Wirtschaftsprognosen vom 26.03.2026

Die jüngsten Eskalationen im Nahostkonflikt führten erneut zu einem drastischen Anstieg der fossilen Energiepreise.

 

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Euroraum   USA   Tschechien   Ungarn 

Konjunkturdaten

Die neuerliche Eskalation im anhaltenden Nahostkonflikt führte zur weitläufigen Zerstörung der Energieinfrastruktur im Iran, in einigen Nachbarstaaten sowie der Einschränkung des Schiffsverkehrs durch die Straße von Hormus.  Die fossilen Energiepreise sind in die Höhe geschossen und die Engpässe in der Öl- und Gasversorgung stellen eine beachtliche Belastung für die Weltwirtschaft dar. In der Folge hat der Inflationsdruck in allen westlichen Industrienationen spürbar zugenommen. Ein nachhaltiger Anstieg der globalen Teuerung könnte Zentral- und Nationalbanken wie die EZB in diesem Jahr wieder zu Zinserhöhungen bewegen. Die hohe Unsicherheit an den Devisen- und Aktienmärkten dürfte zusätzlich aufgrund der politischen Situation in den USA sowie der internationalen Unruheherde wohl auch im weiteren Verlauf dieses Jahres bestehen bleiben.  Das Risiko einer Stagflation wird in Europa immer größer.  China gilt als verlängerte Werkbank Europas und die Importquote ist weiterhin hoch. Als Großabnehmer von iranischem Öl könnten Engpässe in der Energieversorgung mittel- bis langfristig die Inflation auch hierzulande anheizen.

 

Währenddessen zeigte sich die Inflationsrate in Ungarn und in Tschechien zuletzt auf einem niedrigen Niveau. Trumps Zölle haben die Industrieproduktion, vor allem die Automobilbranche im letzten Jahr belastet. Eine moderate Erholung des Wirtschaftswachstums ist in Sichtweite. Jedoch könnte die hohe Abhängigkeit Tschechiens und Ungarns von Energieimporten den Inflationsdruck in diesen Staaten mittelfristig wieder erhöhen.  Wir erwarten von beiden Nationalbanken weiterhin eine vorsichtige Vorgehensweise und rechnen bis Ende des Jahres mit stabilen Leitzinsen.  

 

Konjunkturprognose 2026

Quelle: Bloomberg Weighted Average 26.März 2026; e = estimated/geschätzt

 

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Quelle: Bloomberg Weighted Average 26.März 2026; e = estimated/geschätzt

 

Diese Prognose ist kein verlässlicher Indikator für die künftige Wertentwicklung.

 

 

Euroraum

 

Euroraum

Zinserhöhungen in Sicht?

Für 2026 wird im Euroraum eine verhalten positive wirtschaftliche Entwicklung erwartet. Nach schwachem Wachstum in den Vorjahren dürfte sich die Konjunktur allenfalls moderat erholen, getragen von einer stabilen Binnennachfrage, steigenden Reallöhnen und allmählich wieder anziehenden Investitionen. Wir erwarten ein verhaltenes Wirtschaftswachstum von 1,2 %, welches durch den Krieg in Nahost ausgebremst werden dürfte.

 

Aufgrund der hohen Erdölpreise wird jedoch die Gefahr einer Stagflation - also einer steigenden bzw. hohen Inflation gepaart mit einer schwachen Wirtschaft immer größer. Die schwächelnde Industrie in Zentraleuropa wird das Wirtschaftswachstum wohl auch 2026 weiterhin einschränken. Trumps Zölle haben in den letzten Monaten großen Schaden angerichtet und eine Erholung dürfte noch einige Zeit in Anspruch nehmen. Der massive Stellenabbau in der deutschen Automobilindustrie bereitet auch den Zulieferern aus Österreich, Ungarn und Tschechien große Sorgen. Globale Krisen wie der Krieg zwischen Russland und der Ukraine sowie die hohe Staatsverschuldung in Frankreich, welches nach Deutschland als zweitgrößte Volkswirtschaft Europas gilt, sollten ebenfalls weiterhin im Auge behalten werden.

