Kleines Energieeffizienzhaus-Lexikon

Vom Passiv- bis zum Plusenergiehaus

Die Themen Nachhaltigkeit, Umwelt- und Klimaschutz halten die Welt derzeit auf Trab und beschäftigen Wissenschaft, Politik und Wirtschaft gleichermaßen. Kein Wunder also, dass die Anliegen auch im Bauwesen angekommen sind. Immer mehr BauherrInnen und Planungsteams setzen bereits auf energiebewusstes Bauen, auf nachwachsende Rohstoffe und erneuerbare Energien. Energiesparhäuser stehen dabei hoch im Kurs. Bei den vielen Bauvarianten, Formen und Bezeichnungen kann man aber schon einmal den Überblick verlieren. Wir haben daher die wichtigsten Typen und Merkmale zusammengetragen und für Sie ein kleines Energieeffizienzhaus-Lexikon zusammengestellt.

 

Energiesparhaus

Das Wort „Energiesparhaus“ wird häufig als Synonym für alle Häuser mit einem geringen Energieverbrauch verwendet. Um als Energiesparhaus zu gelten, muss das Gebäude nach den österreichischen Energiestandards mindestens in der Energieausweis-Kategorie B angesiedelt sein (Nach technischer Bauvorschrift 2008 müssen neue Immobilien zumindest die Kategorie C erreichen; alte Häuser liegen meistens in den Kategorien D-G). Das Bauziel ist dabei, möglichst wenig Energie über die Gebäudehülle zu verlieren und gleichzeitig die notwendige Heizwärme, so gut es geht, selbst zu erzeugen. Um das zu erreichen, werden Häuser zum Beispiel nach Süden ausgerichtet und in einer kompakten Gebäudeform errichtet. Zudem setzt man auf eine moderne und effiziente Wärmedämmung sowie auf Photovoltaikanlagen (Zum Artikel "Photovoltaik") und andere alternative Energietechnologien.

 

Niedrigenergiehaus

Unter „Niedrigenergiehaus“ versteht man im Allgemeinen ebenfalls ein Gebäude, das weniger Energie benötigt, als es die gesetzliche Mindestanforderung vorsieht. Konkreter gesagt: Jedes Haus, das nur 30 bis 50 kWh bzw. vier bis sieben Liter Heizöl pro Quadratmeter und Jahr verbraucht, wird als Niedrigenergiehaus bezeichnet. Es befindet sich damit in der Energieausweiskategorie A oder B. Mittlerweile sind diese Haus- bzw. Energietypen Standard bei Neubauten und Fertigteilhäusern in Österreich. Zu unterscheiden ist das Niedrigenergiehaus darüber hinaus vom Niedrigstenergiehaus. Hier liegt der Heizwärmebedarf unter 25 kWh. Damit sind sie in der Kategorie A angesiedelt.

 

3-Liter-Haus

Wie der Name schon sagt, verbraucht das 3-Liter-Haus einen maximalen Energiegehalt von drei Litern Heizöl pro Quadratmeter und Jahr. Grund dafür sind eine effiziente Dämmung, eine kompakte Gebäudeform und eine ideale Ausrichtung. Im Gegensatz zu anderen Energieeffizienzhäusern wie dem Passivhaus setzt das 3-Liter-Haus aber nicht auf erneuerbare Energien, sondern heizt immer noch vollständig mit Heizöl.

 

Energie-Effizienz eines Hauses
 

 

Passivhaus

Das Passivhaus ist das Paradebeispiel für ein gelungenes Energieeffizienzhaus und steht laut Skala des Energieausweises ganz oben auf der Energiesparliste (A+ und A++). Dabei kommt es zur Gänze ohne klassische Heizung aus. Wärme wird ausschließlich über passive Quellen wie Sonne, Erdwärme oder die Abwärme von technischen Geräten bezogen. Voraussetzung dafür sind eine luftundurchlässige Dämmung sowie eine gute Lüftung, inklusive Wärmeaustausch, um die Wärme bestmöglich im Haus zu behalten.

 

Sonnenhaus

Das Sonnenkind unter den Energieeffizienzhäusern ist wohl das Sonnenhaus. Um als ein solches durchzugehen, müssen mindestens 50 Prozent (Ziel sind natürlich 100 Prozent) der Heiz- und Warmwasserenergie durch Sonnenkraft gewonnen werden. Solar- und Photovoltaikanlagen gehören deshalb wie nutzbringende Wärmerückgewinnungsanlagen zur Standardausstattung dieser Gebäude. Das Sonnenhaus kommt daher ohne gewöhnliche Heizung aus, für kalte Tage wird allerdings eine Notheizung eingebaut. Pro Jahr und Quadratmeter darf es jedoch den maximalen Energiegehalt von 1,5 Litern Heizöl nicht überschreiten.

 

Nullenergiehaus

Mit dem Nullenergiehaus ist man in der Königsklasse der Energieeffizienzhäuser angekommen. Als konsequente Weiterentwicklung des Passivhauses erzeugt es alle Energie, die benötigt wird, selbst. Das heißt, dass die externen Energiekosten gegen Null gehen. Eine ausgezeichnete Wärmedämmung, der Einsatz von alternativen Energien wie Photovoltaik oder Geothermie und modernste Technologien sind Voraussetzung zur Verwirklichung dieses Bauprojekts.

 

Es gibt bereits zahlreiche Pilotprojekte und Modelle, die zeigen, dass ein Nullenergiehaus keine Science-Fiction mehr ist, wie zum Beispiel das LichtAktiv Haus in Hamburg. Massentauglich ist das Nullenergiehaus u. a. aus Kostengründen aber noch nicht. Eine Herausforderung sind zum Beispiel leistbare und effiziente Speichertechnologien, die den Sommerüberschuss für den Winter bereitstellen sollen.  

 

Plusenergiehaus

Die Steigerung des Nullenergiehauses ist das Plusenergiehaus. Es soll im Laufe des Jahres sogar mehr Energie erzeugen, als es benötigt. Leuchtturmprojekt ist hier das Heliotrop® von Rolf Disch solarArchitektur. Es war das erste Haus der Welt, das mehr Energie produzierte, als in seinem Innern verbraucht wird. Auch in Wien gibt es bereits Gebäude im Plus-Energie-Standard wie das Technologiezentrum aspern IQ.

 

Energieeffizienzhäuser

 

 

Vor- und Nachteile von Energieeffizienzhäusern

Wie bei allen anderen Projekten auch, ist nicht alles Gold, was glänzt. Dennoch gibt es im Bereich der Energieeffizienzhäuser zahlreiche Vorteile. Weniger Kosten durch geringen Energieverbrauch sowie preisliche Unabhängigkeit vom Energiemarkt und eine fast autonome Energieversorgung stehen dabei ganz oben auf der Liste. Nachteilig sind hingegen die hohen Anschaffungs- und Baukosten sowie die erhöhte Aufwendung bei Isolierung und zusätzliche Technik.

 

Die Trends sagen jedoch ganz klar: Energieeffizienzhäuser und vor allem Null- und Plusenergiehäuser sind die Zukunft des nachhaltigen Bauens. 


Weiterführende Quellen:

www.energy-innovation-austria.at

www.oib.or.at/de/oib-richtlinien

www.immobilienscout24.at/wohnen/niedrigenergiehaeuser.html

www.klimaaktiv.at/

 

Fotoquelle: iStock

Dieser Artikel wurde am 10. September 2019 verfasst.

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