30.11.2018 ‐ Presse

Deutsche Bankenkonsolidierung bietet Chancen für Linzer Oberbank

Während deutsche Kreditinstitute von der Deutsche Bank AG bis hin zu den Landesbanken über Strategie, Kosten und Filialschließungen nachdenken, sieht ein regionaler Konkurrent aus dem benachbarten Österreich eine Menge Gutes in der größten Volkswirtschaft Europas.

Da tut sich so viel, und das ist auch der Grund, warum wir diese Chancen nutzen müssen,

sagte Franz Gasselsberger, Generaldirektor der Oberbank AG, einem Kreditinstitut aus Linz, das auf kleine und mittelgroße Unternehmen ausgerichtet ist. Während die Deutsche Bank in vielen Orten zu teuer sei, reduzierten die Volksbanken massiv und die Sparkassen gingen aus der Fläche zurück, so Gasselsberger in einem Bloomberg-Interview. "Das alles bringt den Markt in Bewegung und gibt uns die Möglichkeit, Leute einzustellen."

 

Die Oberbank, eines der profitabelsten Kreditinstitute Österreichs, sagt, dass Baden-Württemberg am attraktivsten sei, gefolgt von Bayern und Sachsen.

In Baden-Württemberg wachsen wir deshalb so schnell, weil im Markt so viel in Bewegung ist wie in keinem anderen Bundesland,

sagte der Oberbank-Chef.

 

Die Bank, die auf eine Bilanzsumme von rund 21 Milliarden Euro kommt, will im nächsten Jahr neun neue Filialen in Deutschland eröffnen, was die Gesamtzahl auf 43 erhöhen würde. Die Gruppe beabsichtigt, die neuen Filialen innerhalb von zweieinhalb Jahren rentabel zu machen. Eine der von Gasselsberger angepeilten Branchen ist der Tourismus, der seiner Meinung nach lange Zeit von den Banken übersehen wurde, auch weil Kapitalanforderungen die Kredite an Hotels oder touristische Attraktionen kapitalintensiv machten. Die harte Kernkapitalquote (CET1) der Oberbank belief sich Ende Juni auf 15,8 Prozent und bot damit genügend Puffer für derartige Geschäfte.

 

Gasselsberger zufolge will die Oberbank ihre Bilanz weiter ausbauen und gleichzeitig die Eigenkapitalrendite bei 8 Prozent bis 10 Prozent halten. Die Bank bereite sich auf die Möglichkeit vor, dass sie unter die direkte Aufsicht der Europäischen Zentralbank komme, wenn ihre Bilanzsumme sich 30 Milliarden Euro nähert.

 

Oberbank will zudem an ihren Industriebeteiligungen in Voestalpine AG und Lenzing AG festhalten, auch wenn die Kapitalanforderungen für Aktien-Engagements zunehmen dürften. Die Positionen seien Teil der Gesamtstrategie und würden dazu beitragen, Voestalpine vor Übernahmeversuchen zu schützen.

 

Quelle: www.welt.de, 28.11.2018