 

*Mit Leitzins ist der Hauptrefinanzierungssatz der EZB und nicht der Einlagesatz gemeint. Der Spread beträgt seit September 2024 0,15 statt 0,50 %.
Quelle: Oberbank Prognose

 

Aufgrund geopolitischer Risikofaktoren erwarten wir in diesem Jahr eine hartnäckige Inflation um 2,5 %. Die Nachwirkungen des Krieges im Iran dürften sich aber erst im Laufe der nächsten Monate in der Teuerungsrate bemerkbar machen. Somit dürfte die EZB ihre vorsichtige Zinspolitik fortsetzen und könnte dieses Jahr moderate Erhöhungen um je 0,25 % im zweiten und dritten Quartal verkünden.

 

 

USA

 

USA

Hohe Volatilität beim EUR/USD Kurs

Trotz erhöhter Spannungen durch Handelskonflikte und geopolitische Unsicherheiten dürfte die US-Wirtschaft im Jahr 2026 mit rund 2,5 % ein deutlich besseres Wachstum als Europa und der Euroraum erreichen. Der US-Arbeitsmarkt zeigte sich trotz Trumps chaotischer Wirtschaftspolitik zwar grundsätzlich resilient, sendete aber in den letzten Monaten auch immer wieder gemischte Signale: Während die Arbeitslosenquote mit 4,6 % im November 2025 und fast 8 Mio. Arbeitslosen den höchsten Stand seit über 4 Jahren erreichte, liegt die Rate im Februar dieses Jahres etwas tiefer bei 4,3 %. Überraschende Rückgänge aber auch deutliche Anstiege bei den Erstanträgen auf Arbeitslosenhilfe deuten auf eine hohe Dynamik am Arbeitsmarkt hin. Ängste über eine hartnäckige bzw. anziehende Inflation gepaart mit einem schwachen Wachstum, das im vergangenen Jahr bereits unter den Zollkonflikten gelitten hat, machen sich auch hierzulande breit.

 

*oberer Rand des Zielbandes
**10Y USD gegen SOFR

Quelle: Oberbank Prognose

 

Angesichts der Inflationsrisiken dürfte die Fed den Leitzins im ersten Halbjahr weiter stabil halten. Eine Zinssenkung durch Powells Nachfolger Kevin Warsch, der Trumps Zinssenkungsfantasien teilt, dürfte allenfalls gegen Ende des Jahres auf uns zukommen. Eine politische Einflussnahme auf die Entscheidungen der US-Notenbank könnte jedoch zu einem massiven Vertrauensverlust an den Märkten führen und den Dollar gegen Mitte des Jahres belasten. Erneute Eskalationen beim Zollkonflikt könnten den Dollar ebenfalls schwächen während etwa die Staatsverschuldung und weitere politische Spannungen in Frankreich den Euro belasten könnten.

 

Quelle: Oberbank Prognose

 

Trumps Zuspruch in der US-Bevölkerung hat u. a. durch die Handelskonflikte, den Krieg gegen den Iran und die hartnäckige Inflation der letzten Monate gelitten. Eine Veränderung der politischen Machtverhältnisse im Kongress durch die Midterm Elections zugunsten der Demokraten könnte Unsicherheiten reduzieren und den Dollar stützen. Wir erwarten zwar weiterhin eine moderate Dollar Schwäche im Verlauf der nächsten Monate - die Volatilität dürfte aber beim EUR/USD Kurs aufgrund zahlreicher Unsicherheitsfaktoren sowohl auf europäischer als auch auf amerikanischer Seite weiterhin hoch bleiben.

 

 

Tschechien

 

Tschechien

Stabile Inflation und starke Währung

Während sich die Inflation seit Sommer 2025 mit kleinen Ausreißern auf einem stabilen Niveau bewegt hat und im Februar zuletzt deutlich auf 1,4 % gesunken ist, macht die schwache Auslandsnachfrage der tschechischen Industrie weiterhin schwer zu schaffen.

