Unternehmensübernahmen ohne Konflikte planen

So klappt die Nachfolge bei Familienbetrieben

Zwei Drittel der Unternehmensübergaben erfolgen innerhalb der eigenen Familie (Quelle: WKÖ). Auch wenn das Unternehmen in der Familie bleibt, muss die Übergabe richtig durchgeführt werden. Offene Gespräche und gründliche Information sind dabei besonders wichtig. Wie die Nachfolge ohne Konflikte gelingt sowie weitere wichtige Fragen & Antworten rechtlicher und finanzieller Natur erfahren Sie hier.

 

Checkliste vor der Unternehmensübergabe innerhalb der Familie

Von klein auf hat man die Vorgänge des Unternehmens beobachtet und aufgesogen. Innerhalb der Familie ist klar, wer die Firma, die finanziell sehr gut dasteht, übernehmen soll, alle sind damit einverstanden. Und die Belegschaft, die man schon seit Kindesbeinen kennt, nimmt die neue Chefin/den neuen Chef herzlich auf.

 

Das ist wahrscheinlich das Traumszenario bei der Übernahme eines Familienunternehmens. In der Realität zeigt sich leider, dass viele Hürden auf JungunternehmerInnen warten. Das trifft zwar bei jeder Form der Übernahme zu, doch innerhalb der Familie gibt es zudem einige emotionale Hindernisse. Das Gute: Wer diese kennt, kann sie frühzeitig aus dem Weg räumen, um erfolgreich in die Fußstapfen der vorherigen Generation zu treten. Also: Wie kann die Übernahme gelingen?

 

 

1. Die Nachfolge nicht aus Pflichtbewusstsein antreten

Die wichtigste Frage ist jene nach dem Motiv: Haben Sie das Gefühl, dass diese von Ihnen verlangt wird und geben Sie dem aus Zwang oder Pflichtbewusstsein nach? Oder ist es Ihr aufrichtiger Wunsch, das Unternehmen Ihrer Familie zu leiten, weil Sie in der betreffenden Branche Ihre berufliche Zukunft und Erfüllung sehen?
Ein Familienunternehmen übernimmt man nicht „einfach so“. Meist steckt sehr viel Arbeit dahinter, es kann zu Konflikten innerhalb der Familie kommen und einen Weg zurück gibt es nach der Entscheidung dafür oft nicht mehr. Überlegen Sie sich also gut, ob Sie den Weg aus freien Stücken einschlagen oder andere Gründe dahinterstecken.


2. Familienkonflikte frühzeitig schlichten

Gerade in Familienunternehmen ist die Übernahme eine sehr emotionale Angelegenheit. Wenn Sie unter mehreren Geschwistern als Nachfolger oder Nachfolgerin des Unternehmens fungieren wollen, dann sind Transparenz und Kommunikation wichtig. Beziehen Sie Ihre Geschwister schon frühzeitig in die Planung ein, um mögliche Auseinandersetzungen, Neid und Zwietracht zu vermeiden. Für den Fall, dass es dennoch zu Konflikten kommt – etwa weil auch andere Geschwister den Betrieb übernehmen wollen –, ist es definitiv ratsam, eine/n neutrale/n Berater/in an Bord zu holen. Das ist auch aus rechtlicher Sicht – Stichwort Pflichtteil – fast unumgänglich.

 

3. Finanzen und Unternehmenswert analysieren

Wer bei der Unternehmensübernahme nach dem Motto „Über Geld spricht man nicht“ handelt, begeht einen schwerwiegenden Fehler. Denn den Unternehmenswert genau zu analysieren, ist in vielerlei Hinsicht wichtig. Zum einen geht es natürlich um die Frage, ob man sich die Firma als NachfolgerIn überhaupt leisten kann (sofern die Nachfolge nicht im Rahmen einer vorweggenommenen Erbfolge stattfindet). Zum anderen kann es sein, dass man am Unternehmen beteiligte Geschwister auszahlen und für die Altersvorsorge des Senior-Chefs/der Senior-Chefin aufkommen muss. Letztlich hilft die Bestimmung des Unternehmenswertes auch dabei, den Status quo der Firma zu ermitteln und ihre Schwachstellen zu identifizieren.

 

4. Die Übernahme langsam durchziehen

Innerhalb einer Familie eine funktionierende Nachfolgeregelung aufzustellen, braucht viel Zeit und sorgfältige Planung. Den Prozess erst in Gang zu setzen, sobald die Senior-Führung aussteigen möchte, ist zu spät und auch in Hinblick auf gesundheitsbedingte Ausfälle zu risikoreich.


Je nach Branche raten ExpertInnen dazu, für die Übernahme fünf bis zehn Jahre Vorlaufzeit einzuplanen. In dieser Zeit können NachfolgerIn detailliert eingelernt werden sowie Schritt für Schritt mehr Verantwortung übernehmen. Die/der Senior-ChefIn haben ausreichend Zeit, das Unternehmen „loszulassen“, und die Belegschaft gewöhnt sich nach und nach an die neue Führungsperson.

