04.06.2019 ‐ Eventnachbericht

Die DNA des FC Bayern München

Welche Eigenschaften als Langzeit-Manager nötig waren, um 20 Meistertitel zu gewinnen, verriet Bayern-Legende Uli Hoeneß am Montag, den 3. Juni 2019, einer großen Fan-Gemeinde im Oberbank Donau-Forum.

Im Bild v.l.n.r.: Thomas Helmer (Sport1 Starmoderator, ehemaliger Fußballprofi), Uli Hoeneß (Präsident FC Bayern München) , Franz Gasselsberger (Generaldirektor Oberbank AG)

 

FC Bayern München – beinahe ein österreichischer Verein

Thomas Helmer, TV-Moderator und ehemaliger Fußball-Profi, wollte vom Hausherrn Franz Gasselsberger wissen, warum es auch hierzulande einen Hype um den bayrischen Topklub gibt.

Fußball ist natürlich die Sportart Nummer 1 beim Zuschauerinteresse…die Begeisterung für den FC Bayern München liegt sicher auch an der geografischen Nähe zu Österreich. Zudem steht uns die Mentalität unserer Nachbarn nahe und einige unserer Landsleute wie Andi Herzog oder David Alaba haben für den FCB schon erfolgreich gespielt!

Besonders imponiere aber Gasselsberger die Kunst, sportlichen und wirtschaftlichen Erfolg zu vereinen, ohne auf sprudelnde TV-Einnahmen oder Geldmagnaten zurückgreifen zu können. Diesen Balanceakt verdanke Bayern München vor allem seinem Mastermind Uli Hoeneß.

 

Wortgewaltig mit Herz und Verstand

Moderator Thomas Helmer zeigte zuerst in einem Film, wie volksnahe sich Uli Hoeneß mit diversen Sprüchen gibt: „Es schießt eine Kanone, die heißt Karl-Heinz Rummenigge. Hasan (Salihamidzic) und ich stehen voll hinter ihm und reichen ihm die Kugeln." Übertriebenes Taktieren weist er mit folgendem Vergleich in die Schranken:

Ihr schreibt immer über Dreierkette und abkippende Sechs. Wenn er nicht kicken kann, dann ergibt die Raute ein schiefes Dreieck.

Aus einem Nobody mit 12 Millionen Mark Umsatz, 20 MitarbeiterInnen und 7 Millionen Mark Schulden formte der Unermüdliche einen Big Player mit 660 Millionen Euro Umsatz und 1 000 MitarbeiterInnen. Trotzdem stehen die Bedürfnisse der Fans im Mittelpunkt. So gäbe es auch heute noch Stehplatzkarten um 8 Euro und Jahreskarten um 140 Euro. Auch bei öffentlichen Trainings kann der Anhänger das „Mia-San-Mia“-Gefühl vertiefen.

 

Relikt der analogen Ära

Im Talk mit Thomas Helmer plauderte Hoeneß launig aus dem Nähkästchen – hier einige Kostproben: Viele der so genannten Laptop-Trainer vergessen bei aller Daten- und Statistikverliebtheit auf die Entwicklung der Basics von Nachwuchstalenten. Wer gelernt hat, im Zweikampf zu bestehen, sei auch taktisch besser einzusetzen.

 

Dem allgemeinen Trend zur WhatsApp-Kommunikation – auch bei Spielern und Trainern – könne der erfahrene Manager nicht viel abgewinnen. Er setze vor allem auf Vier-Augen-Gespräche, bei denen er erfahre, was der andere denkt. Eine wesentliche Tugend sei, die Stimmung der Mannschaft ständig auszuloten. In 43 Jahren habe er noch kein Spiel seiner Mannschaft verpasst. Sein Motto lautet:

Du kannst von den Spielern alles verlangen – aber du musst vorangehen!

Zufriedenheit und Zuversicht

Der Familienmensch Hoeneß, bereits mit 4 Enkelkindern gesegnet, betrachte sich manchmal im Spiegel, um festzustellen: „Naja, etwas zu dick – aber ich bin zufrieden!“

Ob es ihm gelingen würde, sein Lebenswerk nach 40 Jahren reibungslos zu übergeben? Der Vorstandvorsitzende des FC Bayern München zeigte sich diesbezüglich zuversichtlich – außer er bemerke, es laufe in die falsche Richtung.

 

Mittelfristig wünsche sich der erfolgreiche Strippenzieher, sich mit dem FCB unter den besten vier Teams in Europa zu etablieren – und damit ergebe sich zwangsläufig, wieder einmal die Champions-League zu gewinnen.