Homeoffice-Boom in Österreichs Unternehmen hält an

Ein Fazit aus den bisherigen Erfahrungen

Die Krise hat unsere Arbeitsweise von einem Tag auf den anderen auf den Kopf gestellt. Büros wurden geräumt, die Arbeit in die individuellen „Home Offices“ verlegt. Studien belegen: Es gibt einen regelrechten Homeoffice-Boom und die Heimarbeit ist gekommen, um zu bleiben. Mit Spielregeln für alle Beteiligten.

 

Es benötigt meist viel Zeit und Energie, um neue Arbeitsweisen in Unternehmen zu integrieren. In der Krise war jedoch rasches Handeln gefragt: 82 % der Unternehmen haben innerhalb weniger Tage die technischen Voraussetzungen für nahezu flächendeckendes Arbeiten von zu Hause geschaffen. MitarbeiterInnen eigneten sich neue Tools wie MS Teams, Zoom oder Skype schnell und durchwegs gut an.

Knapp 85 % der Unternehmen verwenden jetzt mehr unterschiedliche Kommunikationstools als vor der Krise. Zu diesem Ergebnis kommt die im Juli veröffentlichte ‚Flexible Working Studie‘ von Deloitte, der Universität Wien und der Universität Graz.

 

Demnach hat sich auch das Grundverständnis darüber, ob Besprechungen tatsächlich physisch stattfinden müssen, verändert. 86 % der Unternehmen wägen nun kritisch ab, welche Meetings physisch oder virtuell abgehalten werden.

 

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Was Unternehmen über Home Office für die Zukunft lernen können

Freiheit braucht Spielregeln

Das ortsunabhängige Arbeiten bedeutet einen Gewinn an individueller Flexibilität und Freiheit. Damit Unternehmen weiterhin reibungslos funktionieren, braucht es aber einen gemeinsamen Verständnisrahmen. Welche Erreichbarkeit wird erwartet, wie werden Nicht-Verfügbarkeiten kommuniziert, für welche Tätigkeiten oder Jobs ist mobiles Arbeiten geeignet und für welche auch nicht, wann und warum ist Anwesenheit im Büro weiterhin wichtig? Jetzt ist die richtige Zeit, um diese Fragen zu stellen und sie Führungskräften wie MitarbeiterInnen zu beantworten.


Kein Zurück mehr

83 % der Unternehmen sind davon überzeugt, dass in Zukunft auch MitarbeiterInnen von zu Hause arbeiten werden, bei denen das früher aufgrund ihrer Funktion undenkbar gewesen wäre. „Was vor der Krise oft nur Einzelpersonen vorbehalten war, ist nun eine etablierte Arbeitsweise. Jetzt gilt es aus dem Krisenmodus zu lernen und mobiles Arbeiten nachhaltig zu verankern“, betont Barbara Kellner, Managerin bei Deloitte Österreich.


Stressfreier, produktiver, zufriedener

Für die meisten war der Umzug an den heimischen Schreibtisch zu Beginn der ein Sprung ins kalte Wasser. Neue Abläufe mussten her, ein neues Zeitmanagement, es gab neue Stör- und Ablenkungsfaktoren und sicherlich gab es auch die ein oder andere technische Schwierigkeit zu überwinden. Doch mittlerweile scheinen sich die meisten Arbeitnehmer mit den neuen Gegebenheiten ganz gut arrangiert zu haben. Die deutschen Forschungsinstitute IGES und Forsa hatten für eine DAK-Studie vor und während der Pandemie jeweils rund 7000 Beschäftigte befragt. Von denjenigen, die mittlerweile regelmäßig zu Hause arbeiten, sagten 56 Prozent, sie seien dort produktiver als im Büro.

 

Jeder zweite bewertet die Arbeit mit Laptop, Smartphone und Videokonferenzen als positiv. Arbeitnehmer, die während der Corona-Krise erstmalig regelmäßig im Homeoffice sitzen, zeigen eine hohe Arbeitszufriedenheit und berichten von guter Work-Life-Balance. Das tägliche Stresserleben geht um 29 Prozent zurück. Zwei Drittel erklärten außerdem, im Heimbüro könnten sie Beruf und Familie besser miteinander vereinbaren. Ähnlich viele freuen sich über den Zeitgewinn, seit das Pendeln zum Arbeitsplatz weggefallen ist.


Homeoffice beliebt – Desk-Sharing weniger

Auch eine im Auftrag des ÖGB im Juli von marketmind veröffentliche Umfrage kommt zu dem Ergebnis, dass sie Mehrheit (71 %) der ArbeitnehmerInnen im Homeoffice mit dieser Arbeitssituation zufrieden ist. Nach Geschlechtern differenziert sind das 77 Prozent der Frauen und 66 Prozent der Männer.
Allerdings ist das Teilen eines Arbeitsplatzes im Unternehmen (Desk-Sharing) unbeliebt. Mehr als ein Drittel jener, die bereits Homeoffice haben und damit zufrieden sind, würden es ablehnen, wenn damit Desk-Sharing im Unternehmen verbunden wäre.


Sonderregelung für Arbeitsunfälle im Homeoffice

Das Covid-Maßnahmenpaket bringt übrigens eine Sonderregelung für Arbeitsunfälle daheim. Damit ist (vorübergehend) gesetzlich klargestellt, dass jegliche Unfälle im Home Office vom Unfallversicherungsschutz erfasst sind, die in einem Zusammenhang mit der beruflichen Tätigkeit während der Arbeitszeit stehen. Der Aufenthaltsort der ArbeitnehmerInnen wird somit zum Betriebsort und Unfälle gelten als Arbeitsunfälle, unabhängig davon, ob sie sich in einem abgegrenzten Arbeitszimmer ereignet haben oder nicht. Die wesentliche Privatnutzung von Räumen, in denen während der Krise auch gearbeitet wird, schließt einen Arbeitsunfall nicht mehr aus.

 

Homeoffice spart Kosten ein

Aus Unternehmersicht bietet gut organisiertes Homeoffice jede Menge Einsparungspotenzial. Und natürlich ist dabei in erster Linie die Kostenreduzierung durch weniger Bürofläche ein Thema. Je mehr Homeoffice, desto weniger sitzt jemand an einem Schreibtisch. Bei drei Tagen Homeoffice ist der Arbeitsplatz nur noch zu 25 Prozent belegt – so wird Bürofläche zum Ladenhüter. Es ist aber nicht nur die Miete, es sind die gesamten Unterhaltskosten, bei denen man sparen kann: Die Gebühren für Strom, Heizung sowie die Reinigung der Büroflächen sinken, aber auch die Ausgaben für Goodies wie zB. Gratis-Kaffee und Obst. Und wie wir nun zusätzlich gelernt haben, können moderne Tools zudem auch teure und oft zeitraubende Geschäftsreisen – zumindest größtenteils – ersetzen.

 

Quellen:

https://www2.deloitte.com/content/dam/Deloitte/at/Documents/presse/Deloitte-Flexible-Working-Studie-2020.pdf

https://www.oegb.at/cms/S06/S06_0.a/1342634559694/home/arbeiten-im-corona-homeoffice

https://www.dak.de/dak/bundesthemen/sonderanalyse-2295276.html#/

http://publica.fraunhofer.de/eprints/urn_nbn_de_0011-n-5934454.pdf

https://www.dw.com/de/neue-studie-ein-hoch-aufs-homeoffice/a-54260701

https://www.derstandard.at/story/2000117029654/jetzt-gibt-es-mehr-geld-bei-unfaellen-im-homeoffice

 

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Dieser Artikel wurde am 13. August 2020 erstellt.

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