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Euroraum USA Tschechien Ungarn
Konjunkturdaten
Eskalationen im anhaltenden Nahostkonflikt führten zur weitläufigen Zerstörung der Energieinfrastruktur im Iran, in einigen Nachbarstaaten sowie der Einschränkung des Schiffsverkehrs durch die Straße von Hormus. Fossile Energiepreise sind in die Höhe geschossen und Engpässe in der Öl- und Gasversorgung stellen eine beachtliche Belastung für die Weltwirtschaft dar. In der Folge hat der Inflationsdruck in allen westlichen Industrienationen spürbar zugenommen. China gilt als verlängerte Werkbank Europas und als Großabnehmer von iranischem Öl könnten Engpässe in der Energieversorgung mittel- bis langfristig auch die Inflation in Europa zusätzlich anheizen. Zwar gibt es erste Annäherungen zwischen den USA und dem Iran - ein nachhaltiges Ende der Auseinandersetzungen scheint kurzfristig noch nicht in Sichtweite. Die hohe Unsicherheit dürfte aufgrund der politischen Situation in den USA sowie der internationalen Unruheherde in den Folgemonaten bestehen bleiben. Das Risiko einer Stagflation in Europa wächst.
Quelle: Bloomberg Weighted Average 21. Mai 2026; e = estimated/geschätzt
Nachdem Trumps Zölle auch in Ungarns und Tschechiens Wirtschaft ihre Spuren hinterlassen haben, ist eine moderate Erholung des Wachstums bereits in Sichtweite. Hauptgrund: Sinkende Sparquoten und eine hohe Konsumfreude privater Haushalte. Währenddessen zeigt sich die Inflationsrate in Ungarn und in Tschechien trotz eines leichten Anstiegs zuletzt weiter auf einem verhältnismäßig niedrigen Niveau. Die hohe Abhängigkeit Tschechiens und Ungarns von Energieimporten könnte den Inflationsdruck in diesen Staaten mittelfristig weiter erhöhen. Wir erwarten von beiden Nationalbanken weiterhin eine vorsichtige Vorgehensweise und rechnen allenfalls in Ungarn mit kleinen Zinssenkungsschritten, während Tschechien das Zinsniveau stabil halten dürfte.

Quelle: Bloomberg Weighted Average 21.Mai 2026; e = estimated/geschätzt
Diese Prognose ist kein verlässlicher Indikator für die künftige Wertentwicklung.

Euroraum
Zinserhöhungen in Sicht?
Für 2026 wird im Euroraum eine verhalten positive wirtschaftliche Entwicklung erwartet. Nach schwachem Wachstum in den Vorjahren dürfte sich die Konjunktur allenfalls moderat erholen, getragen von einer stabilen Binnennachfrage, steigenden Reallöhnen und allmählich wieder anziehenden Investitionen. Wir erwarten ein verhaltenes Wirtschaftswachstum von 0,8 %, welches durch den anhaltenden Krieg in Nahost ausgebremst werden dürfte.
Aufgrund der hohen Erdölpreise durch den Krieg im Iran wird jedoch die Gefahr einer Stagflation - also einer steigenden bzw. hohen Inflation gepaart mit einer schwachen Wirtschaft immer größer. Die schwächelnde Industrie in Zentraleuropa wird das Wirtschaftswachstum wohl auch 2026 weiterhin einschränken. Trumps Zölle haben in den letzten Monaten großen Schaden angerichtet und eine Erholung dürfte noch einige Zeit in Anspruch nehmen. Der massive Stellenabbau in der deutschen Automobilindustrie bereitet auch den Zulieferern aus Österreich, Ungarn und Tschechien große Sorgen. Krisenherde wie der Krieg zwischen Russland und der Ukraine sowie die hohe Staatsverschuldung in Frankreich, welches nach Deutschland als zweitgrößte Volkswirtschaft Europas gilt, sollten ebenfalls weiterhin im Auge behalten werden.
*Mit Leitzins ist der Hauptrefinanzierungssatz der EZB und nicht der Einlagesatz gemeint. Der Spread beträgt seit September 2024 0,15 statt 0,50 %.
Quelle: Oberbank Prognose
Aufgrund geopolitischer Risikofaktoren erwarten wir in diesem Jahr eine hartnäckige Inflation um 2,85 %. Die Nachwirkungen des Krieges im Iran dürften sich erst im Laufe der nächsten Monate in der Teuerungsrate allmählich bemerkbar machen. Somit dürfte die EZB ihre vorsichtige Zinspolitik fortsetzen und könnte dieses Jahr moderate Erhöhungen um je 0,25 % im zweiten und dritten Quartal verkünden.

