Veranlagung sollte immer langfristig orientiert sein

Investieren wie ein CFO, Teil 1

Andrea Herrmann, Finanzvorständin der Wiener Börse AG über die An- und Herausforderungen ihrer Position, was aus ihrer Sicht die optimale Geldanlagestrategie ist und die Tipps, die sie Unternehmen gibt.

 

Inwiefern haben Ihre Ausbildung und Ihre Berufserfahrung Sie auf diesen Job vorbereitet?

Meine berufliche Laufbahn wie auch meine Ausbildung waren von großer Internationalität geprägt. Sehr wertvoll war auch das Global Executive MBA-Programm an der University of Minnesota, USA und der Wirtschaftsuniversität Wien, das mich über drei Kontinente – Asien, Amerika und Europa - geführt hat. Es war eine einzigartige Kombination aus Erfahrung und multikulturellem Management. Das erlangte Know-How kann ich bei einem international vernetzten und agierenden Unternehmen wie der Wiener Börse AG ideal einbringen.

 

Welche Eigenschaften, welche Kenntnisse sind dafür besonders gefragt? Was muss eine gute CFO können?

Eine gewisse Affinität und Begeisterung für Zahlen sind natürlich hilfreich bzw. Voraussetzung. Meine langjährige Tätigkeit in kaufmännischen Funktionen in Banken und IT-Betrieb waren eine gute Grundlage für diese Rolle. Bei der Regulatorik hat sich viel verändert, hier heißt es immer Schritt zu halten. Abseits des fachspezifischen Wissens benötigt man Soft Skills in der Führung. Es gilt die Menschen zu motivieren und bei der Weiterentwicklung zu unterstützen. Das erfordert, Mitarbeitende ganzheitlich zu sehen – mit unterschiedlichen Hintergründen, Ideen und Handlungsweisen.

 

Das wirtschaftliche Umfeld ist – aufgrund diverser Krisen – aktuell nicht das einfachste. Unternehmen, die in dieser schwierigen Situation erfolgreich sind, brauchen ein gutes Leadership. Wie können sich Unternehmen auf plötzliche Krisen besser vorbereiten und reagieren?

Aus meiner Sicht ist es für ein Unternehmen wichtig, dass klare Prozesse, Verantwortungen und Strukturen definiert sind und alle an einem Strang ziehen. Orientierung an Kund:innen und Wettbewerbsumfeld einerseits und die Umsetzung aller erforderlichen Regularien andererseits – das ist die Balance, um die sich das Management stetig kümmern muss. Interne Feedbackschleifen, vom Team zur Führungskraft und umgekehrt, sind dabei essenziell.

 

CFO zu sein, bedeutet, sich auch mit anderen Themen als „Wirtschafts-Themen“ auseinanderzusetzen. Stichworte sind hier: die Digitalisierung, New Work-Themen (neue Arbeitszeitmodelle, Home-Office, etc.) oder auch das Berichtswesen zum Thema ESG. Wie halten Sie hier persönlich Schritt?

Ich bin eine Befürworterin des flexiblen Arbeitens und begrüße daher, dass sich etwa ortsunabhängiges Arbeiten durch die Pandemie in der Arbeitswelt standardisiert hat. Die Wiener Börse war aber bereits zuvor ein hochdigitalisiertes Unternehmen. Meine Führungserfahrung hat mich gelehrt, dass ein Fokus auf den Output am besten funktioniert. Kolleg:innen sollen so weit wie möglich eigenverantwortlich über die Arbeitszeit bzw. Arbeitseinteilung bestimmen können, sofern ihre Aufgaben fristgerecht erledigt werden. Das ist eine Win-Win-Situation für Arbeitnehmer:in und Arbeitgeber:in.

 

Wie sieht aus Ihrer Sicht die optimale Geldanlage für Private aus? Haben Sie für sich eine Anlagestrategie gefunden?

Veranlagung sollte immer langfristig orientiert sein und „step by step“ erfolgen. Die Diversifikation des Portfolios ist ebenfalls ein wichtiger Punkt: Das Vermögen in unterschiedliche Anlagen zu streuen gleicht Marktschwankungen aus. Grundlage ist jedenfalls nur in Produkte zu investieren, die man auch versteht, und in weiterer Folge informiert zu bleiben.

 

Welche Rolle spielt dabei für Sie Ihre Bank?

