Verpflichtender CSR Bericht für KMUs - neue EU-Richtlinie ab 2023

Für große börsennotierte Unternehmen ist sie schon Teil der verpflichtenden Berichterstattung der unternehmerischen Tätigkeit: die Offenlegung von Maßnahmen im Thema CSR (Corporate Social Responsibility) und Nachhaltigkeit. Nun weitet die EU die Berichtspflicht massiv aus: Schon für das Geschäftsjahr 2023 sollen nun auch börsennotierte KMUs verpflichtende Berichte zur Tätigkeit im Nachhaltigkeitsmanagement ablegen. Wer als UnternehmerIn in die nahe Zukunft blickt, sollte sich daher zügig dem Thema annehmen, denn wer säumig ist riskiert finanzielle Schlechterstellungen durch höhere Steuerbelastung, weniger attraktive Finanzierungsmöglichkeiten bis hin zu kundenseitigen Auswirkungen.

 

Welche Unternehmen sind betroffen?

Für wen die verpflichtende Nachhaltigkeitsberichterstattung* ab 1. Jänner 2024 (für das Geschäftsjahr 2023) gilt:

 

  • Unternehmen ab 250 MitarbeiterInnen (unabhängig von Ihrer Kapitalmarktorientierung – also nicht nur AGs sondern u.a. auch GmbHs)
  • einem Umsatz größer als 40 Mio. Euro und
  • einer Bilanzsumme größer 20 Mio. Euro

 

Achtung: Die Pflicht gilt bereits dann, sobald zwei aus den drei angeführten Kriterien erfüllt sind!

 

Die Auswirkungen: Die Zahl der verpflichteten Unternehmen in Österreich steigt ab 2023 von 90 auf rund 2.000 an. Und: Neben der Ausweitung des Geltungsbereichs müssen Unternehmen ihren Bericht unter anderem künftig auch extern prüfen lassen. Innerhalb der EU steigt die Anzahl der berichtspflichtigen Firmen damit von 11.000 auf 49.000.

 

Um welche Themen geht es?

Die Berichtspflicht umfasst ökologische, soziale und Governance-Aspekte (ESG). Die genauen Standards werden derzeit noch ausgearbeitet. Jedenfalls muss der Bericht konkrete Informationen zur Wertschöpfungskette enthalten.

 

 

Was passiert, wenn ich keine oder unvollständige Reports mache?

Die gesellschaftspolitische Verantwortung in den Themen CSR und Nachhaltigkeit steigt massiv; auch der politische Druck, durch neue Berichtspflichten, die EU-Taxonomie und auch das Lieferkettengesetz. Außerdem gehen Sie finanzielle Risiken ein, denn die CO2-Steuer hat bereits massive Auswirkungen und diese steigen weiter an. Darüber hinaus wird der Zugang zu günstigen, attraktiven Finanzierungen künftig schwieriger, wenn Sie Nachhaltigkeitsmanagement in Ihrem Unternehmen klein schreiben. Auch für InvestorInnen gewinnt das Thema weiter stark an Bedeutung.

 

Aus rechtlicher Sicht riskieren verpflichtete Unternehmen bei fehlender bzw. unvollständiger Berichterstattung eine behördliche Veröffentlichung des Verstoßes inkl. Abmahnung. Bei Wiederholung drohen Bußgelder und mögliche Klagen von KundInnen und InvestorInnen sowie ein entsprechender Image-Schaden bei Angabe von falschen Daten. Nicht zuletzt aber sollte Nachhaltigkeitsmanagement als strategischer Ansatz erkannt werden – z.B. durch das Erschließen neuer Geschäftsmöglichkeiten. Unabhängig von den in Aussicht gestellten gesetzlichen Verpflichtungen steigt damit der Druck auch auf nicht-berichtspflichtige Unternehmen an. Schon jetzt ein funktionierendes und transparentes Nachhaltigkeitsmanagement im Betrieb aufzubauen, ist daher sicher eine wichtige Investition in die nahe Zukunft.

 

Rechtliche Grundlagen der neuen Berichtspflicht?**

Als Basis für die Nachhaltigkeitsberichterstattung dient aktuell die Richtlinie über die Angaben nicht-finanzieller Informationen (NFRD). In Österreich ist die Richtlinie umgesetzt in § 243b Abs. 1 UGB. Die EU-Kommission hat eine Überarbeitung der NFRD in Form der zukünftig geltenden Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD) gestartet. Als Basis für die Offenlegung von spezifischen Leistungsindikatoren von Finanz- als auch von Nicht-Finanzunternehmen dient Art. 8 der EU-Taxonomie-Verordnung. Der Anwendungskreis der Taxonomie-VO erstreckt sich auf den gleichen Adressatenkreis wie die aktuelle NFRD.

