24.10.2018 ‐ Presse

In der Pause entspannen sich die Mitarbeiter vor dem Kamin

Firmen haben zunehmend Schwierigkeiten, Angestellte zu finden. Was sie tun, damit Bürostühle nicht leer bleiben – und was Würstl in den Stiegenhäusern der Oberbank zu suchen haben. 

Angelika Wienerroither Salzburg-Stadt. Mehrmals pro Woche kommt ein Fitnesstrainer zu Stiegl, um die Mitarbeiter mit Yoga und Rückenübungen zu stärken. Zudem hat die Brauerei vor Kurzem einen Ruheraum eingerichtet: Auf einer Zirbenliege vorm Kamin können die Mitarbeiter die Augen kurz zumachen, eine weitere Liege regt die Durchblutung an.

 

Firmen haben es immer schwerer, gute Angestellte zu finden und zu halten. Neben einem Stand bei Jobmessen – wie dem Karriereforum (Kasten rechts) – versuchen Unternehmen allerhand, um an kluge Köpfe zu kommen. Die Zahl der Arbeitslosen sinkt, zuletzt im September um 5,9 Prozent. Die Bewerber sind wählerisch: Nach einer Umfrage des Internet-Jobportals Stepstone ist einer großen Mehrheit die Work-Life-Balance wichtiger als Karriere.

 

Stiegl hat 2016 mit einer Gesundheitsinitiative begonnen. Bei einem Projekt führen die Mitarbeiter etwa Buch darüber, wie viele Kilometer sie zu Fuß gehen oder mit dem Rad fahren – anstatt ins Auto zu steigen. Die Kilometer werden in Geld umgerechnet. „Damit wird der Verein Arche Noah unterstützt“, sagt Sprecherin Alexandra Picker.

 

Gesundheit ist auch bei der Oberbank wichtig. Das Institut wurde voriges Jahr zum besten Arbeitgeber in der österreichischen Finanzbranche bestimmt. Warum sie die Auszeichnung erhalten haben, das erklärt Personalchef Bernhard Wolfschütz: Zum einen können die Mitarbeiter ihre Fitness testen lassen. Sie bekämen Impulse, wie sie gesund bleiben können, was sie an Ernährung, Bewegung verändern sollten. „Parallel dazu bieten wir Kochkurse an – und bemalen auch unsere Stiegen“, sagt Wolfschütz. Auf jeder Stufe in den Treppenhäusern sei nun „minus 1 Kalorie“ gedruckt. Es gibt auch Etappenziele wie „bis hier haben sie ein Paar Frankfurter verbrannt.“ Wo es möglich ist, teilten sich die Kollegen zudem ihre Arbeitszeit frei ein und arbeiteten von zu Hause.

Einen großen Anteil an der Auszeichnung dürfte auch die finanzielle Beteiligung haben: Ein Mal im Jahr können die Arbeitnehmer Oberbank-Aktien kaufen – vier zum Preis von drei. Von 2000 Mitarbeitern nahmen voriges Jahr 1500 das Angebot an. „Sie haben einen Anteil am Erfolg – und identifizieren sich mit dem Unternehmen“, sagt Wolfschütz. 3,76 Prozent der Oberbank gehöre den Mitarbeitern.

 

Warum die Bank all das finanziert? „Der Markt ist heiß umkämpft. Wir müssen als Arbeitgeber attraktiv sein.“ Der Kunde möchte einen Berater, den er schon lange kennt. Es sei heikel, wenn sich das Gesicht alle Monate ändere, weil die Mitarbeiter wechseln. Zudem investierten die Kollegen das Wertvollste, das sie haben: ihre tägliche Lebenszeit. „Und das tun sie nur, wenn sie jeden Tag gern reinkommen.“

 

QUELLE: Salzburger Nachrichten vom 23.10.2018