 

Die Zollkonflikte mit den USA haben die tschechische Wirtschaft hart getroffen. Tschechien gilt als Exportnation schlechthin und der Großteil der hergestellten Produkte (85 %) landet in Europa. Eines der Zugpferde der tschechischen Wirtschaft, nämlich die Automobilindustrie, die mehr als ⅓ vom Industrie BIP ausmacht, bereitet große Sorgen. Die Auslandsnachfrage dürfte wohl weiterhin verhalten ausfallen und da Tschechien als Zulieferer- bzw. Produktionsland deutscher Automobilkonzerne gilt, wird auch die dortige Industrie darunter leiden. Die tschechische Wirtschaft dürfte im Jahr 2026 um 2,45 % wachsen - gestützt in erster Linie vom Konsum privater Haushalte.

 

Quelle: Oberbank Prognose

 

Die Inflation bewegt sich im Großen und Ganzen zwar auf einem niedrigen und stabilen Niveau – ein erhöhter Preisdruck durch die Konflikte im Iran, wodurch die Erdölpreise in die Höhe geschossen sind, sollte die tschechische Nationalbank dennoch weiterhin in ihrer restriktiven Geldpolitik bestätigen. Deshalb erwarten wir in diesem Jahr keine Zinssenkung von der tschechischen Nationalbank.

 

Quelle: Oberbank Prognose

 

Ein stabiles und hohes Zinsniveau dürfte tendenziell der Währung zugutekommen. Somit rechnen wir mit einer festen Krone und bis Ende des Jahres mit EUR/CZK Kursen knapp unter 24,000.

 

 

Ungarn

 

Ungarn

Richtungsweisende Parlamentswahlen im April

Ungarn gilt ebenso wie Tschechien als „verlängerte Werkbank“ Europas und als Zulieferer deutscher Automobilkonzerne. Trumps Zölle haben im vergangenen Jahr großen Schaden angerichtet und die Auslandsnachfrage dürfte weiterhin bescheiden ausfallen. Als Konjunkturstütze sollte hingegen der private Konsum fungieren, der von der niedrigen Inflation profitiert.

 

Hingegen steht Ungarns Beziehung zur EU erneut auf dem Prüfstand. Wiederholte Verstöße gegen die Rechtsstaatlichkeit führten zum Verlust des Anspruchs auf EU-Mittel in Höhe von mehr als einer Milliarde Euro, welche zur Förderung strukturschwacher Regionen vorgesehen waren. Eine EU-freundlichere Regierung nach den Parlamentswahlen im April und Reformen bei der Korruptionsbekämpfung könnten politische Spannungen mit der EU reduzieren und den Forint entlasten. Der pro-europäische Oppositionspolitiker Péter Magyar gilt als ernstzunehmender Herausforderer Viktor Orbans. Ein klarer Wahlausgang, politische Stabilität mit einer wirtschaftspolitisch berechenbaren Regierung sowie eine transparente und stabile Geldpolitik der Nationalbank (MNB) könnten neben stabilen Leitzinsen mittelfristig als Stütze für den Forint fungieren.

 

Quelle: Oberbank Prognose

 

Währenddessen ist die Inflation erneut deutlich gesunken und hat im Februar mit 1,4 % den niedrigsten Stand seit acht Jahren erreicht. Preisdeckel auf Grundnahrungsmittel, Haushaltsartikel und auf Treibstoffe dürften zumindest kurzfristig inflationsdämpfend wirken. Aufgrund des globalen Energiepreisschocks und der hohen Abhängigkeit Ungarn von Energieimporten dürfte die MNB in den nächsten Monaten wohl keine Leitzinssenkung vornehmen und den Leitzins auf 6 % halten.

 

Quelle: Oberbank Prognose

 

Das hohe und stabile Zinsniveau dürfte dem Forint zugutekommen – somit erwarten wir EUR/HUF Kurse in einer Bandbreite zwischen 380 und 370 bis März 2027.

 

Der Artikel wurde am 26.03.2026 aktualisiert.

Autor: Fatih Topkaya

 

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Mag. Fatih Topkaya

Fotoquelle: Wakolbinger
 

Autor:

Mag. Fatih Topkaya

Treasury und Handel, Oberbank AG