USA
Hohe Volatilität beim EUR/USD Kurs
Trotz erhöhter Spannungen durch Handelskonflikte und geopolitische Unsicherheiten dürfte die US-Wirtschaft im Jahr 2026 mit 2,15 % ein deutlich besseres Wachstum als Europa und der Euroraum erreichen. Der US-Arbeitsmarkt zeigte sich trotz Trumps chaotischer Wirtschaftspolitik zwar grundsätzlich resilient, sendete aber in den letzten Monaten auch immer wieder gemischte Signale: Während die Arbeitslosenquote im November 2025 mit 4,6 % und fast 8 Mio. Arbeitslosen den höchsten Stand seit über 4 Jahren erreichte, liegt die Rate im April dieses Jahres etwas tiefer bei 4,3 %. Der Arbeitskräftemangel im Gesundheitswesen bereitet große Sorgen. Zudem machen sich Inflationsängste gepaart mit deutlich schwächeren Wachstumsprognosen als noch zu Jahresbeginn auch hierzulande breit.
*oberer Rand des Zielbandes
**10Y USD gegen SOFR
Quelle: Oberbank Prognose
Im Hinblick auf die Midterm Elections im Herbst dürfte Präsident Trump Interesse an einem baldigen Ende des Iran Krieges haben. Dies würde Zinssenkungen in den USA wahrscheinlicher machen, wodurch der Dollar eine Stütze verlieren und letztlich gegen den Euro einbüßen könnte. Ob sich der neue Fed Chef Kevin Warsch angesichts zunehmender Inflationsrisiken tatsächlich Trumps Wünschen fügt, ist in der aktuell angespannten Lage mit dem Iran äußerst fraglich. Eine politische Einflussnahme auf die Entscheidungen der US-Notenbank könnte zu einem massiven Vertrauensverlust an den Märkten führen und den Dollar belasten. Auf der europäischen Seite könnten z.B. die Staatsverschuldung und weitere politische Spannungen in Frankreich den Euro unter Druck setzen.
Quelle: Oberbank Prognose
Trumps Zuspruch in der US-Bevölkerung hat u. a. durch die Handelskonflikte, den Krieg gegen den Iran und die hartnäckige Inflation der letzten Monate gelitten. Eine Veränderung der politischen Machtverhältnisse im Kongress durch die Midterm Elections zugunsten der Demokraten könnte Unsicherheiten reduzieren und den Dollar stützen. Wir erwarten zwar weiterhin eine moderate Dollar Schwäche im Verlauf der nächsten Monate - die Volatilität dürfte aber beim EUR/USD Kurs aufgrund zahlreicher Unsicherheitsfaktoren sowohl auf europäischer als auch auf amerikanischer Seite weiterhin hoch bleiben.

Tschechien
Kommt die Inflation wieder zurück?
Während sich die Inflation zu Beginn des Jahres auf einem stabilen Niveau gefestigt hatte, schlagen sich die Auswirkungen des Energiepreisschocks durch den Krieg im Nahen Osten auch hierzulande in der Teuerung nieder.
Die Zollkonflikte mit den USA haben die tschechische Wirtschaft hart getroffen. Tschechien gilt als Exportnation schlechthin und der Großteil der hergestellten Produkte (85 %) landet in Europa. Eines der Zugpferde der tschechischen Wirtschaft, nämlich die Automobilindustrie, die mehr als ⅓ vom Industrie BIP ausmacht, bereitet große Sorgen. Die Auslandsnachfrage dürfte wohl weiterhin verhalten ausfallen und da Tschechien als Zulieferer- bzw. Produktionsland deutscher Automobilkonzerne gilt, wird auch die dortige Industrie darunter leiden. Die tschechische Wirtschaft dürfte im Jahr 2026 um 2,30 % wachsen - gestützt in erster Linie vom Konsum privater Haushalte.
Quelle: Oberbank Prognose
Der erhöhte globale Preisdruck durch den Krieg im Iran, wodurch die Erdölpreise in die Höhe geschossen sind, sollte die tschechische Nationalbank weiterhin in ihrer restriktiven Geldpolitik bestätigen. Aufgrund dieser Risiken erwarten wir in diesem Jahr keine Zinssenkung von der tschechischen Nationalbank.
Quelle: Oberbank Prognose
Ein stabiles und hohes Zinsniveau dürfte tendenziell der Währung zugutekommen. Somit rechnen wir mit einer festen Krone und bis Ende des Jahres mit EUR/CZK Kursen knapp unter 24,000.

Ungarn
Nachhaltige Forint Stärke?
Wiederholte Verstöße gegen die Rechtsstaatlichkeit führten unter Viktor Orban zum Verlust des Anspruchs auf EU-Mittel in Höhe von mehr als einer Milliarde Euro. Nun ist Peter Magyar seit 9. Mai neue Ministerpräsident von Ungarn. Hoffnungen auf eine Stärkung der Rechtsstaatlichkeit machen sich breit. Der Forint hat bereits positiv reagiert.
Quelle: Oberbank Prognose
Auch Ungarn ist von der globalen Energiekrise nicht verschont geblieben und die Teuerung hat zugelegt. Die ungarische Inflation ist von 1,8 % im März auf 2,1 % im April u.a. aufgrund der hohen Abhängigkeit von Energieimporten angestiegen. Der starke Forint sowie der hohe positive Realzins bieten der Nationalbank (MNB) aber genug Raum für Zinssenkungen bis zum Niveau 5,75 % in diesem Jahr. Niedrigere Zinsen könnten die angeschlagene ungarische Industrie, die als „verlängerte Werkbank“ Europas und als Zulieferer deutscher Automobilkonzerne gilt, etwas entlasten. Darüber hinaus sollten Margenbeschränkungen im Handel zur Vermeidung exzessiver Gewinnmargen zumindest kurzfristig inflationsdämpfend wirken.
Quelle: Oberbank Prognose
Der Forint geriet während Viktor Orbans Amtszeit unter Druck und erreichte heuer im Jänner gegenüber dem Euro Höchststände jenseits der 415er Marke. Eine EU-freundlichere Regierung und Reformen bei der Korruptionsbekämpfung könnten politische Spannungen mit der EU reduzieren und den Forint weiter stützen. Politische Stabilität mit einer wirtschaftspolitisch berechenbaren Regierung sowie eine transparente und stabile Geldpolitik der Nationalbank (MNB) könnten mittelfristig als Stütze für den Forint fungieren. Zinssenkungen könnten hingegen die Währung belasten. Wir erwarten in den nächsten zwölf Monaten EUR/HUF Kurse in einer Bandbreite zwischen 365,00 und 375,00.
Der Artikel wurde am 26.05.2026 aktualisiert.
Autor: Fatih Topkaya
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Fotoquelle: Wakolbinger
Autor:
Mag. Fatih Topkaya
Treasury und Handel, Oberbank AG
