15.11.2018 ‐ Eventnachbericht

Energie AG unter Dauerstrom

Welche Herausforderungen der wichtigste Energieversorger des Landes zu meistern hat, erläuterte sein leitender Manager anlässlich der Wirtschaftsgespräche am Mittwoch, dem 14. November im Oberbank Donau-Forum.

v.l.n.r.: Hans Pleininger ("Die Presse"), Werner Steinecker (Generaldirektor Energie AG Oberösterreich), Franz Gasselsberger (Generaldirektor Oberbank), Fotoquelle: Guenther Peroutka

 

Unsichere Märkte und weniger Gewinne

Gastgeber Franz Gasselsberger sah das aktuelle wirtschaftliche Umfeld von Konjunkturschwankungen gekennzeichnet. Den bisher brummenden Motor brächten eine Reihe von Risikofaktoren zum Stottern: teure Rohstoff-, Energie- und Rohölpreise, Arbeitskräftemangel – besonders Fachkräfte fehlen –, Probleme der Autoindustrie und Zulieferketten, der Chipindustrie und des deutschen Maschinenbaus. Sorgenkinder wären auch Italien und globale Handelskonflikte. Auch in Österreich gäbe es Handlungsbedarf:

Die Ausdehnung der möglichen Tagesarbeitszeit auf 12 Stunden war zwar ein erster mutiger Schritt der Regierung; wir brauchen aber dringend eine Steuer- und eine Pensionsreform, die diese Namen wirklich verdienen.

Energie AG – Garant für sichere Stromversorgung

Generaldirektor Werner Steinecker präsentierte in seinem Vortrag die Entwicklung der Energie AG vom Betreiber eines Dampfkraftwerks mit 25 PS (!) zum Multi-Player in Segmenten wie Wärme, Stromerzeugung, Gas, Wasser, Glasfaser und Entsorgung. So sei der Infrastruktur-Konzern mit Fokus auf Österreich und Nachbarländern in der Lage, aus eigenem Portfolio seine Kunden zu versorgen und mit 50 Prozent Strom den Bedarf abzudecken.

 

Im Spannungsfeld von Politik, Markt und Eigentümer

Mit großen Herausforderungen sieht Steinecker sein teilprivatisiertes Unternehmen, an dem auch die Oberbank beteiligt ist, konfrontiert. Zunächst haben veränderte Kundenbedürfnisse wie größtmögliche Unterbrechungsfreiheit, günstige Preiserwartungen und gestiegene Wechselbereitschaft dem langjährigen Monopolisten zugesetzt.  Ein starker Wind wehe ihm wegen der Forderung nach unterirdischem Netzausbau entgegen, was zwei- bis dreimal so viel wie der konventionelle koste. Weiters stresse die Vorgabe der Dekarbonisierung, also eines niedrigeren Umsatzes von Kohlenstoff. Der Ausbau von Photovoltaik und Windkraft wiederum erreichen ihre natürlichen Grenzen in sonnenfinsteren bzw. windstillen Phasen. Am meisten blockieren aber endlose Verfahren zum Ausbau des Stromnetzes. So warte die Almtalleitung seit 33 Jahren auf die Genehmigung! Einer optimistischen Zukunftsvision, bis 2030 zu 100 Prozent Strom aus erneuerbaren Energien zu erzeugen, konterte der Energiemanager mit folgenden Fragen: Wer übernimmt die Kosten für die Ökostromförderung? Wie gelingt angesichts der wachsenden Widerstände in der Bevölkerung, die notwendige Infrastruktur bis zu diesem Zeitpunkt zu errichten? Wer gewährleistet die Versorgungssicherheit?

 

Zum Schluss konnten Gäste unter der Moderation von Hans Pleininger von der Tageszeitung „Die Presse“ an den Generaldirektor der Energie AG brisante Fragen stellen, die dieser souverän und kompetent beantwortete.