Über Gold lässt sich (nicht) streiten!

Gold wird seit der frühen Kupferzeit und somit seit Jahrtausenden gefördert. Das Wort wurzelt im indogermanischen für „gelb“, wurde aber schon im Althochdeutschen zu „Gold“.


Gemeinsam mit Kupfer und Silber zählt es zu den historischen Münzmetallen. Mit einem Gewicht (Dichte) von 19,32 kg/dm3 gehört es auch zu den besonders schweren Elementen.


Es zählt auch zu den ersten Metallen, die von Menschen verarbeitet wurden. Die leichte Formbarkeit und der niedrige Schmelzpunkt (1.064,18 Grad Celsius) führten schon sehr früh zur Nutzung für rituelle Gegenstände und Schmuck. Seit dem 6. Jahrhundert vor Christus wurde das Edelmetall auch als Zahlungsmittel in Form von Goldmünzen eingesetzt. Im Mittelalter befasste sich die Alchemie auch mit der möglichen Herstellung von Gold aus „unedlen“, wie wir heute wissen, erfolglos.


Die Gier nach Gold brachte aber auch die niedrigsten Triebe des Menschen zum Vorschein. Die großen europäischen Seemächte erkannten den Goldreichtum indigener Völker und zogen als Konquistadoren eine Blutspur durch Mittel- und Südamerika. Es war nicht der letzte Goldrausch der Geschichte. Jack Londons „Lockruf des Goldes“ ist ein Klassiker der Abenteuerliteratur und beschreibt eindrücklich den Goldrausch 1897 am Klondike River in Alaska. Dort waren die Opfer aber die GoldgräberInnen selbst und Reichtum erlangen oftmals jene die ihnen Werkzeug, Nahrung und Obdach verkauften.

 

Angebot - wo es herkommt

Im Jahr 2021 betrug das gesamte Angebot an Gold 4.661,1 Tonnen. Davon entfiel der Löwenanteil von 3.560,7 Tonnen auf die Minenproduktion und 1.149,9 Tonnen auf das Recycling von Gold. Der kleine Rest resultiert aus Veränderungen der Lagerbestände bei den ProduzentInnen.


Die Minenproduktion ist in den letzten Jahrzehnten deutlich angestiegen. Waren es 1970 lediglich ca.  1.500 Tonnen, im Jahr 2000 dann ca. 2.500 Tonnen wurde im Jahr 2018 der bisherige Rekordwert von 3.652,5 Tonnen aus der Erde geholt. Die Minenproduktion ist ein mühsames Unterfangen und meist mit enormen Energieaufwand und auch Umweltbelastungen verbunden. Dies begründet sich auch darin, dass der durchschnittliche Goldgehalt im abgebauten Erz immer weiter fällt, das gilt praktisch für alle Lagerstätten.


Interessantes Detail am Rande: die gesamte, jemals geförderte Menge wird auf etwa zweihunderttausend Tonnen geschätzt. Das ergibt einen Würfel mit einer Kantenlänge von lediglich 21 Metern. Dieser hätte bequem unter der ersten Etage des Eiffelturms Platz!  


Die größten Goldproduzenten der Welt nach Ländern verteilen sich über große Teile des Globus.
Wie in vielen anderen Sparten der Weltwirtschaft ist China (370 Tonnen) auch bei der Goldproduktion führend vor Australien (330 Tonnen) und Russland (300 Tonnen).


Die USA, Kanada, Ghana, Mexico, Südafrika und Usbekistan folgen auf den Rängen mit Produktionsmengen zwischen 180 und 100 Tonnen.


Hinsichtlich der Unternehmen, die das gelbe Metall aus der Erde holen und die in vielen Fällen auch an der Börse notieren, zählen Newmont, Barrick, AngloGold Ashanti zu den größten Spielern.
Neben der Minenproduktion wird Gold auch recycelt. Den größten Teil betrifft die Wiederverwertung alter Barren und Schmuck. Ein sehr geringer Teil kommt aus der Industrie und etwa auch aus Mobiltelefonen. Der größte Altgold Schatz in Deutschland sind mutmaßlich die herum liegenden Althandys!

