. Hier dürfte im kommenden Jahr also das Hauptaugenmerk der Erweiterung liegen, unter anderem mit neuen Niederlassungen in Leipzig und Dresden. Grund dafür ist nicht zuletzt, dass die Konkurrenz im ehemaligen Osten nicht so ausgeprägt ist.

 

Starke Konsolidierungswelle

Aber auch im Westen Deutschlands können die Linzer reüssieren. Warum die dortigen Banken in einem wirtschaftlich extrem wettbewerbsfähigen Umfeld schwächeln, kann sich auch Gasselsberger nicht hundertprozentig erklären. "In Baden-Württemberg gibt es aber derzeit eine unglaubliche Konsolidierungswelle." So baut etwa die Südwestbank, die 2017 von der heimischen Bawag übernommen wurde, massiv Stellen ab. "Das führt dazu, dass in Baden-Württemberg ganze Filialen auf uns zukommen", sagt Gasselsberger.

 

So hätten sich in Städten wie Freiburg oder Mannheim ehemalige Filialleiter von anderen Banken mitsamt ihrem Kernteam bei der Oberbank gemeldet - sie würden gern eine lokale Filiale für die Oberösterreicher aufmachen. Wissen über die Gegebenheiten vor Ort sowie Kundenkontakte inklusive. Die Bank erhielt damit ihre Expansion mitunter auf dem Silbertablett präsentiert. "Eigentlich wollten wir ja nie nach Freiburg gehen", sagt Gasselsberger. Aber das Konzept des Freiburger Teams war einfach stimmig.

 

Grundsätzlich sei der Südwesten Deutschlands mit seinem extrem starken Mittelstand ein Paradies für Banken. Vor allem unter dem Blickwinkel, dass große Institute wie Deutsche Bank und Commerzbank sich dabei vor allem auf die Konzerne konzentrieren, kleinere Lokalbanken für aufwendigere Finanzierungen aber zu klein seien. "Wir fühlen uns bei Unternehmen mit einem Umsatz von zehn bis 200 Mio. Euro wohl." Ein weiterer Vorteil sei, dass die deutsche Konkurrenz mit einer Kosten-Ertrags-Relation von 70 bis 80 Prozent kämpfe.

Das schlägt natürlich auch auf die Konditionen durch. Bei uns liegt dieser Wert unter 50 Prozent.

 

20 Prozent aus Deutschland

Obwohl viele Filialen erst neu gegründet sind und der Break-even in der Regel erst nach "zwei bis zweieinhalb Jahren" erreicht wird, stammen bereits fast 20 Prozent der Neukredite aus Deutschland. Und dieser Wert soll sich in den kommenden Jahren noch deutlich steigern.

 

Voraussetzung dafür ist allerdings auch, dass der Konjunkturabschwung nicht zu stark ausfällt. Denn: "Wir sind bereits im Spätzyklus einer sehr reifen Hochkonjunktur", sagt Gasselsberger. Das Exportwachstum gehe bereits leicht zurück. "Wir sehen auch, dass die Bilanzen schlechter werden. Die Unternehmen können die Preissteigerungen nicht mehr im Markt unterbringen." Dadurch werde sich auch das Kreditwachstum normalisieren. "Grundsätzlich ist die Stimmung aber nach wie vor sehr gut. Ich glaube daher nicht, dass wir in eine Rezession kommen."

 

Quelle: "Die Presse" vom 21.12.2018, Seite 17