 

5. Rollen im Übergang klar definieren

Während der – idealerweise langen – Zeit der Übernahme ist es wichtig, die Rollen zwischen Senior- und Junior-Chef oder -Chefin klar festzulegen. Die MitarbeiterInnen müssen stets wissen, wer aktuell für welches Aufgabengebiet zuständig ist und an wen sie sich mit ihren Anliegen wenden können. Besonders, wenn die Belegschaft diese bereits von Kind auf kennt, ist dieser Punkt wichtig. Ansonsten kann es passieren, dass man nicht ernst genommen wird. Idealerweise werden die MitarbeiterInnen aktiv in den Nachfolgeprozess eingebunden und vom Senior und Junior immer gemeinsam am Laufenden gehalten. So wird auch deutlich, dass der/die Übergebende und der/die Übernehmende an einem Strang ziehen.

 

6. Den Ausstieg genau festlegen

Wird der Zeitpunkt des Ausstiegs nicht klar definiert, kann es sein, dass dieser immer wieder hinausgezögert wird. Das ist nur verständlich, schließlich handelt es sich meist um das eigene Lebenswerk, das man hinter sich lassen soll. Dennoch ist es wichtig, einen fixen Termin anzuvisieren, an welchem der/dem NachfolgerIn das Zepter übergeben wird. Am besten wird das im offiziellen Rahmen, wie etwa einem Fest, gemacht. So ist für die Belegschaft klar, dass die Ära des Senior-Chefs oder der Senior-Chefin zu Ende ist und ein neues Kapitel der Firma beginnt.


In welcher Form kann die Übergabe erfolgen?

Es gibt mehrere Formen der Übergabe. Die "richtige" Form muss für jedes einzelne Unternehmen individuell erarbeitet werden. Zahlreiche innerbetriebliche sowie persönliche Faktoren müssen dabei berücksichtigt werden.

 

  • Familienbetriebe werden innerhalb der Familie meist in Form einer Schenkung übergeben.
  • Die gebräuchlichste Form der Übergabe außerhalb der Familie ist der Verkauf.
  • Bei der Pacht hat der Pächter/die Pächterin das Recht, für einen vertraglich festgesetzten Zeitraum das Unternehmen des Verpächters/der Verpächterin zu nutzen, und zahlt dafür einen Pachtzins.


Wann ist der optimale Zeitpunkt?

Für die Übergabe eines Unternehmens kommen viele Zeitpunkte oder Stichtage in Betracht.

 

  • rechtliche Aspekte
    Pensionsantrittsvoraussetzung
    Steuerbelastung
  • persönliche Motive (NachfolgerIn ist bereits eingearbeitet)
  • wirtschaftliche Überlegungen
    Bilanzstichtag
    saisonale Umsatzschwankungen


Im Regelfall wird das Unternehmen sofort übergeben (mit einem fixen Stichtag). In manchen Fällen will die/der ÜbergeberIn jedoch weiterhin mitbeteiligt sein, um eine gewisse Kontrolle ausüben zu können. In diesem Fall müssen alle damit verbundenen Konsequenzen aus steuer- und sozialversicherungsrechtlicher Sicht beachtet werden.


Welche Steuern fallen an?

Für die/den veräußernde/n UnternehmerIn kann die Betriebsübergabe erhebliche Einkommensteuer-Belastungen nach Sich ziehen. Im Jahr der Betriebsveräußerung muss die/der UnternehmerIn nämlich

 

  • seinen/ihren Jahresgewinn und
  • seinen/ihren Veräußerungsgewinn


der Einkommensteuer unterwerfen. Damit die Steuerlast im Jahr der Betriebsaufgabe nicht zu erdrückend wird, gibt es jedoch Steuerbegünstigungen.


Welches Pensionsrecht kommt zur Anwendung?

Durch die in den vergangenen Jahren laufend erfolgten Pensionsreformen ist es immer schwieriger, den Überblick über die aktuelle Rechtslage zu bewahren. Der im Einzelfall "günstigste" Zeitpunkt sowie die optimale Form des Pensionsantritts (gleitend oder sofort) ist nur nach eingehender persönlicher Beratung herauszufinden.

 

Wer soll das Unternehmen erben?

Wer eine geordnete Unternehmensübernahme für den Fall seines Ablebens vorbereiten will, sollte vorbeugende Maßnahmen möglichst früh treffen. Klare Regelungen für den Ablebensfall gewährleisten ein Fortbestehen des Unternehmens nach den Vorstellungen des/der Erblassers/Erblasserin. Gerade bei mehreren ErbInnen und komplizierten Vermögensverhältnissen empfiehlt es sich, letztwillige Anordnungen rechtzeitig zu treffen.

 

Detaillierte Informationen finden Sie auch im „Leitfaden zur Betriebsnachfolge“ der WKÖ.

 

Verwendete Quellen u.a.:

WKO / Nachfolge

WKO / Allgemeines zur Betriebsübergabe

WirtschaftsWoche

 

Dieser Artikel wurde am 25.07.2021 erstellt.

Fotoquelle: Shutterstock

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