 

Nachfrage - wer es braucht

Für Gold gibt es vier große Nachfragegruppen, nämlich die Schmuckindustrie, Barren- und Münzgold, Notenbanken und die Industrie. Dazu kommen noch jene FinanzinvestorInnen, die über ETF (Exchange Traded Funds) investieren, also Fonds oder Zertifikate, die ihrerseits mit Gold gedeckt sind.


Im Jahr 2021 (Quelle: World Gold Council) landeten 2.220,9 Tonnen in der Schmuckindustrie, 1.180,4 Tonnen wurden zu Barren und Münzen verarbeitet und 463,0 Tonnen landeten in den Tresoren von Zentralbanken. Für industrielle Zwecke wurden 330,2 Tonnen benötigt. Während die industrielle Nachfrage über die Jahre sehr stabil ist, schwankt der Bedarf der Schmuckindustrie deutlich. Das hängt mit allgemeinen wirtschaftlichen Themen und Stimmungslagen in den ganz großen Goldschmucknationen wie Indien und China sowie der Türkei zusammen.

 

Gold

 

Gold ist eine zeitlose Anlage

Gold war in seiner Geschichte noch niemals nichts wert. So kann man die Rolle von Gold als Wertspeicher wohl am treffendsten beschreiben.


Obwohl die Geschichte des britischen Pfundes zu Gold noch etwas länger ist als jene des USD, beschränken wir uns auf Ausführungen zur US-Währung, weil diese auch noch heute die Haupthandelswährung des Edelmetalls darstellt.


1786 wurde der Goldpreis mit 19,50 Dollar je Feinunze (31,1 Gramm) fixiert und bis zum 27.06.1834 in dieser Relation beibehalten. Die Währung, also die USD-Noten und Münzen waren zu dieser Zeit durch Goldreserven gedeckt. Danach trat eine fast 150-jährige Phase ein, in der das Verhältnis bei 20,67 Dollar je Feinunze lag. 1934 schließlich wurde mit dem „Gold Reserve Act“ der Goldpreis auf 35,00 Dollar je Feinunze angehoben was somit eine deutliche Abwertung des USD bedeutete. 1971 schließlich wurde der Goldstandard in den USA aufgehoben, das war auch das Ende der Golddeckung. Die Währung konnte also ab diesem Zeitpunkt beliebig vermehrt werden. In mehreren großen Zyklen (siehe Chart) erreichte der Goldpreis im August 2002 seinen vorläufigen Höchststand von 2.063,01 Dollar je Feinunze. Heute liegt der Goldpreis bei 1.910,15 USD je Feinunze.


Der Wertzuwachs betrug zwischen 1971 und heute somit 8,1 % p.a. Die Inflation in den USA betrug im selben Zeitraum 3,9 % p.a. Somit ist über diesen sehr langen Zeitraum festzuhalten, dass Gold seinen Nimbus als Inflationsschutz gerecht werden konnte.

 

Allerdings gab es lange Phasen in denen Gold enttäuschte und die Inflation nicht ausgleichen konnte, sondern sogar deutlich an Wert verlor. Solche Phase dauerten sehr lange, etwa von 1980 bis 2000 und von 2012 bis 2016.

 

Gold bringt auch keine Zinsen und Dividenden. Dieses Manko muss langfristig über einen steigenden Preis ausgeglichen werden, um nach Inflation die Rolle des Werttresors übernehmen zu können. Je höher die Zinsen für sichere Spareinlagen oder Anleihen sind, desto größer wird dieser Nachteil.


Neben der Preisentwicklung von Gold ist historisch auch der Aspekt des „Goldverbots“ interessant. In Frankreich wurde etwa 1720 ein Goldverbot erlassen, fast parallel zum Aufkommen des neuen Papiergeldes. In der Weimarer Republik und später in der Zeit des Nationalsozialismus war Gold für Private ebenfalls verboten.1933 erließen sogar die USA ein Goldverbot für Privatpersonen. Lediglich Schmuck und Münzsammlungen bis zu einer Wertgrenze von 100 USD waren erlaubt.

 

Vielfältige Investments in Gold möglich

Investments in Gold können auf vielerlei Weise erfolgen. Barren, Münzen, Schmuck und ETF als Finanzprodukte haben alle ihre Vor- und Nachteile.