Meine Bank bietet mir als Vermittler den Zugang zu unterschiedlichen Anlageklassen und Finanzierungsoptionen. Die Wertpapierspezialist:innen sind bei der Veranlagungsentscheidung wichtige Ansprechpartner:innen. Gerade für die jüngere Generation ist es entscheidend, sich rechtzeitig mit den eigenen Finanzen auseinanderzusetzen und aktiv vorzusorgen.

 

Was ist Ihnen für die Zeit nach der Erwerbstätigkeit (Pensionslücke) und evtl. für Ihre Lieben als Vorsorge (geregelte Vermögensübergabe, Finanzwissen der Jungen) wichtig?

Wirtschaftliches Basiswissen ist Voraussetzung für eine selbstbestimmte finanzielle Zukunft. Die Wiener Börse versucht mit ihrem breiten Finanzbildungsangebot – von den Unterrichtsmaterialien bis hin zu Lehrgängen für den Börsenhandel – bereits seit langer Zeit einen Beitrag in diesem essenziellen Bereich zu leisten. Es geht hier auch politisch in die richtige Richtung, wie die Finanzbildungsstrategie des Bundesministeriums für Finanzen zeigt. Eine umfassende Aufklärung im Lehrplan wäre wichtig, damit dieses essenzielle Wissen auch gleichberechtigt allen Menschen zugänglich ist. Aber auch aus dem privatwirtschaftlichen Bereich gibt es hier sehr gute Initiativen, wie etwa von der Industriellenvereinigung oder diversen Banken. Das stimmt mich insgesamt zuversichtlich.

 

Welche Rolle spielen „nachhaltige Anlagen“?

Sie bieten die Möglichkeit, sich aktiv an der grünen Transformation der Wirtschaft zu beteiligen. Der Kapitalmarkt spielt hier eine wesentliche Rolle: Staaten mit weiter entwickelten Kapitalmärkten werden den größeren Hebel haben und schneller wie auch nachhaltiger sowie mit höheren Wachstumsraten in eine CO₂-freie Zukunft gehen. Auch große ATX-Unternehmen nehmen hier bereits eine Vorreiterrolle ein und werden von führenden Rating-Agenturen in punkto Nachhaltigkeit oft als „Best in Class“ genannt. Die Wiener Börse leistet unter anderem mit dem Vienna ESG Segment ihren Beitrag. Anlegerinnen und Anleger haben hier einen leichteren Zugang zu Finanzinstrumenten, welche die grüne Transformation der Kapitalmärkte fördern.

 

Welche Tipps können Sie Unternehmen in Sachen Liquidität und Geldanlage geben?

Es gibt kein Finanzierungsinstrument, das Unternehmen so viel Kapital, Sichtbarkeit und sinnvolle Ordnung bietet, wie ein Börsengang. Die Wiener Börse ist hier die beste Bühne für heimische Unternehmen und Chance auf einen Platz im Nationalindex ATX, höchste Liquidität im Größenvergleich und Zugang zu allen relevanten internationalen und heimischen Marktteilnehmer:innen.


Andrea Herrmann ist seit 1. Mai 2021 Finanzvorständin der Wiener Börse AG. Zuvor war sie vierzehn Jahre lang bei der Western Union International Bank GmbH und davon die letzten elf Jahre als CFO tätig. Weitere berufliche Stationen der gebürtigen Wienerin waren die GE Money Bank, Telekom Austria und ABB Austria.

 

Die Wiener Börse AG betreibt als zentrale Infrastrukturanbieterin die Börsenplätze Wien und Prag. Notierte Unternehmen profitieren dort von maximaler Liquidität, Anleger:innen bietet sie als Marktführerin schnellen und günstigen Handel. Die Wiener Börse sammelt und verteilt Kursdaten und berechnet die wichtigsten Indizes für ein Dutzend Märkte der Region. Dank ihres einzigartigen Know Hows vertrauen auch die Nationalbörsen in Budapest, Laibach und Zagreb auf die IT-Dienstleistungen der Wiener Börse. Darüber hinaus ist sie an weiteren Energiebörsen und Clearinghäusern der Region beteiligt.

 

MARKETINGMITTEILUNG: Die vorliegenden Informationen dienen lediglich der unverbindlichen Information von Kunden. Diese Marketingmitteilung stellt weder eine Anlageberatung noch eine Empfehlung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren dar. Sie berücksichtigt nicht die persönlichen Merkmale des Kunden und kann eine individuelle Beratung und Risikoaufklärung durch einen Berater nicht ersetzen.

 

Dieser Artikel wurde im September 2023 erstellt.

Fotoquelle: Wiener Börse/Daniel Hinterramskogler

 

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