 

Die EU-Taxonomie ist eine EU-Verordnung, die Vorgaben für nachhaltige Investitionen definiert. Ihr Ziel ist es, mehr Geld in nachhaltige Wirtschaftsaktivitäten zu lenken, um so die Ziele des Pariser Klimaschutzabkommens zu erreichen. Mit diesem Klassifizierungssystem für ökologisch nachhaltige Wirtschaftsaktivitäten wurde das Fundament für mehr Nachhaltigkeit in der Wirtschaft gelegt. In Art. 8 der Taxonomie-VO wird der allgemeine Rahmen zur nachhaltigkeitsbezogenen Offenlegungspflicht für die wichtigsten Leistungsindikatoren geregelt. Mit dieser neuen Reglung sind Unternehmen künftig angehalten offenzulegen, in welchem Ausmaß sie einen Beitrag zu den Umweltzielen der EU leisten.

 

Wie erfolgt die Beurteilung?

Bewertet wird bei Nicht-Finanzunternehmen anhand von drei Größen:

 

  • Umsatz (Anteil des Umsatzes in Verbindung mit ökologischen nachhaltigen Wirtschaftsaktivitäten)
  • CapEx (Anteil der Investitionen in Verbindung mit nachhaltigen Vermögenswerten oder Wirtschaftsaktivitäten)
  • OpEx (Anteil der Betriebsausgaben in Verbindung mit nachhaltigen Vermögenswerten oder Wirtschaftsaktivitäten)

 

Wie sieht der weitere Zeitplan aus?

Aufgrund der Pandemie werden die Anforderungen für KMUs 2026 wirksam, das heißt drei Jahre nach der Einführung der Berichtspflicht für Großunternehmen. Damit soll sichergestellt werden, dass man KMUs, die durch Covid-19 wirtschaftlich getroffen wurden, Zeit gibt sich zu erholen und darauf vorzubereiten.

 

Wenn Sie sich jetzt fragen, was Sie tun können, um sich rechtzeitig und gut für die neuen Berichtspflichten aufzustellen, dann lesen Sie hier unsere Tipps

 

Weiterführende Beratung für UnternehmerInnen bietet außerdem die Wirtschaftskammer Österreich – am besten wenden Sie sich hierfür direkt an Ihre Landeskammer und die jeweilige Sparte – oder auch entsprechende Wirtschaftsberatungskanzleien.

 

* Vorschlag der Kommission vom 21.4.2021 für eine Richtlinie des Europäischen Parlaments und des Rates zur Änderung der Richtlinie 2013/34/EU, 2004/109/EG und 2006/43/EG und der Verordnung (EU) Nr 537/2014 hinsichtlich der Nachhaltigkeitsberichterstattung von Unternehmen

 

** Richtlinie 2014/95/EU des Europäischen Parlaments und des Rates vom 22.10.2014 zur Änderung der Richtlinie 2013/34/EU im Hinblick auf die Angabe nichtfinanzieller und die Diversität betreffender Informationen durch bestimmte große Unternehmen und Gruppen.

Art. 8-Offenlegung: Delegierte Verordnung (EU) 2021/2178 der Kommission zur Ergänzung der Verordnung (EU) 2020/852 des Europäischen Parlaments und des Rates durch Festlegung des Inhalts und der Darstellung der Informationen, die von Unternehmen, die unter Artikel 19a oder Artikel 29a der Richtlinie 2013/34/EU fallen, in Bezug auf ökologisch nachhaltige Wirtschaftstätigkeiten offenzulegen sind, und durch Festlegung der Methode, anhand deren die Einhaltung dieser Offenlegungspflicht zu gewährleisten ist.

 

Verwendete Quellen u.a.:

Europäische Kommission / Richtlinienvorschlag zur Nachhaltigkeitsberichterstattung der Unternehmen

KPMG / Überarbeitung der EU-Richtlinie für Nachhaltigkeitsbericht

 

Dieser Artikel wurde am 17.02.2022 erstellt.

Fotoquelle: Shutterstock

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