"Jetzt Unternehmen"-Interview mit Reinhard Honeder

Der Eigentümer der Honeder Naturbackstube spricht über sein Unternehmen und die Bäckerei-Branche:

 

  1. Wie geht es Ihnen aktuell?
    Ich bzw. wir sind gesund und haben gute Perspektiven – das heißt es geht mir gut.
     
  2. Wie läuft Ihr Betrieb derzeit?
    Wir sind immer noch mit ca 15% hinter Plan, aber die gesetzten Maßnahmen haben alle gewirkt und wir sind auch für die kommenden Monate sehr zuversichtlich.
     
  3. Wie viele MitarbeiterInnen beschäftigen Sie?
    250 MitarbeiterInnen
     
  4. Wie definieren Sie Ihre „Naturbackstube“?
    Für unsere Kunden backen wir das beste Brot und die feinsten Backwaren & beschenken sie mit einem extra Lächeln. Für die Zutaten und Rohstoffe gilt: weniger ist mehr und regional ist besser als überregional.
     
  5. Im Handel sind Backmischungen teils dauerhaft ausverkauft. Wie hat sich die Nachfrage bei Ihnen entwickelt?
    Die Brot und Backwarenumsätze sind sehr stabil, aber auch nicht großartig gestiegen. Kaffee- und Gastro-Umsätze fehlen natürlich immer noch.
     
  6. Sehen Sie sich als Krisen-Gewinner? Das Thema Brot hat in den heimischen Haushalten ja massiv an Bedeutung gewonnen.
    Leider sind wir Verlierer, da die Snack- und Gastro-Umsätze teilweise komplett wegfielen und jetzt auch noch nicht auf Plan sind.
     
  7. Gab/Gibt es infolge der Krise einen „Trend“ zu bestimmten Produkten, die mehr nachgefragt wurden als sonst?
    In den ersten Wochen waren es ganz klar Großbrote. Aktuell gibt es keine „neuen“ Trends.
     
  8. Haben Sie spezielle Aktionen während der Krisen-Zeit ins Leben gerufen (zB  Lieferservice, Online-Shop, ...)? Wenn Ja, wie liefen diese Aktionen?
    Wir haben mit verschiedenen Partnern Lieferservices angeboten. Allesamt gut und wichtig für Teile der Bevölkerung und zur Sicherung der Nahversorgung, allerdings mit wenig wirtschaftlichem Erfolg.
     
  9. Sie betreiben derzeit bereits 21 Filialen in Oberösterreich. Gab es einen Zeitpunkt, an dem die Expansion quasi „von selbst gegangen“ ist?
    Von selbst geht nie etwas…
     
  10. Seit wann betreiben Sie Ihre eigene Firma?
    1993
     
  11. War es Berufung?
    Ich nenne es Begeisterung für meinen Beruf.
     
  12. Fühlen Sie sich in der Zwischenzeit mehr als Bäcker oder mehr als Unternehmer?
    Begeisterter Bäcker mit tollen und herausfordernden unternehmerischen Tätigkeiten.
     
  13. Die nächste Generation ist bei Ihnen bereits in den Betrieb integriert? Wie funktioniert das generationenübergreifende Leben im Unternehmen?
    Unser ältester Sohn „durchläuft“ verschiedene Stationen im Unternehmen. Seit einigen Jahren auch schon in Verantwortung für verschiedene Bereiche. Aktuell steht er vor dem Abschluss seines Wirtschaftsstudiums. Bis jetzt ist alles sehr harmonisch und ich freue mich immer, wenn ich ihn treffe oder wir uns austauschen.
     
  14. Wie kann man sich als Bäcker generell noch gegen die Backstuben-Konkurrenz des Lebensmittelhandels behaupten?
    Mit Qualität und Dienstleistung
     
  15. Welche Erfahrungen und Learnings haben Sie als Unternehmer vor oder auch während der Krise gemacht, die Sie unseren LeserInnen gerne mitgeben möchten?
    1. Alle vorher schon implantierten digitalen Kommunikationstools waren und sind „Goldes wert“
    2. Der Blick hat sich mehr auf die Gegenwart fokussiert (Anm.: Ich bin es gewohnt, mir Gedanken und Strategien für die Zukunft zu überlegen und umzusetzen)
    3. Wir haben einen internen Prozess gestartet, indem wir noch intensiver fragen WARUM wir erfolgreich sind/waren und noch erfolgreicher sein werden in Zukunft. 
     
  16. Was haben Sie in der Krise schneller umgesetzt als im normalen Geschäftsbetrieb?
    Dienstpläne und Sortimentsveränderungen
     
  17. Wie sieht Ihr Ausblick für Ihr Unternehmen in den nächsten Monaten aus? Was ist Ihre Einschätzung?
    Wir haben noch Ende März eine „Corona-Planung für 2020“ gemacht und wir freuen uns aktuell sehr, dass wir hier weit vorne liegen und sind zuversichtlich, viele positive „Nebeneffekte“ langfristig mit zu nehmen.
     
  18. Abschließend: Ihre Einschätzung, inwiefern sich das Kaufverhalten bzw. das Bewusstsein der Menschen im Umgang mit Lebensmitteln verändert hat bzw. verändern wird?
    Kurzzeitig wissen wir, was alles passiert ist (von Hamsterkäufen bis zum regionalen Einkauf bei Direktvermarktern). Langfristig wird (leider) vieles werden wie früher. Gegebenenfalls wird noch stärker auf Billig-Produkte zugegriffen. Aber der Markt für Premium-Qualität ist absolut vorhanden und wird auch wachsen.

 

Dieser Artikel wurde am 9. Juni 2020 erstellt.

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Fotoquelle: Bäckerei Honeder

 

Reinhard Honeder

Eigentümer der
Honeder Naturbacktube