Natürlich ist die emotionelle Komponente bei einer schönen Goldkette höher als bei einem Goldfonds. Die Investition in Aktien von Goldminen ist ebenso möglich, dort spielt der Goldpreis im Hinblick auf die Kursentwicklung oft nur die zweite Geige. Das energieintensive Geschäft kann etwa auch dann zu niedrigeren Margen führen, wenn die Einkaufspreise für die Energie noch stärker ansteigen.


Barrengold und Münzen sind die wohl originäre Form des Investments. Diese werden im Wesentlichen von Notenbanken oder privaten Gesellschaften angeboten. Barren können in unterschiedlichsten Größen gehandelt werden, in Österreich sind 1, 2, 5, 10, 20, 50, 100, 250, 500 und 1.000 Gramm-Barren üblich.


Münzen sind global in großer Vielfalt im Angebot. Es gibt aber einige Klassiker die weltweit nachgefragt werden. Dazu gehören der österreichische Philharmoniker, der US-amerikanische Eagle, der südafrikanische Krügerrand und der kanadische Maple Leaf. In Österreich sehr beliebt als Geschenk sind auch die Dukaten.


Neben dem Wert des Goldes an sich kommt oft noch ein Wert aufgrund der Seltenheit einer Münze dazu. Diesen fest zustellen sollte man einem Numismatiker überlassen.


In den letzten Jahren haben Wertpapiere mit Golddeckung stark an Beliebtheit gewonnen. Im Gegensatz zu Barren und Münzen, bei denen nach einem Jahr Behaltedauer eine steuerfreie Vereinnahmung von Kursgewinnen möglich ist, unterliegen diese Wertpapiere (z.B. XETRA Gold) der KESt, unabhängig von der Behaltedauer. Dafür sind die Wertpapiere bequem und rasch an der Börse handelbar und am Wertpapierdepot gebucht. Die Frage der Verwahrung wie bei physischen Barren und Münzen stellt sich somit nicht.  Diese liegen am besten im Tresor der Bank und sind auch zusätzlich versicherbar.

 

Nachhaltigkeit – „Green/Responsible Gold“

Das Thema Nachhaltigkeit hat auch die Goldindustrie erfasst. „Green oder responsible Gold“ stammt aus Minen, die von Dritten speziell überprüft werden. Die Vermeidung von Schäden an Menschen und Natur haben höchste Priorität. Der Einsatz von Chemikalien, Stromverbrauch, CO2 Ausstoß und Transport bis zur Raffination und Prägung werden auf den Prüfstand gestellt. Im Gegensatz zu recyceltem Gold kann, so die Argumentation der Anbieter, die gesamte Produktionskette überprüft werden.


In der „Richtlinie Ethische Geldanlagen“ der österreichischen Bischofskonferenz wird Gold als Investment ausdrücklich erlaubt, allerdings mit einer ökosozialen Zertifizierung.

 

Fazit

Gold ist ein emotionelles und breites Thema wie die Vorkapitel zeigen. Eine Beimischung ins persönliche Portfolio ist eine Überlegung wert, wenn man sich neben den Chancen auch den Risiken bewusst ist, und es sollte eine langfristige Investition sein. Aus meiner Erfahrung weiß ich aber, dass es kaum ein Investment gibt, bei dem die AnlegerInnen größere Ruhe bewahren, wenn es auch einmal nicht läuft. Was ist die richtige Dosis an Gold? Wir sehen Gold als Mittel zur Diversifikation und nicht als Kerninvestment. Deshalb begrenzen wir den maximalen Anteil in unseren Anlagestrategien bei ca. 15 %.


Die Oberbank bietet jedenfalls das gesamte Spektrum an Investmentmöglichkeiten (Barren, Münzen, Wertpapiere mit Gold-Deckung, Tresor für die Verwahrung) mit Ausnahme von „Green-Gold“ an, bei diesem Thema sind wir noch sehr skeptisch, ob der Spagat zwischen ökologischen Aspekten und Förderung gelingen kann.

 

Goldpreis seit 1971:

Quelle: Bloomberg, 17.03.2022

 

Autor: Erich Stadlberger, MBA - Oberbank Abteilungsleiter Private Banking & Asset Management

 

Dieser Artikel wurde am 15.03.2022 erstellt.

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Fotoquelle: Eric Krügl
 

Dir. Erich Stadlberger, MBA

Abteilungsleiter Private Banking & Asset Management

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